Hilfsbereitschaft Danke!

Schwer verletzt: der zwölfjährige Safari aus Tansania. Foto: red

KOMMENTAR. Ein kleiner Massai-Junge überlebt einen Stromschlag, verliert dabei mehrere Gliedmaßen. Tragisch.

Tragisch. Ein schlichtes Wort, das doch so viel bedeutet. Wenn es denn richtig angewendet wird. Wird es aber nicht immer. Ja, auch in den Medien kommt es inflationär vor. Nicht falsch verstehen: Auch ein Unfall mit drei, vier Schwerverletzten ist irgendwie tragisch. Jede Misshandlung, jeder sexuelle Übergriff. Klar. Aber da gibt es eben diese Fälle, die kaum in Worte zu fassen sind – und auf die dieser Begriff dann noch ein bisschen mehr zutrifft.

Wie der des zwölfjährigen Safari aus Tansania. Der hat ein Starkstromkabel vom Boden aufgehoben. Einfach so, ohne zu wissen, was er da tat. Dadurch hat er einen Arm und beide Unterschenkeln verloren. Sie waren nicht zu retten, mussten amputiert werden. Was bei den Massai bedeutet, ein Wegwerfprodukt zu sein, mangels Überlebensfähigkeit. Ja, das ist wirklich tragisch.

Zur Tragik gehört aber oft auch das Wunder. In diesem Fall das Wunder, dass er überhaupt überlebt hat. Jetzt soll ein weiteres folgen: Ärzte am Klinikum Bayreuth werden versuchen, ihm seine Überlebenschance zu sichern. Mit mehreren Operationen, die unter anderem seine Kniegelenke retten. Und damit den Einsatz von Prothesen überhaupt erst ermöglichen.

Safari hatte das Glück, in einem Krankenhaus zu landen, in dem seit Jahren Mediziner aus Deutschland mit Chefarzt Jürgen Dolderer vom Klinikum an der Spitze für zwei Wochen versuchen, zu helfen, wo die Hilfe vor Ort versagt. Versagen muss. Mangels Ausrüstung, mangels Kompetenz.

Safari hat auch das Glück, dass im fernen Bayreuth nach Dolderers Hinweis sofort eine Maschinerie in Gang kam, die alles andere als selbstverständlich ist. Das BRK, die Stadt Bayreuth, das Klinikum selbst, ein Anbieter von orthopädischen Hilfsmitteln: Wenige Gespräche, große Wirkung. Kernaussage dabei: Wir helfen. Und zwar, koste es, was es wolle.

Alles Selbstzweck in Sachen Marketing, in Sachen Eigenwerbung? Mitnichten. Logisch, dem Klinikum kann eine positive Schlagzeile im Moment nicht gerade schaden. Doch auch wenn über Spenden die bis zu 50.000 Euro, die bei Safari noch für Operationen anfallen, nicht gedeckt werden: „Wir stemmen das einfach, wir stehen dahinter ohne Wenn und Aber“, sagt Sprecher Frank Schmälzle.

Das ist nicht aufgesetzt, das ist echt. Anteilnahme halt. Auch ganz persönlicher Art. Ganz unabhängig vom Unternehmen, für das sie tätig sind. Jene, die da im Boot sitzen, sind mit dem gerne zitierten Herzblut bei der Sache. Auch so eine Plattitüde, die zu oft ge- und damit missbraucht wird.

Aber wenn’s so ist, dann ist es halt so. Und das ist gut so. Auch, weil es – vielleicht und hoffentlich – den Blick schärft zugunsten jener Menschen, die – ach ja, schon wieder eine Plattitüde – auf der Schattenseite des globalen Alltags zuhause sind. Die in extremer Armut dahinvegetieren, bei denen offenes Feuer am Fußboden die einzige Licht- und Wärmequelle ist. Übrigens eine ständige Gefahrenquelle für die Kinder.

Safari ist ein kleiner Junge, der Hilfe braucht. Danke an alle, die diese Hilfe möglich machen.

stefan.brand@kurier.de

 

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