Jemand musste Julius Steeger verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet: Wie eine Szene im „Process“ von Franz Kafka mutet an, was sich in den Morgenstunden des 22. August 1944 in der Wohnung des altgedienten Sozialdemokraten Julius Steeger ereignet. Um halb fünf Uhr läutet die elektrische Türglocke, zwei Gestapobeamten begehren Einlass und holen Steeger aus dem Bett. Er müsse zu einer Vernehmung mitkommen, sagen sie und lassen ihm gerade genug Zeit, sich anzukleiden. Man führt ihn zum Bahnhof, in ein Arrestlokal. Und überlässt ihn seinen Zweifeln. „Der Weg zum Bahnhof war für mich besonders quälend“, erinnert sich später Julius Steeger. „Denn mir war nun klar, dass ich verhaftet wurde, ohne dass ich auch nur mit einem Wort erfahren konnte, was man mir zur Last legt.“