Mehrere hundert Altenpfleger demonstrieren

Mit einem Schild mit der Aufschrift "Liebe Politiker, ihr werdet auch einmal alt und keiner hat Zeit für euch" demonstrieren Mitarbeiter aus der Altenpflege am Dienstag in Nürnberg für eine bessere Finanzierung, weniger Bürokratie und mehr Zeit in der Altenpflege. Mit der Aktion am Internationalen Tag der Pflege wollen mehrere Wohlfahrtsverbände auf die Bedeutung der Pflege für die Gesellschaft aufmerksam machen und bessere Rahmenbedingungen fordern. Foto: Daniel Karmann/dpa

Mehr Geld, mehr Zeit und weniger Bürokratie: Pflegekräfte fordern in Nürnberg bessere Bedingungen für die Pflege älterer Menschen. Sorge macht den Wohlfahrtsverbänden auch eine geplante Änderung in der Ausbildung.

Mehrere hundert Mitarbeiter aus der Altenpflege haben in Nürnberg für bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Nach Polizeiangaben beteiligten sich am Dienstag etwa 600 Menschen an der Aktion der Freien Wohlfahrtsverbände. Auch einige Pflegebedürftige in Rollstühlen waren dabei. Mit Transparenten und Trillerpfeifen forderten die Teilnehmer mehr Geld, weniger Bürokratie und mehr Zeit für ihre Arbeit. «Die Unzufriedenheit bei denen, die in der Pflege arbeiten, ist groß», sagte Michael Groß vom Caritasverband Nürnberger Land. Die bisherigen Verbesserungen durch die Politik seien nur kosmetischer Art gewesen.

Die Demonstranten forderten vor allem eine bessere Finanzierung. Seit Einführung der Pflegeversicherung seien deren Leistungen lediglich um rund 8 Prozent erhöht worden, während allein für den Inflationsausgleich 40 Prozent nötig gewesen wären. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte, gute Pflege koste Geld, Zeit und Personal: «Wenn wir mehr Menschen für den Pflegeberuf gewinnen möchten, müssen diese auch angemessen bezahlt werden.» Sie habe sich daher auf Bundesebene dafür eingesetzt, dass Kassen und Sozialhilfeträger Tariflöhne nicht mehr als unwirtschaftlich ablehnen können. Laute Buhrufe erntete die Ministerin jedoch für den Personalschlüssel im Nachtdienst von einem Mitarbeiter pro 30 Bewohner. Viele Pflegende fürchten, dass dadurch Personal am Tag fehlen wird.

Auch die strengen Dokumentationspflichten und die engen zeitlichen Vorgaben in der Pflege wurden kritisiert. Menschliche Zuwendung sei im System nicht vorgesehen. Huml kündigte an, die Dokumentationspflicht «auf das Notwendigste» verringern zu wollen.

Die Arbeiterwohlfahrt fürchtet zudem wegen der geplanten einheitlichen Pflege-Ausbildung um Qualität und Fachkräfte. Die Bundesregierung will Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege in einer Ausbildung zusammenfassen. Dadurch könnten jedoch spezifische Kenntnisse, die in der Altenpflege nötig seien, unter den Tisch fallen, sagte der bayerische AWO-Chef Thomas Beyer bei einer Tagung.

In Bayern leben nach Angaben der Caritas etwa 320.000 Pflegebedürftige. Diese Zahl werde bis 2030 voraussichtlich um mehr als die Hälfte wachsen. Nach Befürchtungen der Wohlfahrtsverbände könnten bis dahin in Bayern bis zu 90.000 Pflegekräfte fehlen.

dpa

 

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