Kommentar Feige und peinlich!

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Gerne hätten wir unseren Lesern Bilder der Dresdner Fans gezeigt. Doch diese angeblichen Fans haben den Fotografen unserer Zeitung angegriffen, ihm seine Kameras abgenommen und diese zerstört. Ein feiger Angriff, der zeigt, was die angeblichen Fans von der Pressefreiheit halten: nämlich nichts.

Von Gewalt halten sie dagegen umso mehr. Die Polizei ermittelt jetzt wegen Raubes.

Die angeblichen Fans hatten den Vertreter der Presse aufgefordert, seine Bilder zu löschen, worauf er ruhig entgegnete, er mache hier nur seinen Job. Dann packten sie ihn und zogen ihn in die Masse, rissen ihm die Kameras von den Schultern und traten diese auf dem Boden wie Fußbälle vor sich her. Keiner aus der Menge der angeblichen Fans half dem wehrlosen Reporter oder forderte die Täter auf, die teuren Geräte diesem zurückzugeben.

Gewalt gegen Journalisten kennt man von totalitär eingestellten Ungeistern: Querdenkern, Pegida und Menschen aus extremistischen Lagern. Die Fälle häufen sich, der Hass auf freie Berichterstattung wächst. Jetzt auch angebliche Fußballfans, die in einer überwältigenden Mehrheit auf einen einzigen Menschen losgehen. Solche „Fans“ wollen wir in der Stadt nicht haben. Es ist die Kehrseite des großen Fußballfestes, das versprochen wurde.

Unsere Zeitung verurteilt diesen feigen und hinterhältigen gewaltsamen Angriff.

Wie wahr und weitsichtig doch der Kommentar des Kollegen aus der Sportredaktion, der am Tag des Samstags-Spiels erschien: „Dass einige ihre Gewaltbereitschaft nicht einmal in Abrede stellen, zeigte ihr Aufruf an die gleichgesinnten, die Reise per Sonderzug nach Bayreuth in Bomberjacken anzutreten.“ Wer sich egal wie mit zig anderen uniformiert, dem darf man mit gesundem Menschenverstand unterstellen, dies auch deshalb zu tun, um im Fall von illegalen Handlungen in einer amorphen und anonymen Masse untertauchen zu können. Und nicht wegen nichts war die Polizei in besonderer Alarmbereitschaft und in größerer Stärke als bei normalen Fußballspielen vor Ort.

Ein zweifelhaftes Bild, was Pressefreiheit angeht, gab auch Wolfgang Gruber, DU-Stadtrat und der Chef der Spielvereinigung Bayreuth, am Samstag ab. Er unterstellte schon vor dem Spiel und gewaltsamen Angriff auf den Fotografen dem Kommentator „Dummheit“ und dass Provokationen bei angeblichen Fans eben solchen Kommentatoren geschuldet seien. Gruber relativiert also von vorneherein mögliche Gewalt und mögliche andere illegale Handlungen der eigentlichen Täter und macht stattdessen Kommentatoren dafür verantwortlich. Er verkehrt das Täter-Opfer-Prinzip. Ein mehr als peinliches Verhalten!

Außerdem erteilt er dem Kommentator via Facebook Hausverbot für Spiele der Spielvereinigung Bayreuth, „so lange er sich nicht öffentlich entschuldigt und distanziert“. Und das wegen einer Meinungsäußerung. Es wird immer peinlicher!

Wolfgang Gruber sollte als demokratisch gewählter Stadtrat mal darüber nachdenken, was Meinungsfreiheit in einer Demokratie bedeutet – auch wenn eine Meinung gegen die eigene Überzeugung geht und vielleicht sogar gegen die Spielvereinigung Bayreuth. Wer Konsequenzen bei nicht passenden Meinungen androht, dessen demokratische Grundgesinnung scheint eines Stadtrates nicht würdig zu sein. Zumal die Meinung des Kommentators nur die Massen betraf, die sich in Bomberjacken-Uniform auf den Weg nach Bayreuth machten, und nicht alle Dresdner. Was Gruber wohl den Dresdner Ultras als Strafe androhen wird, wenn er schon Hausverbot erteilt, wenn ihm eine Meinung nicht passt?

Ein Bedauern, dass ein Reporter gewaltsam angegriffen wurde und den grundgesetzlich garantierten Auftrag der Berichterstattung nicht ausführen konnte, war bis zum späten Abend vom Wolfgang Gruber nicht zu hören.

Den Bericht vom Spiel lesen Sie hier >>>

 

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