SEK-Einsatz in Pegnitz Mann erschießt seine Frau und sich selbst

Nach dem SEK-Einsatz am Sonntag in Pegnitz hat die Polizei nun ermittelt, dass ein 63-Jähriger seine 74-jährige Ehefrau und dann sich selbst erschossen hat.

Pegnitz - Es sieht noch chaotisch aus auf dem Flur im zweiten Stock des Hauses Am Posthalter. Überall liegt Schutt, Reste einer Wohnungstür. Eine massive Holzplatte versperrt den Eingang zur Wohnung auf der rechten Seite, ein Polizeisiegel ist aufgeklebt. Eine Firma ist gerade dabei die Reste der vergangenen Nacht zu beseitigen, wischt den Flur. Nach einer guten Stunde ist außer der Holzplatte nichts mehr zu sehen. Am Sonntagnachmittag hatte hier eine schreckliche Tat mit zwei Toten stattgefunden.

Wohnung schnell umstellt

„Die abschließende Identifizierung steht noch aus, die rechtsmedizinische Untersuchung findet noch statt“, sagt Julia Fug von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken auf Nachfrage unserer Zeitung am Montagmorgen. Am Sonntag hatte gegen 15.30 Uhr ein Mann bei der Polizei angerufen und angekündigt, sich etwas antun zu wollen.

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Gerüchte, dass er da auch schon angab, eine Frau getötet zu haben, wollte Fug nicht bestätigen. Die Wohnung war schnell von Polizeibeamten umstellt worden; das SEK, die Verhandlungsgruppe aus Nürnberg sowie Mitglieder der oberfränkischen Verhandlungsgruppe waren schnell vor Ort, da davon auszugehen war, dass der Mann bewaffnet ist. Er hatte eine waffenrechtliche Erlaubnis.

Zwei leblose Personen

Da kein Kontakt zu dem Mann aufgenommen werden konnte, wurde in den Abendstunden die Wohnungstür gesprengt und zwei leblose Personen wurden gefunden, so Fug. „Erste Ermittlungen haben ergeben, dass es sich dabei um die Wohnungsinhaber, eine 74-jährige Frau und einen 63-jährigen Mann handelte“, sagt die Pressesprecherin.

Der Mann habe erst die Frau und dann sich selber mit einem Gewehr erschossen, ein Fremdverschulden könne ausgeschlossen werden. Es wurde ein Abschiedsbrief gefunden, über dessen Inhalt sie keine Angaben machte, Motiv und Hintergründe der Tat werden noch ermittelt.

Zwei Schüsse gehört

„Es ist ein ungutes Gefühl, man fühlt sich so ausgeliefert“, sagt die 82-jährige direkte Wohnungsnachbarin am Tag nach der Tat. Sie habe die ganze Nacht nicht schlafen können. Ihre Schwiegertochter war am Sonntagnachmittag zu Besuch gewesen, als sie hörten, wie nebenan Möbel gerückt wurden.

„Gegen 16.15 Uhr hörten wir auf einmal kurz hintereinander zwei Schüsse“, sagt sie. Die Schwiegertochter sei auf den Balkon und habe mit Bewohnern aus dem Erdgeschoss gesprochen, die dann die Polizei gerufen hätten. Diese sei sehr schnell dagewesen und hätte bei ihr geklingelt. „Wir sollen uns in der Wohnung verstecken, haben sie uns aufgefordert“, so die Seniorin weiter.

Im Bad eingeschlossen

Sie hätten sich dann im Bad eingeschlossen und alle Rollos vorher heruntergelassen, als sie sahen, dass vermummte Polizisten auf dem Weg der auf ihrer Etage rund ums Haus geht, herumlaufen.

Auch die anderen Bewohner des 16-Parteien-Hauses, die in ihrer Wohnung waren, wurden aufgefordert, nicht herauszukommen. Bewohner, die nicht zu Hause waren, wurden beim Heimkommen von der Polizei, die das Gebiet um das neugebaute Mehrfamilienhaus weiträumig abgesperrt hatte, in die nahe gelegene Wiesweiherhalle geschickt. Dort waren sie von den Rettungsdiensten mit Essen und Getränken versorgt worden.

Ganz andere Dinge schon gesehen

Was kann sie über das Nachbarsehepaar sagen? „Der Mann war sehr zurückgezogen, blass und schmächtig“, beschreibt sie ihn. Einmal hatte sie kurz Kontakt mit ihm, als er bei einem Stromausfall kam und ihr mit dem Sicherungskasten helfen wollte. Von der Frau könne sie gar nichts sagen, sie wohnten alle noch nicht lange in dem Haus, man kenne sich noch nicht so gut.

Hatte sie Angst? „Nein, ich war eher in Schockstarre“, sagt die 82-Jährige, „ich habe den Zweiten Weltkrieg miterlebt, da habe ich ganz andere Dinge gesehen.“ Deshalb sei ihr auch sofort klargewesen, dass sie einen Schuss gehört hatte. Ihre Schwiegertochter habe immer mal wieder durch den Haustürspion geschaut.

Gegen Abend sei dann die Nachbarstür gesprengt worden. Zuvor hätte die Polizei immer wieder laut gerufen, ihr Nachbar solle die Tür aufmachen. Durch den Türspion habe die Schwiegertochter die Spurensicherung in ihren weißen Schutzanzügen gesehen. Gegen 22.30 Uhr seien Sanitäter, Kripobeamte und ein Psychologe zu ihr gekommen, hätten mit ihr gesprochen.

Nur flüchtig gekannt

Das Ehepaar aus einer der Penthousewohnungen war gegen 16 Uhr heimgekommen, als die Polizei schon da war und sie sofort aufforderte, in die Wohnung zu gehen und dort zu bleiben. „Wir haben das Ehepaar nur flüchtig gekannt“, sagt der Mann, „sie waren nett und angenehm.“

Bei einem Gespräch habe der 63-Jährige ihm mal erzählt, dass sie aus dem Münchner Umkreis kommen, er seit kurzem in Rente sei. Zuvor habe er 30 Jahre beim Forst gearbeitet. „Jetzt habe er die Nase voll vom Wald“, habe er erzählt, wolle mit seiner Frau das kulturelle Leben genießen. Die Frau sei sehr krank gewesen, habe Morbus Bechterew gehabt. „Sie hat aber nie gejammert und ihr Mann hat sich immer sehr liebevoll um sie gekümmert“, hat der Bewohner der Penthousewohnung beobachtet.

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