Händler klagen 2G schreckt Kunden ab

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Nicht nur in der Gebers-Filiale werden die Kunden vor dem Betreten des Geschäfts um einen kleinen Moment Geduld gebeten: Mitarbeiterin Tanja Kimel (rechts) kontrolliert Impfnachweis und Personalausweis. Foto: ha

Seit Mittwoch gilt für Geschäfte, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, die 2G-Regel – Zutritt also nur für Geimpfte und Genesene. Bereits davor berichteten Bayreuther Händler, dass wenige Kunden den Weg in ihre Läden gefunden hätten. Durch die neue Regelung hat sich die Situation aber noch einmal verschärft. Gleichwohl war an diesem Samstag Leben in der Bayreuther Innenstadt.

Bayreuth -

„Die Kundenfrequenz ist definitiv zurückgegangen,“ sagt Uwe Baumann, Geschäftsführer von Euronics Baumann. Gerade jetzt, im Weihnachtsgeschäft, sei das eine unschöne Sache. Dafür habe aber der Online-Verkauf wieder zugenommen, ebenso wie der Telefonverkauf und die telefonische Beratung. „Das war auch schon so im letzten Lockdown. Wir suchen immer nach Lösungen, den Kunden zu helfen.“ Einige Kunden kommen aber nach wie vor persönlich in das Geschäft. Bei den Kontrollen seien diese dann meistens absolut verständnisvoll. „Die halten sofort ihren Impf- und Personalausweis bereit.“ Es gebe aber auch einige Ausnahmen, wie er in den vergangenen Tagen erlebt hat: „Die größten Probleme gibt es immer bei den Ungeimpften. Die meckern, schimpfen und drohen uns an, nicht mehr bei uns einzukaufen, wenn sie nicht reindürfen.“ Das sei aber nur ein kleiner Teil der Kunden, betont Baumann. „80 bis 90 Prozent verstehen das und das ist beruhigend.“ Trotzdem sei es gerade für seine Mitarbeiter schwierig, wenn ein Kunde mit Unverständnis reagiert. Vor allem, da sie nur die Regeln befolgen, wie alle anderen auch: „Wir kriegen die Watschen ab und können gar nichts dafür.“ Dass die Stimmung momentan unten sei merke man einfach. Doch trotz aller momentanen Widrigkeiten, möchte er die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich das auch wieder ändert, wenn die Leute sich an die aktuelle Situation gewöhnt haben.

Vorteil für Kunden

Peter Jakob möchte die Hoffnung ebenso nicht aufgeben, dass die Zurückhaltung der Kunden jetzt nur am Anfang da ist. „Das reguliert sich garantiert wieder, da sind wir optimistisch.“ Auch bei ihm finden seit Mittwoch weniger Kunden den Weg in den Elektrofachmarkt Expert Jakob. Und wie bei Baumann, sind dafür sowohl die telefonische Beratung, Bestellung und die Onlinebestellungen wieder mehr geworden. „Allein durch die Onlinebestellungen die bei uns eingehen, merken wir, dass die Leute die Alternativen nutzen,“ sagt der Inhaber. Das Gleiche gelte für Click and Collect. „Die Kunden können ihre Ware dann einfach im Lager abholen, ohne den Laden betreten zu müssen und ohne 2G-Regelung.“ Trotzdem kompensieren diese Alternativen die geringe Kundenzahl im Geschäft nicht, ergänzt er. Einen Vorteil sieht Jakob in der jetzigen Situation dennoch, dieser liege aber vor allem beim Kunden: „Der kann sich jetzt natürlich besser beraten lassen, da der Mitarbeiter mehr Zeit für ihn hat.“ Vor allem in der Weihnachtszeit, wenn nach Geschenken geschaut wird, sei eine längere Beratungszeit oft eine Hilfe. Die Kunden seien auch meist sehr verständnisvoll, was die Kontrollen am Eingang angeht. Aber auch seine Mitarbeiter mussten in dieser kurzen Zeit bereits die Erfahrung mit uneinsichtigen Kunden machen. „Es gab bis jetzt ein oder zwei Leute, die verärgert waren.“ Ansonsten klappe das mit den Kontrollen aber gut.

