Wiederbelebung lernen Mit „Staying Alive“ zum Lebensretter

Der Notarzt Stefan Eigl (rechts) zeigt den Siebtklässlern am Donnerstag, wie sie die Herzdruckmassage richtig anwenden. Was ihnen im Kopf bleiben dürfte: der Bee-Gees-Hit „Staying Alive“, der tatsächlich den Rhythmus vorgibt. Foto: Eric Waha/Eric Waha

Leben retten lernen in der Schule: Das steht am Bayreuther Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE) jetzt wieder für die Siebtklässler auf dem Stundenplan. Man kann nicht früh genug anfangen, die Hemmschwelle für dieses Thema zu senken, findet Dr. Stefan Eigl, der die Schüler anleitet.

Ein Ohrwurm kann zum Lebensretter werden. Den setzt der Notarzt Dr. Stefan Eigl am Donnerstag den Siebtklässlern am Gymnasium Christian-Ernestinum ins Ohr, die an diesem Tag wirklich Lebenswichtiges lernen: Wie man einen Menschen durch Herzdruck-Massage wieder ins Leben zurück holen kann. Das geht mit der richtigen Technik, dem Druck auf den Brustkorb und mit dem Rhythmus des Bee-Gees-Hits „Staying Alive“, denn Eigl sagt: „100 Mal pro Minute fest drücken“, macht es kurz vor und singt dazu den Refrain des Liedes, das den Takt vorgibt: „Ha, ha, ha, ha – Staying Alive“.

Das geht nur live, nicht online

Nach zwei Jahren ohne den Wiederbelebungs-Kurs wegen Corona ist Eigl wieder an der Schule, an der er selbst einmal war – und wo er 2014 begonnen hat, den Siebtklässlern einen ganzen Vormittag lang die Techniken der Wiederbelebung beizubringen. „Das hat bei den Zwölf- bis 13-Jährigen einen ganz guten Effekt“, sagt Eigl im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es ist wichtig, sie für dieses Thema zu sensibilisieren.“ Und es findet nach wie vor zu selten statt, wie Eigl den Deutschen Rat für Wiederbelebung zitiert: Nur in zwei von 16 Bundesländern – in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern – gibt es an Schulen flächendeckend Lebensrettung im Unterricht als Angebot.

Die Hemmschwelle soll sinken

Wieder live an der Schule zu sein, ist wichtig, sagt Eigl: „Online geht das nicht. Die müssen ran an die Puppe und drücken.“ Nach einer kurzen Theorie-Hinleitung geht es schnell in die Praxis. Und das anfängliche Kichern, nachdem der erste Schüler von Eigl angeleitet auf der Puppe Little Anne den Brustkorb drückt, weicht schnell konzentriertem Verfolgen der Aktion. Denn jede und jeder kommt dran. Eigl sagt, es mache Sinn, mit den Schülern so früh wie möglich anzufangen, damit im Notfall die Hemmschwelle sinkt, einzugreifen. Weil sie wissen, was zu tun ist – und vor allem: Auch ihre Eltern für das Thema durch Erzählung interessieren. „Die tragen das in die Familien. Logisch. Das Ziel soll auch sein, Lehrkräfte zu schulen“, sagt Eigl, der auch an anderen Schulen schon war mit seinem Crash-Kurs zum Leben retten. Franz Eisentraut, der Direktor des GCE, findet das Angebot wichtig, „weil die Schüler so lernen, Verantwortung zu übernehmen für andere. Zu zeigen: Das geht uns was an.“

Kann man auch in zwei Stunden lernen

Weil die Erste-Hilfe-Kurse über mehrere Abende die Menschen oft abschrecken – oder Erlerntes, das beispielsweise für die Führerscheinprüfung Pflicht ist, wieder in Vergessenheit geraten ist, empfiehlt Eigl einen Kurs, den das Bayreuther Rote Kreuz entwickelt hat „und der patentiert ist: Lebensretter 112 heißt der Kurs“, sagt Eigl. „Da lernt man in zwei Stunden alles Wichtige.“

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