„Er ist mittlerweile wundfrei und auch zwischenmenschlich gut drauf“, sagt Jürgen Dolderer. Nichts spreche gegen einen Krankentransport in den Reichshof. Der Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie am Klinikum betreut den zwölfjährigen Patienten seit viereinhalb Monaten in Bayreuth. Am 6. September flog Safari von Tanga in Tansania nach Deutschland.

Ein Unfall mit einem Starkstromkabel hatte ihm in seiner Heimat beinahe das Leben gekostet. Safari erlitt schwerste Verbrennungen. Ihm wurden beide Unterschenkel und ein Arm amputiert. Seine Familie hat ihn – wie beim Stamm der Massai gängig – verstoßen, da er zu schwach ist, um alleine zu überleben. Nur ein Halbbruder, hält zu ihm. Er ist ebenfalls in Bayreuth.

Im Klinikum Tanga lernten sich Safari und Dolderer kennen. Der Arzt operiert für den Verein Interplast seit rund 20 Jahren im Urlaub in Afrika. Er leitet die Interplast-Sektion Baden-Baden/Bayreuth – und er leitet das Institut für plastische Chirurgie, das die Sektion am Krankenhaus Tanga gegründet hat.

Bislang mehr als 70.000 Euro gespendet

Dolderer: „Wir wollen dort langfristig helfen, sind für die Kollegen auch per Telemedizin erreichbar.“ In der Zukunft könnte die Geschichte Safaris Grundlage für intensive Bayreuther Beziehungen dorthin sein – „eventuell auch über die Uni“, sagt Dolderer.

Auf dessen Initiative hin kam Safari nach Bayreuth. Er wäre, so Dolderer, in Tansania gestorben. In Bayreuth hat Dolderer den kleinen Patienten zigfach operiert. Safari durchlebte schmerzhafte Wochen. „Mehr als die Hälfte seines Körpers war eine Wunde, meist mit Keimen besiedelt.“

Chefarzt Dolderer verpflanzte gesundes Gewebe an verletzte Stellen und löste Narbenstränge am Hals. Außerdem arbeitete der Arzt operativ an der Beweglichkeit der Kniegelenke. „Safari ist schmerzfrei, sein Kopf ist beweglich und er hat vier Kilo zugenommen“, sagt Dolderer. Aktuell arbeite Safari mit Krankengymnasten an der Anpassung an Prothesen. Gipsabdrücke seien schon gemacht. Allerdings brauche Safari noch weitere Zeit im Klinikum. Und das kostet Geld.

Bislang kamen über 70.000 Euro zusammen. Der Großteil der Summe stammt von Spendern aus Bayreuth und der Region. Es gingen aber auch Beträge aus Berlin, Hamburg und Stuttgart ein.

Weiteres Geld soll das Domspatzen-Konzert bringen. Der Kontakt kam über Benedikt Dolderer zustande. Der wie Safari zwölfjährige Sohn des Chefarztes singt in dem Knabenchor. „Sie fanden es von Anfang an eine super Aktion“, sagt Jürgen Dolderer. Schon vor Monaten haben die Musiker Geld gespendet. Jetzt kommen sie nach Bayreuth.

Der Chor umfasst etwa 40 Personen. Er besteht aus zwei Altersgruppen – eine mit Musikern zwischen zehn und 13 Jahren, die andere mit älteren Künstlern zwischen 16 und 19 Jahren. Dolderer: „Sie kommen in der Zusammensetzung der Herbst-Konzertreise, mit der sie in der Hamburger Elbphilharmonie spielten.“

Am Nachmittag des 1. Februar soll der Chor Bayreuth erreichen. Zunächst schauen sich die Domspatzen die Stadt an. Das Konzert im Reichshof beginnt um 18.30 Uhr. Am nächsten Tag spielen die Domspatzen wieder im Dom in Regensburg. „Sie haben spontan zugesagt“, sagt Dolderer.

Der Abend steht unter dem Motto „Singen für Safari“. Die Domspatzen zeigen ihr gesamtes musikalisches Repertoire, das von den ältesten Gesängen der Kirche, dem Gregorianischen Choral, über die Vokal-Polyphonie des 16. Jahrhunderts mit Werken Palestrinas, Lassos und Hasslers, den Barock und die Romantik bis hin zum Volkslied und Werken zeitgenössischer Komponisten reicht. „Sie singen von der Nächstenliebe. Das passt zum Anlass“, findet Dolderer.

Viele Freiwillige helfen am Konzertabend mit

Christian Wedlich findet das auch. Er sagt: „Rettest du ein Kind, rettest du die Welt.“ Wedlich ist Vorsitzender des Rotary-Hilfswerks, das dem Helfer-Netzwerk für Safari angehört, und Schatzmeister des Vereins Bayreuth Event und Festival, der den Reichshof betreibt. „Das ist eine super Geschichte, die wir voll unterstützen“, sagt er über den Auftritt der Domspatzen.

Die Eintrittsgelder werden komplett gespendet. Unkosten werden ebenso vom Helfer-Netzwerk getragen wie viele Aufgaben am Konzertabend – Kasse, Garderobe, Gastronomie. „Wir haben schon viele Zusagen“, sagt Wedlich. Sie müssen also nur noch kommen – die Domspatzen und der kleine Patient, um den es geht.