Stimmungsbild und Umsatz schlecht

Einen Eindruck davon, wie es den Händlern geht hat Sabine Köppel, Bezirksgeschäftsführerin für Oberfranken des Handelsverbandes Bayern. „Das Stimmungsbild ist schlecht und der Umsatz auch.“ Auch sie weiß, dass die Kundenzahlen seit Mittwoch zunächst nochmal abgenommen haben. Daher herrsche auch große Verunsicherung bei den Händlern und die Suche nach Alternativen laufe auf Hochtouren. „In manchen Städten wird darüber nachgedacht, eine Bändchenlösung einzuführen. Also ein Tagesbändchen, an dem man den Impfstatus erkennt. Das widerspreche aber der derzeit geltenden 15. bayerischen Infektionsschutzverordnung.“ Der Handelsverband werde aus diesem Grund auch nicht müde klar zu stellen, dass der Handel kein Pandemietreiber sei, sagt die Bezirksgeschäftsführerin. Sie sehe auch immer wieder, mit welcher Kreativität sich manche Händler durch die Pandemie kämpfen. „Ich weiß von einem Spielzeughändler, der vor seinem Laden einen Tisch aufgestellt hat. Dort kann der Kunde dann sagen, was er braucht, zum Beispiel eine Puppe und die wird ihm dann rausgebracht.“ Alles unter den geltenden Verordnungen, versteht sich.

Es war Leben in der Innenstadt

Trotz der aktuell geltenden Einschränkungen war an diesem Samstag durchaus Leben in der Bayreuther Innenstadt. Wer etwas kaufen wollte, was über den täglichen Bedarf hinaus ging, musste Impfnachweis und Personalausweis bereithalten. „Die Kunden zeigen Verständnis“, sagte Tanja Kimel in der Gebers-Filiale in der Maxstraße. Zwar würden auch manchmal Ungeimpfte versuchen, reinzukommen. „Doch die müssen wir wieder rausschicken.“

Um die Mittagszeit war der Andrang insbesondere in manchen kleineren Geschäften in der Fußgängerzone alles andere als stark. Kleinere Schlangen bildeten sich aber immer wieder etwa am Eingang zu Karstadt. Zügig wurden die Kontrollen vorgenommen. Doch so manch Kunde war sauer, angesichts der strengen Regeln. „Das macht keinen Spaß“, waren sich drei Damen einig, die vor dem Eingang warteten. Und während jede der Drei ihren Impfpass und den Personalausweis hervorkramte, fragte eine von ihnen: „Wozu haben wir uns impfen lassen?“

Kinder müssen draußen bleiben

Deutlichere Worte fand ein Familienvater aus Kronach, der zum Einkaufen nach Bayreuth gekommen war. „Das ist für’n Arsch“, sagte der Krankenpfleger und hielt die Kontrollen für übertrieben. Was ihn besonders ärgerte: Seine beiden Kinder, die noch keine zwölf Jahre alt sind, mussten draußen bleiben. „Die frieren“, sagte der Kronacher.

Immer wieder konnte man beim Bummeln durch die Fußgängerzone beobachten, dass an den Eingängen zu den Geschäften genau kontrolliert wurde. So etwa vor dem Konzeptstore Scandi 28. Dort überprüfte Christopher Brand die Impfdaten der Kunden. „Die Leute haben sich darauf eingestellt“, sagt er. Plötzlich taucht ein kniffliges Problem auf. Der junge Mann, der gerne in den Laden wollte, war zwar vollständig geimpft, doch die dritte Impfung lag noch keine 14 Tage zurück. Auch auf solche Details wurde geachtet. Ein Grund, Bayreuth ohne Weihnachtsgeschenk zu verlassen, war dies freilich nicht.

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