Obstschau am Sonntag Den Äpfeln ins Kernhaus geschaut

Pomologe Friedhelm Haun ist am Sonntag in Neunkirchen und bestimmt Äpfel. Foto: Gabi Schnetter /Gabi Schnetter

Liebe auf den ersten Blick ist es meistens nicht. Wer sich mit Streuobstäpfeln befasst, muss offen sein für ganz andere Geschmackserlebnisse. Und er wird erfahren, dass Apfel nicht gleich Apfel ist. Dass es mehlige oder eher saure Sorten gibt. Welche mit rauer Schale, die man erst lagern muss, bis sie ausgewogen schmecken, oder sehr saftige, die sich eher zum Mosten eignen. Bei den meisten ist das Staunen groß, wenn sie erstmals Äpfel probieren, die nicht aus dem Ertragsobstanbau stammen, wie sie üblicherweise im Supermarkt zu haben sind. Aber wer sich darauf einlässt, wird seinen persönlichen Lieblingsapfel finden.

Ein Rheinischer Krummstiel beispielsweise wird erst im Lager goldfarben und süßlich aromatisch, der Berlepsch hat einen fünfmal höheren Vitamin-C-Gehalt als Jonagold und der Danziger Kantapfel mit seiner würzigen Note wird auch Liebesapfel genannt wegen der intensiv roten Farbe. Viele von ihnen haben eine relativ harte Schale. Auch das ist oft gewöhnungsbedürftig.

Die Geschichten hinter diesen uralten Apfelsorten sind spannend.

Der Große Bohnapfel wurde zwischen 1750 und 1800 im Neuwieder Becken am Mittelrhein als Zufallssämling entdeckt.

Zimtbrauner Rost überzieht die Zabergäu Renette mit ihrem milden Aroma.

Für seine süß-säuerlichen Früchte ist der Lohrer Rambour bekannt, auch Zitronenapfel genannt wegen der gelben Färbung.

Ontario wurde in Paris in Kanada gezüchtet, verbreitete sich aber erst 50 Jahre später, ulkigerweise von Frankreich aus, überall. Fasst man ihn an, fühlt es sich an, als trage der Apfel eine Wachsschicht. Der Pomologe spricht dann von Bereifung.

Jahrzehntelange Erfahrung

Friedhelm Haun ist Pomologe. Pomologie ist die Lehre der Arten und Sorten von Obst sowie deren Bestimmung und systematische Einteilung. Eine sehr spezielle und manchmal mühsame Wissenschaft, die man sich nur durch jahrelange Arbeit aneignen kann. Friedhelm Haun hat jahrzehntelange Erfahrung. Sein Berufsleben hat er als Kreisgartenfachberater im Kulmbacher Landratsamt verbracht und jetzt – im Ruhestand – widmet er sich gerne den alten Obstsorten. 100 bis 120 Apfelsorten etwa mögen es sein, die in unserer Region auf den Streuobstwiesen sehr häufig zu finden sind, erklärt er. Bundesweit gibt es rund 6000 alte Sorten. Sein persönlicher Liebling: der Winterrambour. „Ein Allrounder, den man gleich nach der Ernte essen, aber auch lagern kann, der sich zum Kuchen backen ebenso eignet wie zum Saften.“ Ertragreich ist die Sorte außerdem. „An manchen großen Bäumen hängen 15 Zentner dran.“

Ein ganzes Regal Apfel-Ordner

Ein ganzes Regalbrett füllen die Apfel-Ordner von Friedhelm Haun, sorgfältig alphabetisch geordnet. „Es ist wichtig, möglichst viele Abbildungen zu haben, um richtig bestimmen zu können“, sagt er. „Bei den Birnen sind es weniger. Nur drei Ordner.“

Das Interesse an den alten Obstbäumen hat wieder zugenommen. Viele Menschen möchten wissen, welchen Baum der Opa vor Jahrzehnten im Garten gepflanzt hat. Wollen wissen, warum das ganz besondere Aroma Kindheitserinnerungen in ihnen weckt.

Zwei Pomologen zu Gast

Am Sonntag, 2. Oktober, ist dazu ab 10.30 Uhr Gelegenheit. Der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Bayreuth lädt nach Neunkirchen am Main in das Gemeindezentrum ein zur Obstausstellung. Gleich zwei Pomologen, Friedhelm Haun und Marco Fuchs, werden an diesem Tag dabei sein, um Äpfel zu bestimmen. Wer mindestens drei, besser fünf Exemplare einer Sorte mitbringt, kann diesen Service von 11.30 Uhr bis 17 Uhr in Anspruch nehmen.

Kerne sammeln

Haun geht dabei systematisch vor. Nach der Prüfung des Aussehens, wobei Blütenkelch, Stiel, Form und Geruch, aber auch die Druckfestigkeit und natürlich das Gewicht eine Rolle spielen, wird der Apfel aufgeschnitten. Aus der Größe und der Lage des Kernhauses, der Anzahl und der Form der Kerne, und der Beurteilung des Fleisches lassen sich weitere Rückschlüsse ziehen. Als Letztes folgt die Geschmacksprobe.

Haun sammelt seit 25 Jahren Apfelkerne. Nach dem Trocknen werden sie fein säuberlich in Folie eingepackt, beschriftet und wiederum alphabetisch in eine ehemalige Teeschachtel gepackt, um sie immer parat zu haben, wenn es darum geht, einem Apfel einen Namen zu geben.

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