TAO-Gebäude Die ersten Studenten sind da

BAYREUTH. Die Fahrräder sind ein erstes Zeichen. Ein positives. Die ersten Studenten sind da. Und mit ihnen die Professoren. Die ersten Nutzer des Gebäudes, das eigentlich bereits seit ziemlich genau einem Jahr wichtiger Baustein der Technologie-Allianz Oberfranken sein soll – des TAO-Gebäudes. Die Mängelbeseitigung steht vor dem Abschluss, die Teilfreigabe für das Gebäude ist da.

Neuneinhalb Wochen. Das ist nicht nur der Titel eines bekannten Films. Das ist die Zielvorgabe für den Uni-Kanzler Markus Zanner und den Vize-Kanzler Tomas Scheibel, der selbst mit seinem Lehrstuhl einer der Nutzer von TAO ist. In neuneinhalb Wochen, ab Mitte September, „ist der Umzug geplant“, sagt Scheibel bei einem Rundgang mit dem Kurier im TAO-Gebäude. „In KW 38 geht es richtig los“, sagt Scheibel. „Zum Wintersemester soll alles laufen“, sagt Zanner.

Soll laufen, was holprig begann, denn: Ende Juni vergangenen Jahres hatte Zanner nach einigen schlaflosen Nächten die Inbetriebnahme des 44 Millionen Euro teuren Komplexes, der Heimat werden soll für fünf Lehrstühle aus den Bereichen Materialwissenschaften, Werkstofftechnik und Energietechnik, abgesagt. Mängel in der Haustechnik, in der Reinstgasversorgung und einige andere Kleinigkeiten. Und, was noch viel wichtiger ist: Ein richtiger Probebetrieb wird ohnehin erst unter Volllast möglich sein.

Mängelforschung, juristische Auseinandersetzungen mit den Firmen unter Regie des Staatlichen Bauamts, das für den Bau von TAO die Fäden in der Hand hält, und eine Beseitigung – eine aufwendige Beseitigung über ein halbes Jahr hinweg – waren seitdem die Folge. Aber: Das Ziel, das Zanner und der Leiter des Hochbaubereichs des Staatlichen Bauamts, Christof Präg, im Januar im Gespräch mit unserer Zeitung ausgegeben hatten, kann gehalten werden: Einzug im Herbst.

Positive Signale

Zanner und der Leiter der Zentralen Technik der Uni, Reinhard Schatke, sagen jetzt im Kurier-Gespräch: „Für Bauteil eins und zwei sowie einige Räume in den Bauteilen drei und vier haben wir bereits eine Teilfreigabe bekommen.“ Vollbetrieb sei erst möglich, „wenn dann tatsächlich alle technischen Anlagen vollständig funktionieren“, sagt Schatke.

Aber: Die Signale seien positiv. „Wir fangen mit den Nutzer-Tests an“, sagt Scheibel. Das bedeute auch, dass einige der teuren und großen Geräte „mit Sondergenehmigung“ in freigegebenen Räumen aufgestellt und in Betrieb genommen werden konnten.

Was teilweise viel Zeit in Anspruch nimmt: Ein Raster-Elektronenmikroskop etwa, das allein einen Wert von 1,5 Millionen Euro hat und das für Scheibels Lehrstuhl angeschafft wurde, „braucht rund vier Wochen, bis alles so eingestellt ist, dass es nutzbar ist“, wie Scheibel sagt.

Und was auch wichtige Erkenntnisse bringt: Eine Anlage zum Test von Filtern habe sich beispielsweise kurz nach der Inbetriebnahme selbst wieder ausgeschaltet, weil der Luftstrom, der zur Verfügung stand, nicht ausreichte. Erkenntnisse wie diese ergäben sich aber erst, wenn man Testläufe machen könne, sagt Zanner.

Manche Lehrstühle, wie der für Energietechnik von Dieter Brüggemann, stünden schon so gut wie „voll im Saft“, wie Brüggemann mit einem Lächeln sagt. „Die Spannung der Eröffnung ist weggefallen, dafür wollen wir mal einen Tag der offenen Tür machen.“ Allerdings erst, wie Zanner anfügt, „wenn die Gesamtfreigabe da ist. Dafür muss aber wirklich alles gehen, sonst gibt es keine Übergabe.“

Deshalb sei es durchaus sinnvoll, „behutsam an die Sache ranzugehen und nicht mit einem Schlag“. Als positiv sei zu werten, „dass wir die Anmietungen der Räume beibehalten konnten. Wenn wir keine Alternativen gehabt hätten, wäre es sehr schwierig geworden.“

Denn die Lehrstühle hätten ja nicht nur nicht einziehen können – vereinzelt hätten sie auch aus dem Gebäude wieder ausziehen müssen. Auch wenn viel Zeit vergangen sei, wie Brüggemann sagt, „vonseiten der Uni ist da nichts falsch gelaufen. Man hätte – mit allen Pflichten – kein Gebäude übernehmen können, das nur zu 80 Prozent funktioniert.“

Teile der Leitungen und Armaturen sind neu

Nachdem jetzt Teile des Leitungsnetzes der Reinstgas-Versorgung der Labore sowie rund 500 Armaturen – die zum Teil Zunder und ölige Verschmutzungen enthielten – ausgetauscht wurden, „um die Ansprüche an die sehr, sehr hohe Qualität der Versorgung“ zu gewährleisten, wie Schatke sagt, seien rund 35 Prozent der Nutzer schon eingezogen. „Allein bei meinem Lehrstuhl werden es 50 bis 60 Leute sein, die hier arbeiten“, sagt Scheibel. Und die Ausstattung bedienen, die „zwischen zehn und zwölf Millionen Euro wert ist. Pro Lehrstuhl“.

Mit Blick auf das Ziel „war die Stimmung schon mal schlechter“, sagt Zanner. Der sich allerdings wünscht, dass man Lehren aus Projekten wie TAO ziehe: „Die Vergabeordnung, die VOB, gehört angepasst. Solche komplexen Projekte sollten mit einem Generalunternehmer durchgezogen werden, bei dem alle Gewerke zusammenlaufen.“


Das sagt das staatliche Bauamt

Der Leiter der Hochbauabteilung des Staatlichen Bauamts, Christof Präg, bestätigt im Wesentlichen die Informationen, die der Kanzler der Universität, Markus Zanner, und die TAO-Verantwortlichen im Gespräch mit unserer Zeitung vor Ort gemacht haben.

Präg antwortet auf eine Anfrage unserer Zeitung: „Um im Interesse der Universität die schnellstmögliche Nutzbarkeit des Gebäudes zu erreichen, wurde ein entsprechendes technisches Konzept erstellt. Das Staatliche Bauamt Bayreuth hat in enger Zusammenarbeit mit der Universität ein Prozedere zur schrittweisen und zügigen Inbetriebnahme erarbeitet“.

Parallel laufe weiterhin die „rechtliche Klärung des äußerst komplexen Sachverhalts“. Durch den planmäßigen Fortgang der Mängelbeseitigung konnte laut Präg „im Mai für die ersten Lehrstühle die Nutzung in den Laborbereichen des Gebäudes freigegeben“ werden. Die Umzüge der weiteren Lehrstühle in das TAO seien bis Beginn Oktober vorgesehen.

 

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