Neue Einführungsklasse Abi mit mittlerer Reife

Der denkmalgeschützte Bau des MWG von der Königsallee aus gesehen. Die Schule ist die einzige mit einer Einführungsklasse in Bayreuth. Foto: Archiv/Eric Waha/Eric Waha

Der nächste Jahrgang wird ein besonderer: Die Schülerinnen und Schüler, die sich nach der mittleren Reife für die Einführungsklasse am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG) entscheiden, werden zu den wenigen gehören, die den ausfallenden Abi-Jahrgang ersetzen, wenn sie ihr Abitur machen. Am Montag gibt es einen virtuellen Infoabend.

Bayreuth - Einführungsklasse. Das klingt irgendwie technisch. Dabei ist es eine Chance für alle, die sich nach der mittleren Reife an der Wirtschafts-, an der Mittel- oder an der Realschule mit einer entsprechenden Empfehlung ihrer bisherigen Schule auf den Weg zur Allgemeinen Hochschulreife, zum Abi, machen wollen. In Bayreuth geht das seit Jahren nur an einer Schule: am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG). Der nächste Jahrgang, für den es am Montag, 17. Januar, um 19 Uhr einen Informationsabend online geben wird, wird allerdings ein besonderer sein.

Großes Einzugsgebiet

Das MWG, sagt die Beratungslehrerin Barbara Zeitler im Gespräch mit dem Kurier, sei vor Jahren gerade wegen des Internats ausgewählt worden, weil das Einzugsgebiet sehr groß war: Aus der Oberpfalz, aus dem Raum hinter Burgkunstadt, aus ganz Oberfranken seien die Schülerinnen und Schüler gekommen, „mit langen Anreisezeiten“, um das Angebot wahrzunehmen. Ein bis zwei Klassen sind es in jedem Jahr, die – bislang zumindest – die zehnte Klasse noch einmal gemacht haben und gezielt auf die Fächer vorbereitet worden sind, die im Abitur geprüft werden. Oft gehört dazu auch, dass in Mathe verstärkt nachgeholt werden musst, dass sich die Schüler die zweite Fremdsprache Französisch so drauf schaffen mussten, dass sie fit genug waren in Wortschatz, Grammatik und Sprach-Anwendung.

Besonderer Jahrgang

Was die Einführungsklasse des nächsten Jahres besonders machen wird: „Es ist der erste Jahrgang, der ins G9 reinrutschen wird“, sagt Barbara Zeitler. Also der Jahrgang, der dann auch in der 13. Klasse Abi machen wird. „Der Jahrgang befindet sich in einem Zwischenjahr. Dadurch, dass wir vom G8 ins G9 umsteigen, fehlt uns ein Abi-Jahrgang. An den anderen Schulen ist der ja nicht da. Das bedeutet, dass die Leute, die jetzt einsteigen in die Einführungsklasse, sich nicht in so einer großen Jahrgangsstufe in der Oberstufe wiederfinden werden wie bislang. Sondern in ihrem Klassenverband durch diese Oberstufe gehen werden.“ Und: Sie könne sich vorstellen, dass das auch weitere Vorteile habe, weil die Gruppe entsprechend kleiner sein werde, „es wird persönlicher sein, die Betreuung wird eine intensivere sein, auch wenn der inhaltliche Niveausprung natürlich bleibt“.

Gute Aussichten auf Studienplatz

Wenn der Jahrgang Abi mache, könne sie sich vorstellen, dass es „mit den Studienplätzen dann auch sehr gut aussehen könnte, weil es in dem einen Jahr eine kleine Delle beim Numerus Clausus geben könnte“ – dass also auch Fächer mit einer normalerweise höheren Einstiegsvoraussetzung geöffnet werden könnten. Gleichwohl könne aber wegen der geringeren Zahl an Schülern „nicht dieses breite Angebot an Seminaren angeboten werden wie sonst“, schränkt Zeitler ein. Zudem habe man „lange Zeit nicht gewusst, wie wir mit dem Jahrgang umgehen können, ob wir überhaupt 2022/23 eine Einführungsklasse bilden können“, sagt Zeitler.

Erst einmal eine Herausforderung

Für die Schüler ist die Einführungsklasse eine Herausforderung – weil sie viel lernen müssen. Aber auch eine Chance, wie Sebastian Winker (21) und Sarah Mustafa-Ibrahim (23) sagen, die beide über die Einführungsklasse vor zwei Jahren zum Abitur gekommen sind. Winkler studiert in Chemnitz Psychologie, Sarah Mustafa-Ibrahim in Bayreuth Wirtschaft und Entwicklung. „Ich hatte schon an der Realschule gute Aussichten und es hat mich gereizt, das Abi nachzuholen“, sagt Winkler über seine Beweggründe, die Einführungsklasse zu versuchen. Er habe ganz bewusst auf die Realschule gewollt, obwohl er in der Grundschule sehr gute Noten hatte.

Noch eine Umstellung in der Oberstufe

Winkler spricht von „einem spannenden Wechsel aufs Gymnasium: Komplett neue Gesichter, neues Lehrer-Schüler-Verhältnis“. Aber es habe sehr gut funktioniert, weil „andere Schwerpunkte gesetzte werden: In Mathematik, zum Beispiel, mit sehr vielen Stunden, um Stoff nachzuholen. Oder fünf Stunden Spanisch, um hier aufzuholen.“ Sarah Mustafa-Ibrahim sagt, man müsse wirklich dranbleiben, „was machen. Da muss mehr kommen von mir selber“, um erfolgreich zu sein. Vor allem die Oberstufe sei eine Umstellung „mit neuen Lernsystemen, verschiedenen Fächern“. Man müsse sich den Schritt überlegen, klar: „Aber wo der Wille da ist und das Potenzial, dann schafft man das auch.“

Sie wissen, warum sie dort sind: Aus eigener Entscheidung

Das sei aber auch der Unterschied, sagen beide, „zu Schülern, die von Anfang an auf dem Gymnasium sind: „Wir haben uns aktiv dafür entschieden. Uns war jeden Tag klar, warum wir da sind. Der Wechsel hat uns zwar ein Jahr genommen, weil wir die zehnte Klasse noch mal machen mussten. Aber das kleine Opfer kann man bringen.“ Das doppelte Jahr wird, sagt Zeitler, im G9 wegfallen.


Der Einwahllink zum Informationsabend am Montag ist unter www.mwg-bayreuth.de zu finden.

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