Männerbund in Bayreuth Sie leben in ihrer eigenen Welt

Die zwei von der Urstätt: Erich Zieher (links) und Friedrich Reichenbächer, der Stifftspfleger, gehören Bayreuths ältester Herrengesellschaft an – der Gesellschaft der Niederländter. An der Wand, auf dem Tisch und selbst auf den Tassen: der Lindwurm, das Wappentier der Niederländter. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Sie haben ihre eigene Sprache. Sie haben ihre eigene Kleidung. Sie leben für ein paar Stunden alle zwei Wochen in einer eigenen Welt. Einer Welt der Kunst, der Kultur, des befreiten, heilsamen Lachens. Und wenn sie sich grüßen oder etwas gut finden, dann sagen sie „van“  oder „sehr van“. Merkwürdig? Bemerkenswert! Weil die Gesellschaft der Niederländter eine der ältesten Herrengesellschaften Bayreuths ist.

Der Lindwurm ist ihr Wappentier. Ein Pferdekopf mit Beleuchtung in den Augenhöhlen mehr als ein Symbol. Und alles hängt mit Ludwig von Nagel zusammen, ein Offizier der leichten Reiter, des sechsten Regiments der Bayreuther Chevaulegers. Ludwig von Nagel, dessen Niederländter Künstlername Adrian van Os war, war den schönen Künsten zugetan, „er war ein begnadeter Pferdemaler“, womit auch die Verbindung zum Pferdekopf klar wird, sagt Friedrich Reichenbächer, der Stifftspfleger der Niederländter in Bayreuth. Also so etwas wie der Vorsitzende dieser Bayreuther Herrengesellschaft, die von Nagel im Februar 1870 aus der Taufe gehoben und „Urstätt“ genannt hat.

Ein Freundeskreis zum Malen, Singen und Musizieren

„Ein Freundeskreis“ so nennen Friedrich Reichenbächer und Erich Zieher die Gesellschaft, die seit etwa einem Jahr ihr Domizil im Prinzessinnenhaus in St. Georgen gefunden hat. Ein Bund kunstsinniger Menschen, die sich den Musen verschrieben haben. Malen, Singen, Dichten, Musizieren“, jeder macht das, was seinen Neigungen entspricht. Das belegen auch die Chronikbände der Niederländter – die lückenlose Aufzeichnung der Zusammenkünfte, die seit der Gründung 1870 in der Urstätt, der Keimzelle in Bayreuth, aufbewahrt werden. Sie wurden mit viel Liebe zur Kunst, die der Mynheer und Chronist aufbrachte, gestaltet. Denn über jede Tafelrunde mit Speis und Trank, die Kneippe, die jeden ersten und dritten Freitag im Monat stattfindet, wird Protokoll geführt.

Über 400 Mitglieder in Deutschland

Die Gesellschaft der Niederländter hat aktuell 20 Societäten in Deutschland mit über 400 Mitgliedern. Mijnhern nennen sich die Mitglieder der Niederländter. Neue Mitglieder, die zunächst als Gäste an den Zusammenkünften teilnehmen, bekommen „ein Pätlyn“, wie der Pate in der Sprache der Mijnhern heißt, zur Seite gestellt.  Die „Täuff“ bekommen die Neophyten, also die Neuzugänge, bevor sie endgültig in die Gesellschaft, aufgenommen werden.

"Es lebe unsere Freundschaft"

Männer, die sich treffen, das Wämslyn anziehen und damit den Alltag ablegen. Ohne zu politisieren, ohne auf die Uhr zu schauen und auch ohne jeglichen Standesdünkel. Denn weder die Herkunft noch der Beruf oder gar die Hautfarbe spielen eine Rolle im Niederlandt. Der einzige Bezug zu den realen Niederlanden ist die Anlehnung an die alten holländischen Gilden. Und der Gruß „Van“, der auch so entspannt holländisch klingt wie die Bezeichnung der Ördlyn an den Wämbslyn der Mijnhern, ist auch nur eine Abkürzung: Von „vivat amicitia nostra“. Aus dem Lateinischen übersetzt heißt das „Es lebe unsere Freundschaft“.

150. Treffen wird groß gefeiert

Die 150. Wiederkehr der Gründung durch Adrian van Os – oder Ludwig von Nagel – am 7. Februar 1870 im Gasthaus zur Sonne in der heutigen Richard-Wagner-Straße, wird im kommenden Jahr mit einem großen Fest gefeiert. Für die Niederländter ist dann das 150. Jahrtausend vollendet, oder „Jahrtusig“, wie sie es aussprechen. Es wird ein größeres Treffen der Niederländter aus ganz Süddeutschland geben.

Urstätt Lokal ist der Öffentlichkeit zugänglich

Bei dem Festakt am 21. März 2020 soll ein Denkmal enthüllt werden. An diesem Tag soll den Gästen und auch der Öffentlichkeit  die Möglichkeit gegeben werden, das neue Urstätt-Lokal im Prinzessinnenhaus zu besichtigen. Das neue Domizil im Prinzessinnenhaus half die Sorgen zu zerstreuen, die die Herrengesellschaft umtrieben, als sie nach mehr als 65 Jahren ihren alten Treffpunkt in der Alexanderstraße räumen musste.

 

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