„Ein Vorbild“ Tigers-Kapitän Kolozvary beendet seine Karriere

In die Freude und die Erleichterung über den perfekt gemachten DEL2-Klassenerhalt mischte sich bei der Saison-Abschlussfeier der Bayreuth Tigers auch ein großes Stück Wehmut. Denn es hieß Abschied nehmen – unter anderen von Kapitän Ivan Kolozvary.

Von Stefan Wolfrum

„Mit ihm verlieren wir nicht nur einen herausragenden Sportler, sondern auch einen großartigen Menschen“, sagte Tigers-Geschäftsführer Matthias Wendel über den letzten verbliebenen Akteur der Bayreuther DEL2-Aufstiegsmannschaft aus dem Jahr 2016. Der mittlerweile 39 Jahre alte Kolozvary – und das wurde auch in einer emotionalen Videobotschaft von aktuellen und ehemaligen Weggefährten deutlich – war ein Musterprofi, der die jüngere Bayreuther Eishockey-Geschichte neun Jahre lang wesentlich mit geprägt hat: als Torjäger, Vorbereiter, aber vor allem als Führungsspieler.

Zahlen: Zwei Jahrzehnte lang Eishockey auf hohem Niveau fördern natürlich auch beeindruckende Statistiken zu Tage. Vertraut man der Eishockey-Datenbank „rodi-db.de“, so hat Kolozvary 1064 Pflichtspiele in seiner Karriere absolviert und dabei 866 Scorerpunkte (289 Tore / 577 Assists) verbucht. Alleine 476 Pflichtspieleinsätze absolvierte der Deutsch-Slowake für die Tigers. Dabei gelangen ihm insgesamt 508 Punkte, wobei er 148-mal selbst ein Tor erzielte.

Der Entschluss: Ivan Kolozvary trifft Entscheidungen, wie er Eishockey gespielt hat: kompromisslos und hart. Deshalb gibt es für ihn auch kein Zurück. Nach dieser Saison aufzuhören, stand für ihn schon fest, als der erste Puck im Oktober aufs Eis geworfen wurde. „Es war eine Entscheidung der ganzen Familie“, sagt er. „Ich habe jetzt auch das richtige Alter.“ Außerdem sei es ihm in den zurückliegenden beiden Jahren nicht mehr so leichtgefallen wie früher, sich für das Sommertraining zu motivieren. „Ich war dann zwar schon immer topfit, es hat mich aber viel Kraft gekostet.“ Das gilt auch für diese Saison. „Unglaublich erleichtert“ sei er schon, dass sein Team Zweitligist bleibt. „Es war aber kräftezehrend und mental unheimlich hart.“

Erinnerungen: „Keine Frage, die beste Zeit meiner Karriere hatte ich in Bayreuth.“ Er habe sich sofort wohlgefühlt, sei von der Truppe super aufgenommen worden, als er, aus Halle gekommen, im August 2013 im Tigerkäfig das erste Mal beim Teamtraining auf dem Eis stand. Trainer der damaligen Oberliga-Mannschaft war Sergej Waßmiller („Lieber Ivan, wenn ich meine Wunschmannschaft zusammenstellen dürfte, wärst du immer die Nummer eins“), Kapitän der Truppe Jozef Potac: „Ivan, du bist ein super Spieler, ein super Mensch.“

Höhepunkte: Es sind die Oberliga-Spielzeiten eins und drei sowie das erste Jahr in der DEL2, die ihm besonders in Erinnerung bleiben werden. „Im ersten Oberliga-Jahr sind wir als Aufsteiger gleich ins Playoff-Halbfinale gekommen, das war großartig.“ Unübertroffen sei aber die Aufstiegssaison 2015/16 gewesen. „Super Mannschaft, super Stimmung.“ Und auch das erste Zweitliga-Jahr, als der EHC Bayreuth als Aufsteiger in die Pre-Playoffs einzog und dort den SC Riessersee aus dem Weg räumte – „ein echter Hammer“.

Zukunftspläne: Ob Eishockey weiter eine Rolle in seinem Leben spielen wird – und wenn ja, welche –, das weiß er noch nicht. „Ich bin jetzt erst einmal froh, dass es vorbei ist.“ Noch weniger konkret sind seine Zukunftspläne. Die wichtigste Entscheidung wird er aber bald treffen: ob er zurück in seine slowakische Heimat geht oder in Bayreuth bleibt. „Beides ist möglich.“ Beruflich wird es aber eher etwas „Ziviles“ werden. Nicht umsonst hat er seinen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften gemacht.

INFO: Eine Bildergalerie vom Abschlussfest der Tigers finden Sie unter kurier.de.

Die Hoffnungen des Bayreuther Anhangs blieben unerfüllt. Denn seit Donnerstagabend ist klar, dass Cason Hohmann die Bayreuth Tigers verlassen wird. Der mit insgesamt 74 Assists beste Vorbereiter der Liga und kongeniale Sturmpartner von Topscorer Ville Järveläinen wird seine Karriere beenden – und das mit erst 29 Jahren. Er startet in seiner US-amerikanischen Heimatstadt Boston eine berufliche Karriere in einem Unternehmen. Daneben werden auch die beiden Verteidiger Dominik Meisinger und Daniel Stiefenhofer Bayreuth den Rücken kehren. Beide zieht es zurück in Richtung ihrer Heimat Füssen. Während Meisinger in zwei Spielzeiten 91-mal für die Tigers auf dem Eis stand und dabei 35 Scorerpunkte (11 Tore / 24 Assists) markierte, verletzte sich Stiefenhofer nach nur 14 Spielen in dieser Saison so schwer an der Schulter, dass die Spielzeit für ihn beendet war. wum

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