Pfefferspray Differenzieren

Symbolfoto: dpa

KOMMENTAR. Der 1. Juli 2018 war kein guter Tag für die Bayreuther Polizei. Jener Sonntag, als die Russen am Hohenzollernring feierten, dass ihre Mannschaft bei der WM eine Runde weiter war.

Wenige Beamte waren mit einer für Fußball-Weltmeisterschaften normalen Situation überfordert. Fans, die sich zum Auto-Korso verabreden, ein paar Bier zu viel haben und ihre Freude laut herausschreien und -tanzen. Gerade die Bayreuther Polizei muss doch wissen, dass die Ecke beim Rotmain-Center ein beliebtes Feier-Eck ist, an dem die Auto-Korsos zusammenlaufen und mit den Fans zur Party-Meile wird. Seit Jahren ist das so.

Dass es für solche Situationen, die eher die Regel als die Ausnahme sind, noch kein Konzept gibt, war an jenem Sonntagabend besonders verhängnisvoll. Auch für jenen Polizisten, der sein ganzes Arsenal an Pfefferspray verschoss – ohne eigentliche Gefahr und ohne dies anzukündigen.

Diesen Beamten zum Brutalo-Bullen zu stilisieren, geht viel zu weit. Es war ein einzelnes Versagen aufgrund einer falschen Einschätzung, bedingt eben auch dadurch, dass die Beamten nicht wussten, wie sie mit den dort strandenden Fans in ihrem Auto-Korso umgehen sollten. Obwohl auch an diesem Tag etwas Ähnliches erwartet worden war, wirkt der Einsatz im Rückblick hilflos. Und der Hilflose ist davon überzeugt, auch zu überzogenen Mitteln greifen zu dürfen.

Es ist schade, weil gerade solche Ausraster das Zeug dazu haben, einen schwarzen Schatten auf die ganze Polizei-Arbeit zu werfen. Polizisten, die gleich losprügeln. Polizisten, die ihr Amt und ihre Macht missbrauchen. Polizeistaat! Dann sieht man die Polizisten gar nicht mehr, die Verbrechen aufklären oder Anschläge verhindern, die unser Hab und Gut schützen oder dann da sind, wenn man sie braucht. All das kaputt durch ein paar unüberlegte und völlig unnötige Pfefferspray-Stöße nach Action-Film-Art.

Auf einem anderen Blatt Papier steht dann noch, warum die Feiern in all den Jahren nach den Siegen der deutschen Mannschaft immer gut gegangen sind, die Feier nach dem Sieg der russischen Mannschaft aber in Teilen so daneben ging.

otto.lapp@kurier.de

 

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