Bayreuther Klos Vortrag: Ein schwieriges Geschäft

Ging als Bayreuths teuerste Toilette in die jüngere Geschichte ein: Das kombinierte Toiletten- und Kiosk-Ensemble am Festspielhaus. Foto: Eric Waha/Eric Waha

Bayreuth hat sich schon immer schwer getan mit dem täglichen Geschäft. Das hat Marcus Mühlnikel herausgefunden, der am Donnerstagabend um 19 Uhr einen Online-Vortrag für den Historischen Verein hält. Mit spannenden Einblicken in die Geschichte öffentlicher Toiletten. Und einigen Seitenhieben.

Bayreuth - Bayreuth und das tägliche Geschäft – ein alles andere als einfaches Geschäft. Das hat sich nicht nur bei den Diskussionen der vergangenen Jahre gezeigt. Um das Toilettenhäuschen an Haus Wahnfried, zum Beispiel. Oder die Geschichte der bislang teuersten Bayreuther Bedürfnis-Anstalt am Festspielhügel. Es ist ein Thema, bei dem eigentlich jeder mitreden kann. Das manchem ein Lächeln ins Gesicht treibt, das einen aber auch die Haare raufen lässt. Und wenn man schon mal an die vielen Wortspiele denkt: Marcus Mühlnikel ist tief eingetaucht – in die Geschichte der öffentlichen Toiletten in Bayreuth. Der Historiker, der am Institut für fränkische Landesgeschichte arbeitet und forscht, hat einen Vortrag für den Historischen Verein zusammengestellt, den er am Donnerstagabend um 19 Uhr online halten wird.

Auslöser: Die Posse ums Wahnfried-Klo

Die – vielleicht sogar nicht einmal so wahnsinnig – überraschende Erkenntnis über allem: In Bayreuth hat es schon immer länger gedauert, bis man einen Ort für das Örtchen, das öffentliche, gefunden hat. Und sogar die Wahl des Örtchens an sich war: selbstverständlich nicht einfach. Marcus Mühlnikel sagt am Dienstag im Kurier-Gespräch, dass es tatsächlich die jüngsten Possen um die Standortsuche bei Haus Wahnfried, die „spontane Abholzungsaktion, um Fakten zu schaffen“ und die Kommentare und Leserbriefe sowie davor das Klo-Haus am Festspielhaus gewesen seien, die ihn auf das Thema gebracht hätten. „Ich habe im Stadtarchiv recherchiert“ , sagt Mühlnikel. „Und auf Basis der Fakten den Bogen zur jeweils zeitgenössischen Hygiene geschlagen. Bayreuth hat sich bei dem Thema an Nürnberg orientiert, um festzulegen, wie die Pissoirs aussehen sollten.“

Johann Fassold brachte die Sache zum Laufen

Der Hintergrund der ganzen Sache: Der geht auf den ehemaligen Kompanieschneider Johann Fassold zurück. Der habe, sagt Mühlnikel, im Jahr 1858 am Durchgang von der Friedrichstraße zur Dammallee „hingepinkelt und ist prompt erwischt worden“. Die Strafe, die die Polizei ihm aufdrücken wollte, hat er nicht zahlen wollen „mit zwei Begründungen: Aus medizinischen Gründen habe er es nicht mehr länger halten können. Und außerdem pinkeln genau da alle auch hin“, sagt Mühlnikel. Der Vorfall habe die Diskussion um die erste öffentliche Toilette in Bayreuth ausgelöst. „Der Stadtbauhof hat auch verschiedene Modelle gebaut, von denen keins aufgebaut wurde, weil man in Bayreuth der Meinung war, das müsse auf jeden Fall ein wasserführendes Pissoir werden.“

18 Jahre bis zum Klo

Sage und schreibe 18 Jahre dauert es, bis ab dem Beginn der Diskussion, die Johann Fassold ausgelöst hatte, im Jahr 1876 das erste öffentliche Klo gebaut wird, „am heutigen Annecyplatz, im Kasernenviertel, wo heute auch noch eins steht. Das ist überhaupt interessant: Die Standorte haben sich kaum geändert“. In seinem ritt durch die Geschichte wird Mühlnikel, wie er sagt, auch auf das einst komfortabelste Toilettenhaus eingehen, das „ab 1911 am Luitpoldplatz stand, das war Bayreuths prächtigste Toilette, die eigentlich im Markgrafen-Stil gebaut werden sollte, dann aber doch schlichter wurde – aber das erste öffentliche Toilettenhaus mit Damentoilette war“. Abgerissen wurde diese Einrichtung 1933 von den Nazis.

Sauerei und zotige Sprüche

Dass es die Bayreuther Männer mit der Sauberkeit und zotigen Sprüchen auf Toilettenwänden nicht so genau nahmen, lässt sich an Beschwerden belegen, die bis ins Jahr 1910 zurückführen, sagt Mühlnikel, der in seinem Vortrag auch die Zeit ab den 50er Jahren näher beleuchten wird. Denn die Geschichte des täglichen Geschäfts wird auch hier von den Ereignissen der Zeitläufe bestimmt.

Info: Unter www.hvo.franken.org und dem Reiter „HV Aktuell“ findet man den Link zu dem kostenlosen Vortrag „Everybody’s Business – Die Geschichte der öffentlichen Toiletten in Bayreuth“ am Donnerstagabend um 19 Uhr.

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