Wilfried Engelbrecht ist tot

Ein Jahr war er als Stadtheimatpfleger im Amt: Jetzt ist Wilfried Engelbrecht im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer schweren Erkrankung gestorben. Foto: Archiv/Eric Waha

Traurige Nachricht für alle, denen die Geschichte der Stadt Bayreuth am Herzen liegt: Wilfried Engelbrecht, seit gerade einmal einem Jahr Stadtheimatpfleger, ist im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer kurzen, schweren Erkrankung gestorben. Die Stadt verliert mit Engelbrecht einen Mann, dem die ganz ernste Geschichte genauso wichtig war wie die augenzwinkernden Gschichtla dahinter.

Sein Lebenswerk hat er abgeschlossen. Im Sommer vergangenen Jahres hat er es herausgebracht, das Buch, das ihn rund 30 Jahre lang beschäftigt hat: Ein Buch, das er ganz schlicht "Geschichte der Stadtkirche Bayreuth" getauft hat. Und das er im Gespräch mit dem Kurier - typisch Engelbrecht - als "ein kulturhistorisches Leberkäslaabla" bezeichnet hat. Das Buch sollte sein Einstand werden in ein Ehrenamt, auf das er sich gefreut hat, das auf wenige Menschen so gut gepasst hat wie auf Wilfried Engelbrecht: Stadtheimatpfleger.

Ein Querdenker

Engelbrecht, sagt sein langjähriger Freund und Historiker Norbert Hübsch, "war ein Querdenker". Der gelernte Grafiker, der seit den 80er Jahren im Stadtmuseum war, habe es "unnachahmlich verstanden, Geschichte anders erlebbar zu machen. So ungewöhnlich, wie er selber war, waren auch die Bücher, die er geschrieben hat", sagt Hübsch. Engelbrecht sei der "akribische Erforscher der Bayreuther Geschichte gewesen", der es verstanden habe, den geschichtlichen Spagat zu gehen: Die Bücher, die er schrieb, befassten sich mit der Dammallee, mit den Huren von Bayreuth, mit der Stadtkirche.

Geschichtlicher Spagat

Die Bandbreite Engelbrechts war so groß wie seine Neugier, die er sich bis zuletzt bewahrt hatte: "Wilfried Engelbrecht hat sich um Bayreuth verdient gemacht durch das, was er den Bayreuthern alles vor Augen gehalten hat", sagt Gabriele Röhler, die Leiterin des Kulturamts der Stadt, die Engelbrecht ebenfalls seit vielen Jahren kennt. "Für das Amt des Heimatpflegers war er prädestiniert, weil er seiner Stadt so eng verbunden war", sagt Röhler. Wenn auch mit dem kritischen Blick auf die Stadt, den Engelbrecht sich bewahrt hat als "der Waldbauernbub aus Neunkirchen am Roten Main", wie er sich selbst gern nannte. Engelbrecht, der Mann der Gegensätze, der Mann mit Witz, hintergründigem Humor: "Ich bin", sagte er, als er den Job als Stadtheimatpfleger angetreten hat, "vielleicht eher ein schrulliger Einzelgänger, der gern für sich ist. Menschenmengen mag ich nicht, obwohl ich ein großer Menschenfreund bin."

Ein Gefühl für die Geschichte dahinter

Wilfried Engelbrecht, der auch als bildender Künstler aktiv war und sich der Pop-Art verschrieben habe, wie Gabriele Röhler sagt, "wie ganz wenige ein Gefühl für die Geschichte gehabt. Nicht nur die historisch interessanten Fakten wollte er wissen, sondern immer auch die Geschichten und Gschichtla, die für den Normal-Bayreuther genauso spannend sind". Geschichte, das war für Engelbrecht nicht das Element, das er für den Bildungsbürger aufgearbeitet hat. "Er hatte das Auge für die Marotten und die Spezialitäten von Bayreuth."

Sein nächstes Werk sollte den Wandel der Stadt zeigen

Sein nächstes Werk sollte ein Buch werden über Bayreuth im Wandel der Zeit. Es wird unvollendet bleiben, "obwohl er schon sehr weit war - und anschaulich zeigen wollte, wie Bayreuth sich verändert hat", wie Röhler sagt. Die schwere Krankheit, die erst vor wenigen Wochen diagnostiziert worden war, hat das Buch der Geschichte zugeklappt.

 

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