Stufe für Stufe in die Erdgeschichte hinein Im Lockdown kommt Farbe in die Urwelt

Am Treppengeländer entlang kann man sich durch die verschiedenen Erdzeitalter und Fossilienfunde nach oben begeben. Foto: Gabi Schnetter

Es ist still im Urwelt-Museum in Bayreuth. Joachim Rabold und Ulrike Albert machen aus der Not eine Tugend und renovieren, denken manche Dinge neu und planen die erste Sonderausstellung für die Zeit danach. Nach dem Lockdown, wann auch immer das für die Museen sein mag.

Bayreuth - Es ist ruhig im Urwelt-Museum. Viel zu ruhig. Da sind sich Joachim Rabold, Museumsleiter, und seine Mitarbeiterin Ulrike Albert einig. Es fehlt Kinderlachen, das „rotzfreche Herangehen und fragen“ an die Zusammenhänge der Erdgeschichte, die hier normalerweise erlebbar werden. Normalerweise, wenn nicht gerade alles geschlossen ist. Rabold und Albert machen aus der Not eine Tugend und renovieren, denken manche Dinge neu und planen die erste Sonderausstellung für die Zeit danach. Nach dem Lockdown, wann auch immer das für die Museen sein mag.

Nur Kisten und Vitrinen

Gähnende Leere herrscht in dem Raum, der normalerweise für Ausstellungen vorgesehen ist. Nur ein paar abgedeckte Kisten stehen da, und Vitrinen. „Das ist nicht groß, aber es reicht,“ meint Ulrike Albert. Und damit meint sie die nächste Sonderausstellung, die in Vorbereitung ist, und Schädel zeigen wird und damit den Fokus zum Beispiel auf die Sinneswahrnehmung oder die Ernährungsweise der einzelnen Lebewesen richtet, wie etwa die großen Augenhöhlen der Jäger der Nacht, oder das mächtige Knackgebiss der Hyäne, um die fantastische Evolutionsarbeit darzustellen. Schädel der unterschiedlichsten Größen. Da wird es ganz exotische geben, wie den einer Riesenpythonschlange, aber auch winzig kleine. Auch auf Corona-Eignung muss geachtet werden. Ähnlich wie bei einem Hampelmann, an dem man ziehen kann, um ihn in Bewegung zu versetzen, wollte man Darstellungen verschiedener Mäuler oder Schnäbel mit einem Faden versehen. „Aber das geht nicht, da müssten wir ja ständig desinfizieren.“

Kooperation mit der Staatssammlung

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Kooperation mit der Zoologischen und Paläontologischen Staatssammlung in München. Aus deren Fundus durfte man sich bedienen, „und anders wäre das für ein kleines Museum wie unseres auch nicht denkbar,“ sagt Rabold. „Schädel, das ist etwas, was uns Menschen fasziniert,“ betont Ulrike Albert, und es gibt so viele völlig verschiedene, dass die Wahl schwerfiel, welcher nun das Plakat der Ausstellung zieren soll. „Jetzt sind es vermutlich ganz verschiedene,“ meint Rabold. Schädel seien aber auch etwas, „das uns Menschen anrührt“, und so hoffen die beiden Museumsmacher, mit der neuen Sonderschau die Menschen zu begeistern für die Naturwissenschaften und all das, was das Urwelt-Museum sonst noch zu bieten hat. Derzeit ist aber immer noch Warten angesagt. Denn kein einziger der ausgewählten Schädel ist inzwischen aus München gekommen. Zwei Münchner Gäste werden Rabold und Albert allerdings heute im Museum begrüßen, das ließ sich unter Corona-Bedingungen umsetzen. Denn der Museums-Shop soll in der Zeit der erzwungenen Ruhepause noch umgebaut werden.

Das Hauptmann-Erbe

Und auch des Hauptmann-Erbes hat sich Joachim Rabold angenommen. Das Hofer Ehepaar hatte seine Sammlung an Versteinerungen vor allem in der Region zusammengetragen. Zu Lebzeiten verkauften sie nichts, „und jetzt haben sie uns alles geschenkt.“ Nur einige besondere Stücke hatten sich die Erben als Erinnerung herausgenommen. Die Sammlung ist riesig, von etwa zehn Paletten wurde erst eine wissenschaftliche aufgearbeitet.

Diener zweier Herren

Rabold und Albert waren in der Corona-Zeit nicht untätig. Zunächst waren es die Hygienevorschriften, die umgesetzt werden mussten. Und als städtisches Museum unter staatlicher Leitung sei man sozusagen Diener zweier Herren, sagt Rabold und muss schmunzeln. Von beiden Seiten kamen die verschiedenen Anordnungen. Doch auf diese Weise war es zunächst noch möglich – unter Beschränkung auf maximal zehn Personen – das Museum geöffnet zu halten. Weil aber in den beengten räumlichen Verhältnissen kein Rundgang möglich ist, war auch das schnell beendet.

Vom Eisenerz zu den Ammoniten

Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung mancher Ausstellungsobjekte nahm man sich vor allem das Treppenhaus vor. Ein farbenfrohes Band zieht sich seit kurzem vom Erdgeschoss bis in den oberen Stock hinauf. Vom Präkambrium (Beginn vor 4,6 Milliarden Jahren) bis zum Quartär. Begleitet von sehr markanten Fossilien oder Gesteinen, wie etwa dem Bändereisenerz aus dem Präkambrium bis hinauf zu den Trilobiten oder Bärlapp und Ammoniten aus der Kreidezeit. Oben angekommen können die Gäste dann eine Zeitreise in der Zeitmaschine unternehmen, und sich in der verdunkelten Kabine Interessantes aus den von ihnen gewählten Zeitaltern berichten lassen. Dort geht es allerdings sehr eng zu. „Das wird also vermutlich noch lange geschlossen bleiben müssen,“ sagt Ulrike Albert. Optimistisch ist sie dagegen, was die Sonderausstellung anbelangt. „Im Sommer sollte das möglich sein.“ Denn eine virtuelle Museumsführung – wie es manche jetzt anbieten – das möchte Rabold nicht. „Die Faszination des Echten kann das nicht ersetzen. Und auch Animationen können immer nur ergänzend sein.“

 

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