Wegen Spielermangels Mistelbach zieht Bezirksliga-Team zurück

Rassige Bezirksliga-Zweikämpfe wie diesen aus der vergangenen Spielzeit zwischen TSV-Akteur Stefan Olpen (links) und dem Selber Cem Parlakkilic wird es in Mistelbach zumindest in naher Zukunft nicht mehr geben. Foto: Peter Mularczyk

FUßBALL. Eine nüchterne Mitteilung des Bayerischen Fußball-Verbandes verkündete das, was die Spatzen schon von den Dächern pfiffen: Der TSV Mistelbach zieht seine Mannschaft aus dem Spielbetrieb der Bezirksliga Ost zurück – „wegen Spielermangels“, wie Lukas Kachelmann vom Bezirksverband in einer E-Mail an alle Vereine wissen lässt.

Darin ist weiter zu lesen: „Der jeweilige Gegner bleibt spielfrei. Der TSV Mistelbach wird auf den letzten Tabellenplatz gesetzt und kann diese Mannschaft für die Saison 2020/2021 wieder zum Spielbetrieb in der untersten Spielklasse des Kreises melden.“ Klar ist damit: Die Bezirksliga geht am Freitag nur mit 15 Vereinen an den Start, und es wird nur zwei direkte Absteiger geben.

Unklar ist hingegen, warum es in Mistelbach so weit gekommen ist. Nach acht Spielzeiten in der Bezirksliga zählte der TSV zum Inventar, in der vergangenen Saison unter der Regie von Trainer Markus Taschner sogar zum Kreis der Aufstiegsaspiranten. Warum den Mistelbachern dann nach einer der erfolgreichsten Spielzeiten mit Platz vier im Endklassement nach und nach die Spieler weggelaufen sind, bleibt das große Geheimnis. Lüften will das auch jetzt niemand. Insbesondere der Mistelbacher Vorstand ändert auch nach dem vollzogenen Rückzug nichts an seinem Schweigen.

Jürgen Schmidt: "Werde öffentlich keine schmutzige Wäsche waschen."

„Ich werde mich dazu nicht äußern und öffentlich keine schmutzige Wäsche waschen“, sagt Vorsitzender Jürgen Schmidt auf Nachfrage. Und auch der erst kürzlich zurückgetretene Spielertrainer Daniel Heißensein ist zu keiner Aussage zu bewegen. Per Whattsapp-Nachricht teilt er lediglich mit: „Ich habe mein Bestes gegeben und versucht, alles zu retten. Ich habe ein gutes Gewissen und kann mir nichts nachsagen lassen.“

Was er meint: Nachdem der zum Nachfolger von Coach Markus Taschner auserkorene Micha Pietzonka als Trainer im Frühjahr abgesagt hatte und klar war, dass dem Kader ein kräftiger Aderlass drohen wird, übernahm der 31-Jährige das Zepter. Die erhoffte Rettung aber schlug fehl. Und spätestens nach dem Rückzug des frustrierten Heißenstein am letzten Juni-Wochenende deutete alles auf einen Zusammenbruch hin.

„Der Mistelbacher Vorstand hat mich am Sonntagabend angerufen und darüber informiert, dass er es trotz großer Bemühungen nicht schafft, eine Mannschaft zu stellen“, sagt Bezirksspielleiter Gerald Schwan, der zumindest etwas Licht ins Dunkel bringt. „Der Vorstand hat mir gesagt, dass er alles probiert habe, eine Mannschaft zusammenzubekommen, und selbst mit Spielern aus der zweiten Mannschaft spielen wollte. Aber auch das hat nicht gereicht. Offensichtlich hat sich in Mistelbach eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt.“

Es sei nach Aussagen Schmidts wohl so gewesen, „dass Spieler irgendwelchen Gerüchten mehr Glauben schenkten als dem Wort ihres Vorsitzenden, mit dem sie jahrelang vertrauensvoll zusammengearbeitet haben“, sagt der Bezirksspielleiter, der den Schritt der Mistelbacher sehr bedauert. „Es gab nie Probleme mit dem Verein, es war immer eine sehr gute Zusammenarbeit.“

SG Gesees/Mistelbach II mit genug Spielern

Was passiert nun mit den wenigen verbliebenen Spielern des Bezirksliga-Kaders der vergangenen Saison? Diese Akteure werden eigentlich in der Spielgemeinschaft SV Gesees/TSV Mistelbach II aufgefangen, die in der Kreisklasse V an den Start geht. Doch wie viele Spieler das sein werden – auch dazu gibt es nichts Konkretes. Schließlich hätten sich einige dieser Akteure noch innerhalb der Wechselfrist abgemeldet und könnten damit auch jetzt noch wechseln, sofern sie einen neuen Verein fänden, sagt zweiter Vorsitzender Thorsten Feilner, der aber keine Prognose abgeben will, wie viele das sein werden.

Fakt sei nur: Die Spielfähigkeit der SG sei davon nicht betroffen. „Diese Mannschaft hat ausreichend Spieler. Jeder Spieler, der jetzt von oben noch dazukommt, ist sozusagen ein Bonusspieler.“

Daniel Heißenstein wird keiner dieser Akteure sein. Er wird den Mistelbachern selbst als Spieler nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch er überlegt sich, woanders anzuheuern. „Ich lasse mir Zeit und schaue, wo Bedarf ist“, teilt er per Whatsapp mit.

 

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