Stadtförster Dirk Muschik ist erleichtert: Aus dem Teich bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten darf Wasser entnommen werden. Denn die Regierung von Oberfranken ordnete erst kürzlich an, Wasser aus Oberflächengewässern zu sparen. Für die Gießaktion im frisch gepflanzten Bayreuther Klimawald wurde ein Fass mit 13.000 Liter Wasser gefüllt. Nur als Notlösung hätte man auf Trinkwasser aus dem Leitungsnetz der Stadtwerke zurückgegriffen, sagt Muschik.

Suche nach hitzebeständigen Alternativen

Am Stadtrand von Bayreuth hatten im Frühjahr über 250 Freiwillige innerhalb von drei Tagen rund 4700 Setzlinge gepflanzt. Dafür wurden vor allem Baumarten ausgewählt, die Trockenheit und einen Temperaturanstieg um zwei Grad verkraften. „Am meisten haben wir Eichen gepflanzt“, sagt der Stadtförster. „Die Buchen machen uns ein bisschen Probleme, was auch am Saatgut liegen kann.“

Die Initiative zu der Pflanzaktion kam von den Studenten Kun Woo Ro und Nikunj Pathak sowie der Studentin Theresa Landwehr. Sie studieren an der Uni Bayreuth den Masterstudiengang Global Change Ecology. „In Indien sind die Auswirkungen des Klimawandels noch viel dramatischer“, sagt Nikunj Pathak, der bald in sein Heimatland zurückkehren wird. Da so viele Menschen dort leben, fehlt Land, um Wälder zu pflanzen.

Ob der Waldumbau in Bayreuth gelingt, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Am Freitag war es möglich, das Projekt bei einem Rundgang mit dem Leiter des Ökologisch-Botanischen Gartens, Gregor Aas, kennenzulernen. Gesucht wurden auch Helfer, um die frisch gepflanzten Bäume mit Wasser zu versorgen. Dafür meldeten sich bisher 35 Freiwillige. Die vier Stunden dauernde Gießaktion beginnt um 9 Uhr und dauert bis 13 Uhr.

Wasser von oben fehlt zunehmend

Am besten wäre Wasser von oben: Im Forst junge Bäume auf einer einen Hektar großen Fläche zu gießen, ist logistisch keine leichte Aufgabe. „Wir haben die Baumreihen markiert, damit es für die Helfer leichter ist“, sagt Aas über den Feldversuch mit zehn Baumarten. Damit sei versucht worden, das Risiko zu streuen, damit möglichst viele Bäume stehen bleiben.

Bäume können Kohlendioxid aufnehmen. Und somit dem Klimawandel entgegenwirken. Wie viele Bäume wirklich anwachsen, bleibt abzuwarten. Voraussichtlich zwischen 100 bis 150, schätzen Aas und Muschik.

Nach der Pflanzaktion im Mai regnete es ausreichend, die Witterung war kühl und feucht, nur nachts herrschte teils Frost, der womöglich einige Neuaustriebe schädigte. Wichtig fürs Anwachsen sind der Feinwurzelanteil und Erdreich. Das Niederschlagsdefizit ist bisher zu hoch.

Schäden an Fichten, Kiefern und Buchen

Nach und nach sollen die alten Fichten und Kiefern entfernt und ersetzt werden. „Unsere Fichten machen schlapp und sind von der Wärme geschwächt.“ An Kiefern und Buchen seien ebenfalls bereits Schäden sichtbar. Jetzt werden Praxiserfahrungen mit heimischen und exotischen Baumarten gesammelt. Zum Beispiel mit Traubeneichen, Rot- und Hainbuchen, Weißtannen, Vogelkirschen, Esskastanien, Baumhaseln, Winterlinden, Douglasien und Elsbeeren. „Wir wollen sehen, wie sie auf Schädlinge reagieren und sich mit dem heimischen Ökosystem vertragen.“ Dafür sei die stadtnahe Demonstrationsfläche ideal. Denn einfach Abzuwarten, bis der Klimawandel noch mehr zuschlägt, ist keine Lösung.