Bis zur letzten Sekunde war am Opernhaus gearbeitet worden. Hier noch ein bisschen putzen, hinter dem Haus, am Bühneneingang, war gepflastert worden. Was für die Gäste des Staatsempfangs und die Besucher der anschließenden Oper "Artaserse" der Aufbruch in ein neues Zeitalter war, war für die, die sechs Jahre - oder länger - am und mit dem Operhaus gearbeitet haben, so etwas wie Abschied nehmen. Wie für den Architekten Michael Fränkel, der mittags, als die Sponsoren der Oper zusammen mit dem Präsidenten der Schlösserverwaltung, Bernd Schreiber, die ersten offiziellen Gäste vor der eigentlichen Einweihung waren. Fränkel legte bei letzten Details selbst Hand an. "Haken für die Handtaschen der Damen" für die Toiletten werden noch gebraucht, sagt er.  

"Es ist wunderschön"

Sechs Stunden später, pünktlich um 18.30 Uhr, nehmen die ersten der rund 460 Ehrengäste des Abends Platz. Viele mit einem ehrfürchtigen "es ist wunderschön" auf den Lippen. Söder spricht in seiner launigen Festansprache von "einem Wunder", das man an "einem prächtigen Tag an einem prächtigen Ort" erleben könne. Nirgendwo - zumindest in Bayern - könne man wie in Bayreuth zwei Theater von Weltrang erleben. Lacher erntet Söder für den Satz, dass er - als er noch Finanzminister war - gesagt hatte, "dass der Ministerpräsident zur Einweihung des Opernhauses auf jeden Fall kommen muss. Ich habe mit mir geredet - und ich bin sehr gerne da". Doch Söder zeigt: Er schätzt das Haus. "Man atmet hier nicht nur den Geist der Geschichte, sondern spürt die kulturelle Leistung derer, die das Haus geschaffen und jetzt restauriert haben".

Element der Völkerverständigung

Das Markgräfliche Opernhaus, sagt Söder, habe eine wichtige völkerverbindene Rolle: Bayern und Preußen würden hier verknüpft, schließlich "hat es in Bayern vor 1806 auch schon Geschichte gegeben", sagt Söder in Richtung von Franz von Bayern und Georg Friedrich von Preußen, die zur Einweihung gekommen waren. Man werde, sagt Söder, "zurückversetzt in die Zeit der Markgräfin Wilhelmine", wenn man bei einem Rundgang durch das Haus "jeden Meter etwas Neues, Großes, Beeindruckendes entdecke". Das Opernhaus, geschaffen von dem Architekturstar seiner Zeit, Giuseppe Galli Bibiena, im Auftrag von Markgräfin Wilhelmine, sei "ein ganz besonderes Weltkulturerbe. Alle anderen Barocktheater sind abgebrannt oder modernisiert worden. Nur das in Bayreuth ist bis ins Detail erhalten".

"Das Wunder"

Die Schlösserverwaltung habe "das Wunder", wie Söder es bezeichnet, geschafft: Das Opernhaus, einst "ein dunkles Haus" durch die falschen Überfassungen und die Tränkung des Holzes mit hochgiftigem Lindan, durch eine verkleinerte Bühnenöffnung, zeige jetzt wieder seine ursprüngliche Pracht: "Lindgrün, mit einzigartiger Stimmung und Farbenpracht." Für Bayreuth gelte ein Versprechen: Nicht nur mit dem Opernhaus wolle man Bayreuth als kulturelles Zentrum weiter entwickeln, "wir werden auch am Grünen Hügel einiges tun. Hier darf sich Bayreuth auf die Hilfe des Freistaats verlassen".

30 Millionen Euro als lohnende Investition in den Kulturstaat

Dass der Freistaat in den vergangenen sechs Jahren knapp 30 Millionen Euro investiert habe, sei lohnend, weil es "wichtig ist, als Kulturstaat präsent zu sein", sagt Söder. Kultur sei ein wichtiges Identifikationsmerkmal, "um der Fantasie freien Lauf lassen zu können". Ein Kulturstaat, sagt Söder, sei "ein Beleg für stabile Demokratie". Gleichsam sei das Opernhaus "ein Symbol aus Stein und Holz, aber auch von Geist und Freiheit". Deshalb, sagt Söder zur Freude nicht nur von Prof. Klaus Jürgen Drescher, dem Präsidenten der Theaterakademie August Everding, deren Studenten die Oper "Artaserse" auf die Bühnen brachten, dürfe man "an der Kultur nicht sparen, auch wenn nicht alles zu 100 Prozent gefördert werden muss".

"Aushängeschild des Freistaats"

Albert Füracker, Söders Nachfolger als Finanz- und Heimatminister, nennt das Opernhaus in seiner Ansprache "ein Aushängeschild des Freistaats Bayern", in dem "die Opernfreunde auf ihre Kosten kommen können, die Kunstbegeisterten sowieso". Die Wiedereröffnung des restaurierten Opernhauses 270 Jahre nach seiner Einweihung sei ein Beleg dafür, "wie der Freistaat Bayern sein kulturelles Erbe pflegt", sagt Füracker.

Die erste Theatervisionärin Bayreuths

Ein kulturelles Erbe, geschaffen von "der ersten Theatervisionärin auf Bayreuther Boden", wie Theaterakademie-Chef Drescher Wilhelmine nennt. Mit dem Opernhaus habe Wilhelmine einen Strukturwandel angestoßen, habe der Kunst eine deutliche höhere Wertigkeit eingeräumt, indem sie beim Bau des Opernhauses die Bühnenöffnung deutlich größer als damals üblich gestaltet habe. Wilhelmine, die durch Anja Silja eine tragende Rolle im Premierenwerk "Artaserse" in der Inszenierung der Theaterakademie besetzte, sei als "eine Wesensverwandte von August Everding" anzusehen, sagt Drescher. Seine Idee bei der Gründung der Theaterakademie vor 25 Jahren, "im Theater fürs Theater auszubilden, war so einfach wie genial".