Osterfestival Bachs Matthäus-Passion am Karfreitag

Michael Dorn. Foto: red

BAYREUTH.  Im Eröffnungskonzert des Bayreuther Osterfestivals wird am Karfreitag, 19. April, um 16 Uhr Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion in der Stadtkirche aufgeführt. Es musizieren die Stadtkantorei, Solisten, das Orchester La Banda mit historischen Instrumenten unter der Leitung von Kantor Michael Dorn. 

Herr Dorn, kann man sagen: Was für einen Wagnerianer eine „Parsifal“-Aufführung am Karfreitag ist, ist für einen evangelischen Christen die Aufführung von Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion an diesem Tag?

Michael Dorn: Definitiv. Nicht nur für den evangelischen Christen, sondern überhaupt für den Kulturmusik-Beflissenen. 

Macht es für Sie einen Unterschied aus, ob sie das Werk an einem Karfreitag aufführen oder unterm Jahr?

Dorn: Ja, sehr. Das Stück trifft am Karfreitag genau die Stimmung dieses Tages, für den es ja auch geschrieben ist. Natürlich hat das Stück auch an allen anderen Tagen seine Wirkung, aber am Karfreitag hat es noch mal eine andere Dimension. 

Was bedeutet Ihnen persönlich die Matthäuspassion?

Dorn: Demut vor dem Schaffen Bachs. Das ist so unglaublich, so tiefsinnig, so vielschichtig, dass man immer wieder sprachlos vor diesem Werk steht und neue Sachen entdeckt. Das wird auch ein Musikerleben lang kein Ende nehmen. 

Die Aufführung der Matthäuspassion kann über drei Stunden dauern. Spielen Sie das Werk komplett?

Dorn: Wir führen das komplette Werk auf, wir kürzen lediglich einige Da-capo-Stellen in Arien. Unsere Aufführung wird voraussichtlich zweidreiviertel Stunden dauern. 

Wie werden Sie das Stück angehen: mit Pathos oder nüchtern-entschlackt?

Dorn: Allein durch die Wahl des Orchesters ist die Richtung klar. Wir machen es mit historischen Instrumenten, mit einem hervorragenden Orchester. Das heißt automatisch, dass der Ansatz ein schlanker und zügiger ist. Man musiziert schneller.

Bachs Matthäuspassion ist ja doppelchörig angelegt. Tragen Sie dem in 
der Aufstellung der Musiker Rechnung?

Dorn: In der Stadtkirche können wir es nicht anders machen, als in der Mitte des Chores eine symmetrische Achse zu schlagen. Die Sänger werden beieinanderstehen, aber die beiden Chöre stehen in sich geschlossen. Sie sind nicht im Raum verteilt. Das Orchester ist genauso geteilt. 

Worin besteht die größte Herausforderung für die Sänger der Kantorei der Stadtkirche?

Dorn: Die Herausforderung ist die Teilung, dass eben aus einem Chor zwei Chöre werden. Die Sänger mussten sich erst finden. Ansonsten sind die Herausforderungen gut schaffbar. 


Weitere Konzerte des Osterfestivals

Karsamstag, 20. April: Matinee I, 11 Uhr, Rokokosaal, Steingraeber: Jamina Gerl am historischen Liszt-Flügel.

Freitag, 26. April: Trompetenschall und Orgelklang, 20 Uhr, Stadtkirche, mit dem Blechbläserensemble Bavarian Brass und Christoph Krückl (Orgel).

Samstag, 27. April: Matinee II, 11 Uhr, Rokokosaal, Steingraeber, Natalia Ehwald spielt am historischen Liszt-Flügel.

Samstag, 27. April: Jazz-Night, 20 Uhr, Audi-Zentrum Bayreuth, Motor-Nützel, Junger Jazz.

Sonntag, 28. April: Festivalbrunch, 11 Uhr, VWtorium, Motor-Nützel.

Mittwoch, 1. Mai: 19.30 Uhr, Festkonzert im Markgräflichen Opernhaus mit dem Ensemble Festival Brass, das sich aus Bläsern des Sinfonieorchesters zusammensetzt.⋌red 

 

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