Weltklasse-Liederabend Günther Groissböck im Markgräflichen Opernhaus

Im nächsten Festspielsommer gibt Günther Groissböck den Wotan im neuen Bayreuther „Ring“. Am Montag gab er mit der Pianistin Alexandra Goloubitskaia einen umjubelten Liederabend im Markgräflichen Opernhaus.Foto: Bayreuther Festspiele/Karl Sawatzki

BAYREUTH. Einen Liederabend der Extraklasse konnten die Besucher des Markgräflichen Opernhauses am Montag erleben. Der Festspielsänger Günther Groissböck demonstrierte dabei seine überragende Klasse.

Der langjährige Festspielsänger Robert Holl hat vor wenigen Tagen in Haus Wahnfried eine Anekdote im Zusammenhang mit Wolfgang Wagner erzählt. An einem spielfreien Tag hatte der gefeierte Bassist einen Liederabend im Markgräflichen Opernhaus mit Schuberts „Winterreise“ angesetzt. Was beim Festspielpatriarchen zunächst auf Skepsis gestoßen sein soll. Doch Holl, der sich in Bayreuth als Gurnemanz, König Marke und Sachs unsterblich gemacht hat, erklärte: Nach einem Liederabend sei die Stimme fokussierter. Was auch fürs schwere Wagnerfach von Vorteil sei. Worauf Wolfgang Wagner entgegnete: Dann ab jetzt vor jedem „Parsifal“ eine „Winterreise“.

Weltklasse-Gurnemanz

Insofern dürfen sich die Besucher der nächsten „Parsifal“-Aufführung an diesem Donnerstag im Bayreuther Festspielhaus ganz besonders freuen. Zwar ist Günther Groissböck auch ohne einen die Stimme fokussierenden Liederabend ein Weltklasse-Gurnemanz. Aber: Wer weiß, in welche Raum und Zeit sprengenden Dimensionen der Bassist vorstoßen wird, nachdem er an diesem Montag zusammen mit der Pianistin Alexandra Goloubitskaia einen Liederabend mit Werken von Johannes Brahms, Robert Schumann, Peter Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow gegeben hat.

Von einer Schonung der Stimme kann man dabei freilich kaum sprechen, insbesondere, was die kräftezehrenden Stücke der russischen Komponisten betrifft. Es war bisweilen so, als hätte auch das noch so kürzeste Stück gleichsam den Charakter einer Mikro-Oper angenommen. Groissböck jedenfalls lud die russischen Melodien mit enorm viel Leidenschaft und Emotionen auf, ließ seinen Luxus-Bass oft in weit ausschwingenden Belcanto-Bögen strömen und produzierte so einen Kraftstrom, der nie abriss. Große Oper, eigentlich.

Eine klar zeichnende, frische Stimme

Bei den „Vier ernsten Gesängen“ von Johannes Brahms und dem Liederkreis op. 39 von Robert Schumann ging es feingliedriger zu. Was vielleicht am meisten beeindruckte: Dass Groissböck bei seiner Klangfülle und den ihm zur Verfügung stehenden unterschiedlichen, charakteristischen Färbungen überdies über eine völlig klar zeichnende Stimme verfügt, die frisch und unverbraucht wirkt und auch in puncto Textverständlichkeit ihresgleichen sucht.

Ein Liederabend der Extraklasse, der schließlich in einer Zugabe gipfelte, die bereits den Festspielsommer 2020 aufschimmern ließ. Denn dann wird Groissböck im neuen Bayreuther „Ring“ den Wotan singen.

Wotans Abschied

Für die Besucher des Liederabends gab es Wotans Abschied. Und jede Wette: Nach dieser unter die Haut gehenden Interpretation dürfte wohl kaum jemand eine Inszenierung vermisst haben.

 

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