Schon der Geruch des Putzmittels löst Euphorie aus
Und natürlich ist so über die Jahre ein gutes und weit verzweigtes Netzwerk gewachsen. Für eine Vorstellung werden 28 Blaue gebraucht, nicht alle von uns bleiben für die ganze Spielzeit, also ist die Zahl der Kolleginnen, die man trifft, entsprechend groß. Und wir sind ja doch vorrangig Leute mit der Ambition, im Opernbetrieb – im weitesten Sinne – Fuß zu fassen. Ich muss nur überlegen, was die Kolleginnen aus meinem ersten Jahr jetzt machen – alle sind mit dem Studium fertig, viele Kolleginnen haben Gesang studiert und stehen jetzt am Anfang ihrer Karriere, andere arbeiten als Dramaturginnen an verschiedenen Häusern. Eine Freundin ist Regisseurin, ich habe bei einem Projekt in Hamburg mit ihr zusammengearbeitet – und die meisten Leute, die wir dazuholten, kannten wir über andere Blaue. Es gibt jemanden im Orchestermanagement des WDR-Sinfonieorchesters, ich selbst arbeite beim Bayerischen Rundfunk. Das Netzwerk beschränkt sich auf die Gegenwart, es gibt keine Alumni-Treffen und keine Ewige Liste. Aber natürlich passiert es immer wieder, dass man erfährt, eine andere Blaue plant dies oder jenes – und dann fragt man natürlich: Kennst du noch diese eine Kollegin, die vor vier Jahren blau war und heute genau dies oder jenes macht? Dann stellt man den Kontakt her - und wenn man da anruft und sagt, von wem man die Nummer hat, dann hört die andere zumindest mal zu. Und immer wieder kommen Festspielbesucherinnen zu mir, die erzählen, dass sie selbst früher auch fünfzehn Jahre lang als Blaue dabei waren. Ich finde es dann immer sehr spannend zu fragen, was die heute machen. Und ich würde so weit gehen zu sagen, dass ich das, was ich jetzt beruflich mache, wohl niemals machen würde, ohne blau gewesen zu sein.