TSV Mistelbach Das laute Schweigen des Vorstands

Symbolfoto: dpa

KOMMENTAR. Für die nicht am lokalen Fußballgeschehen Interessierten ist zu Beginn dieser Woche irgendwo in China ein Sack Reis umgefallen. Der Rest registrierte am Montag nicht weniger als den GAU bei einem ehemals ambitionierten Amateursportverein.

Der TSV Mistelbach hat seine erste Fußball-Mannschaft, sein Aushängeschild, wegen Spielermangels aus der Bezirksliga abmelden müssen – und das nach dem achten Jahr der Zugehörigkeit in dieser Klasse und einer der erfolgreichsten Spielzeiten überhaupt. Anstatt weiter auf Bezirksebene zu kicken, treten die verbliebenen Mistelbacher jetzt in der Kreisklasse an, in einer Spielgemeinschaft unter Federführung des SV Gesees. Das ist ein Hammer und ebenso bedauerlich wie tragisch.

Warum den Mistelbachern die Spieler scharenweise davongelaufen sind – unklar. Wer letztlich die Hauptschuld trägt an dem Dilemma – unklar. Klar ist nur, dass sich die beharrlich und laut schweigende Mistelbacher Vereinsführung Vorhaltungen gefallen lassen muss. Macht es doch die Blockadehaltung der beiden Vorsitzenden Jürgen Schmidt und Thorsten Feilner schlichtweg unmöglich, sich eine objektive Meinung zu bilden. Man möchte keine schmutzige Wäsche waschen, heißt es lapidar. Dabei haben doch – wenn schon nicht die breite Öffentlichkeit – wenigstens Mitglieder, Zuschauer, Gönner und Gegner des Vereins ein Recht auf Antworten.

Schon während die Mistelbacher ums sportliche Überleben kämpften, als die ersten Spieler abwanderten und erste leise Gerüchte um eine Abmeldung der ersten TSV-Mannschaft die Runde machten, war Stillschweigen das oberste Gebot der Vereinsführung. Man wolle die Spekulationen nicht weiter befeuern, hieß es damals. Genau das Gegenteil war der Fall. Der TSV Mistelbach wurde Gesprächsthema bei allen Fußballinteressierten im Raum Bayreuth nur aus einem einzigen Grund: weil die Fakten fehlten. Der eine glaubte etwas zu wissen, der andere dichtete etwas hinzu, und der nächste ließ an anderer Stelle etwas weg.

Spätestens als auch noch Trainer Daniel Heißenstein entnervt das Handtuch geworfen hatte, die Vereinsführung aber noch zwei Tage danach kommunizierte, Heißenstein sei der Trainer für die kommende Saison, hatte sich das schiefe Bild verfestigt: Aus einer der ehemals besten Fußballadressen im Landkreis war plötzlich ein Verein geworden, der seinen Spielern falsche Versprechungen macht und ganz bewusst Unangenehmes verschweigt. Die Glaubwürdigkeit leidet massiv darunter. Und dass die verbliebenen Spieler daraus ihre Konsequenzen ziehen, wer will es ihnen verdenken. Somit ist der tiefe Fall auch hausgemacht. Weil Schweigen eben nicht immer Gold ist.

stefan.wolfrum@kurier.de

 

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