Waldkindergarten Spielen in der freien Natur

Mit nur drei Kindern hat der Auerbacher Waldkindergarten auf der Hohen Tanne seinen Betrieb aufgenommen. Es werden mehr werden, ist sich der Geschäftsführer des Trägers, Benjamin Zeitler, (rechts) sicher. Foto: Klaus Trenz

AUERBACH. Auerbacher Eltern können ihre Kinder seit vergangene Woche in den Waldkindergarten auf der Hohen Tanne schicken. Ein Ortsbesuch.

Sie spielen mit Dingen, die sie vorwiegend im Wald oder auf dem Feld vorfinden, werden von zwei Erzieherinnen und einer Kinderpflegerin betreut. Das Konzept gibt es seit über 60 Jahren und hat das Ziel, mittels natürlicher Lernsituationen im Wald Herausforderungen zu meistern. Es soll die Grob- und Feinmotorik fördern, und zwar „durch natürliche, differenzierte, lustvolle Bewegungsanlässe“, heißt es im Kita-Handbuch der Fachautorin Sandra Schaffer.

"Im nächsten Jahr voll"

Drei Kinder sind es momentan, die den Waldkindergarten besuchen. Der Grund dafür, dass es nicht die angepeilten 24 Kinder sind, solle nicht auf fehlenden Bedarf zurückgehen, sagt Benjamin Zeitler, einer der drei Geschäftsführer des Trägers Learning Campus aus Trabitz. Vielmehr habe die kurze Umsetzungszeit nicht mehr Anmeldungen zugelassen: „Viele Eltern hatten ihre Planungen für ihre Kinder schon abgeschlossen“, sagt Zeitler und ist sich sicher: „Wir gehen davon aus, dass der Waldkindergarten im nächsten Jahr voll ist.“

Bauwagen für 70.000 Euro

Erst Ende Mai gab es den Beschluss des Stadtrats, einen Waldkindergarten einzurichten. Die erforderlichen Genehmigungen dafür mussten also innerhalb kürzester Zeit erfolgen, erklärt Bürgermeister Joachim Neuß, um zu Beginn des Kindergartenjahrs auch starten zu können. Schon alleine der Bauwagen – ein Kennzeichen des Waldkindergartens, der als Ankerpunkt, Unterschlupf, zum Frühstücken, zum Aufwärmen oder als Lager dient – war für diese kurze Zeit schwierig aufzutreiben. Man hat dennoch eine Schreinerei gefunden, die den Bauwagen für rund 70 000 Euro gebaut hat.

Kindergarten hätte drei Millionen gekostet

Fast nebenbei erwähnt Neuß, dass ein massiver Kindergartenbau vermutlich drei Millionen gekostet hätte. Für den Bauwagen sei übrigens eine Baugenehmigung erforderlich gewesen. „Wir entwickeln keinen Bedarf, sondern decken ihn“, so Neuß. Der städtische und die drei kirchlichen Kindergärten seien überbelegt. Es ginge eng zu in den Gruppen. „In den vergangenen Jahren sind wir mit 28 Kindern in den einzelnen Gruppen gefahren“, sagt Neuß, drei mehr als eigentlich als Höchstanzahl gelte. Und Neuß befürchtet, dass es noch mehr werden, da der Kindergartenzuschuss in Höhe von 100 Euro erst ab fünf Buchungsstunden ausgezahlt wird. Eltern, die nur drei bis vier Stunden für ihre Kinder in den Kindertagesstätten gebucht haben, „werden aufstocken“. Die Stadt habe weitere Plätze gebraucht. Wie bei anderen Kindergärten auch, trägt die Stadt Auerbach ein eventuelles Defizit.

Eltern kommen aus Eschenbach

Für den Waldkindergarten gebe es viele Interessenten fürs nächste Kindergartenjahr 2020. Dass das alternative pädagogische Angebot wohl auch in Auerbach angenommen werde, zeige sich alleine schon daran, dass Eltern ihre Kinder in den Waldkindergarten nach Eschenbach fahren. Die Einrichtung sei „mittlerweile auch nichts Besonderes mehr“, sagt Zeitler.

Seit Anfang der 1990er Jahre gebe es Waldkindergärten in Deutschland. Insgesamt dürften es aktuell rund 1500 sein. Man sehe sich im Übrigen auch nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Kindergärten, sondern als ergänzendes Angebot dazu. Die Idee eines zusätzlichen Angebots für Auerbach sei nicht von heute auf morgen aufgetaucht.

Schützenheim war ungeeignet

Längere Zeit, erklärt Neuß, liebäugelte man mit einem Naturkindergarten im mehr oder weniger leer stehenden Schützenheim in Nitzlbuch. Aber die baulichen Voraussetzungen seien ungeeignet gewesen. Die Erzieherin Kerstin Looshorn aus Auerbach, die bis dato im Fatima-Kindergarten gearbeitet hat, habe dann mit einer Auerbacher Mutter die Idee eines Waldkindergartens vorgebracht.

Sie ist jetzt Erzieherin im neuen Waldkindergarten auf der Hohen Tanne. Damit hat sich die Naturliebhaberin auch einen Wunsch erfüllt. Sie ist viel mit ihrem Hund in der freien Natur unterwegs und hat auch keine Bedenken, dass der Winter und niedrige Temperaturen ihre Begeisterung für das pädagogische Konzept des Waldkindergartens nehmen werden. Außerdem sei man „immer unterwegs“. Für ihre Kollegin Theresa Malina aus Hainbronn wird es ein Test. „Ich will das unbedingt ausprobieren“, sagt sie.

„Sachen lernen durch Begreifen und Anfassen“

Andrea Aichinger hat ihre zweieinhalbjährige Tochter Viktoria in den Waldkindergarten Auerbach gebracht. Ihr Sohn geht in den Waldkindergarten nach Eschenbach, weil das lärmempfindliche Kind dort die nötige Ruhe habe. Die neue Einrichtung komme ihrer „eigenen Liebe zur Natur“ sehr gelegen. Sie war auch die Mutter, die zusammen mit Kerstin Looshorn der Stadt die Idee eines Waldkindergartens nahegebracht hat. „Ich selbst habe in meiner Kindheit viel Zeit im Wald verbracht und das möchte ich jetzt auch meinen Kindern ermöglichen.“

Katharina Schaffer aus Michelfeld hat ihre fast vierjährige Tochter Mia im Waldkindergarten angemeldet. Sie habe sich viele Regeleinrichtungen angesehen und es sei ihr dort aufgefallen, dass die Kinder auf engstem Raum zusammen seien. Das Waldkindergartenkonzept habe sie angesprochen: „Sachen lernen durch Begreifen und Anfassen.“ Haben die Mütter Angst, dass ihre Kinder im Winter frieren? Nein. „Gescheit anziehen und sich viel bewegen, dann friert man auch nicht“, sagen beide.

In das Dorfzentrum in Welluck wird ausgewichen, wenn die Minusgrade zweistellig werden, wenn es stürmen sollte oder es so windig ist, dass der Aufenthalt im Wald nicht sicher ist. Das Personal, so Zeitler, sei darauf geschult, das Wetter im Auge zu haben und auf Sicherheit zu achten. „Bei einer gewissen Windstärke betreten wir den Wald nicht mehr.“ Die Eltern würden dann informiert.

 

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