„Polizei – bitte folgen!“
Auf dem Weg zurück nach Bayreuth fällt den Beamten ein Fahrzeug auf. „Wir haben uns entschieden, diesen Seat zu kontrollieren.“ Dafür überholt Pickel das Auto zunächst auf der linken Spur, während Markus Krüger das Kennzeichen in sein Tablet eingibt. Das spuckt innerhalb von Sekunden unter anderem aus, wer der Halter ist und ob das Fahrzeug als gestohlen gemeldet ist.
Nach dem Überholmanöver lässt Pickel sein Auto auf der rechten Spur zurückfallen, um auch von der anderen Seite einen Blick zu erhaschen. Kurz vor der Raststätte Sophienberg lassen die Polizisten hinter der Heckscheibe ein Schild aus der Fahrzeugdecke klappen. Darauf steht die Anweisung: „Polizei – bitte folgen!“ Auch diese Durchsuchung des Seats ergibt nichts, die jungen Menschen setzen ihren Weg nach Kulmbach fort.
Für 24 Stunden Kennzeichen kassiert
Bei der Gelegenheit erhält auch ein junger Franzose sein Nummernschild zurück. Das hatten ihm Krüger und Pickel am Tag zuvor abgenommen, nachdem sie bei ihm Marihuana sowohl im Blut als auch in der Tasche gefunden hatten. „Der effektivste Weg, ein Fahrverbot durchzusetzen ist, das Nummernschild einzukassieren“, sagt Krüger. Um 13.30 Uhr bekommt er es nun zurück, versehen mit einer Warnung von Krüger: „Aber erst ab 14 Uhr wieder losfahren!“ Dann sind die 24 Stunden Fahrverbot vorbei. Ein längeres Verbot kommt erst nach Auswertung der Blutwerte sowie der Zustellung des Strafbefehls auf ihn zu – das kann gut und gerne zwei Monate dauern. Am sinnvollsten, finden zumindest die beiden Polizisten, wäre es direkt im Anschluss an die Kontrolle.
Weiter geht es an Bayreuth vorbei bis Himmelkron, wo Pickel wendet und wieder in Richtung Süden auf die A 9 fährt. Zwischen den Abfahrten Bayreuth Nord und Süd fällt den Beamten ein schwarzer Kleinbus auf. Die Überprüfung des Kennzeichens ergibt, dass es sich um das Fahrzeug eines Getränkeherstellers handelt. Die Beamten überholen und entscheiden, dass sie den Wagen überprüfen wollen.
Wieder klappt Krüger das Schild aus, der Fahrer folgt und der Transporter wird an der Ausfahrt Bayreuth Süd kontrolliert. Der Fahrer, ein Brite, und seine beiden Mitfahrer, ein Franzose und ein Spanier sorgen sich dabei eher um die Hitze als um die Kontrolle, denn ihre Klimaanlage ist auf der Fahrt von einem Event in Halle nach München ausgefallen. „Da drin könnte man Eier kochen“, sagt der Spanier in gebrochenem Deutsch.
Es riecht, aber das Gras ist weg
Im großen Laderaum des Kleintransporters haben die drei Männer nicht nur ihre, sondern auch die Reisetaschen einiger Kollegen dabei. Michael Pickel hat einen Verdacht: „Hier sind überall Longpapers dabei. Irgendwo sollte Marihuana sein.“ Und tatsächlich: In der Tasche eines der nicht Mitfahrenden findet der Beamte eine kleine, durchsichtige Tüte. Er riecht daran und sagt: „Hier war mal Gras drin, zu 100 Prozent.“
Doch mehr findet sich in den Taschen nicht. Markus Krüger testet noch eine weiße Substanz, die sich als harmlos herausstellt. Den Beamten bleibt nur, eine gute Fahrt zu wünschen. „Schon wieder umsonst geschwitzt“, murmelt Pickel. Inzwischen ist es früher Nachmittag, die Temperatur: über 30 Grad.
Diebesgut, Waffen, Drogen
Gegen 15.30 Uhr fahren die beiden Polizisten zurück zur Verkehrspolizeiinspektion Bayreuth. „Heute war kein guter Tag“, sagt Krüger, „auch am Funk war es sehr ruhig.“ Bei der Hitze würde niemand auf die Autobahn gehen, der nicht müsse. Wer allerdings ein gestohlenes Auto oder einen Wagen mit Diebesgut, Waffen oder Drogen bewegen wolle, der würde lieber im dichten Verkehr mitfließen. Diese Dinge fielen in den Aufgabenbereich der Zivilstreife der Verkehrspolizei, sagt Krüger: „Wenn jemand zu schnell fährt, ist das nicht unsere Aufgabe.“