Könnte es einen Spielabbruch in der Bundesliga geben?
Auszuschließen ist das nicht. Die Ultra-Gruppierungen scheinen es sogar darauf anzulegen. In diesem Kontext sind beispielsweise auch die Plakate zu sehen, die beim Spiel von Hannover 96 beim HSV im Auswärtsblock von einigen Unbelehrbaren gezeigt wurden. Darauf waren die Köpfe möglicher Investoren und Martin Kind im Fadenkreuz abgebildet.
Die Regeln der DFL besagen, dass das Spiel wegen solcher Symbole abgebrochen werden können. Am Samstag stand die Begegnung zwischen Union Berlin und dem VfL Wolfsburg (1:0) vor dem Abbruch. Gemutmaßt wird in Expertenkreisen, dass die DFL den Fans, diesen „Erfolg“ nicht gönnen will.
Kommt der Protest lediglich aus den Kurven?
Fredi Bobic hatte im Rahmen des Spiels des VfB Stuttgarts gegen Mainz 05 für Aufsehen gesorgt, weil er sich gegen die Proteste positionierte. Sinngemäß sagte der ehemalige Stürmer: die meisten Fans wollten einfach nur Fußball sehen, die Unterbrechungen würden viele Zuschauer nerven.
Dieser Meinung stellt sich das Fanbündnis, zu dem unter anderem Unsere Kurve e.V. gehört, stellt sich dem entgegen. Es sei „ein Trugschluss zu glauben, dass sich nur ein Bruchteil der Fans gegen den DFL-Investoren-Einstieg und vor allem dessen Zustandekommen positioniert. Der Protest wird bundesweit getragen und das Zustandekommen der Zwei-Drittel-Mehrheit mit Vehemenz in Frage gestellt.“
Gestützt wird diese Position unter anderem von einer Umfrage, über die der Spiegel zuerst berichtete. Demnach steht eine Mehrheit der deutschen Fußballfans dem Ansinnen der DFL kritisch gegenüber. Eine Umfrage ergab, dass rund 62 Prozent einen Investoreneinstieg ablehnen. Sportwissenschaftler hatten in Zusammenarbeit mit der Umfrageplattform FanQ in der ersten Februarwoche 2090 Personen befragt.
Hat der Protest schon etwas gebracht?
Durchaus. Die Zweifel am Abstimmungsergebnis haben unter anderem VfB-Präsident Claus Vogt – allerdings nicht in offizieller Funktion – dazu bewogen, sich für eine erneute Abstimmung auszusprechen. Ähnlich haben sich auch Vertreter der Hauptstadtclubs Union Berlin und Hertha BSC geäußert.
„Wir begrüßen die öffentlichen Positionierungen einiger Vereinsvertreter, die unsere Position teilen, ausdrücklich. Und wir erwarten von allen DFL-Mitgliedern – von unseren Vereinen –, dass sie entsprechend der jeweiligen Mitgliedermeinung handeln und in Folge dessen für eine Neu-Abstimmung einstehen“, heißt es in dem Schreiben der Fanvertretungen.
Haben die Proteste auch Einfluss auf die Investorensuche?
Ja – und das dürfen die Ultra- und Fangruppierungen durchaus als Erfolg werten. Denn die DFL hat bei der Suche nach potenziellen Geldgebern in dieser Woche einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Wie die Liga am Dienstagabend bestätigte, hat sich das Finanzunternehmen Blackstone aus dem Bieter-Rennen zurückgezogen.
„Wir bestätigen, dass Blackstone nach guten Gesprächen aus verschiedenen Gründen nicht mehr als strategischer Vermarktungspartner der Bundesliga und 2. Bundesliga infrage kommt“, teilte die DFL mit: „Der DFL und den Klubs war stets bewusst, dass durch die im Dezember verabschiedeten Eckpunkte und roten Linien hohe Anforderungen an mögliche Partner gestellt werden.“ Auf Details wolle man angesichts des laufenden Prozesses nicht eingehen, hieß es weiter.
Als Gründe werden in einem Bericht von Bloomberg die Fan-Proteste und das zögerliche Verhalten der Bundesliga-Klubs angeführt. Damit ist nur noch CVC im Rennen, das sich nicht offiziell äußerte. „Der weitere Prozess wird im vorgesehenen Zeitplan mit CVC fortgeführt“, teilte die DFL mit.
Die DFL hatte im Januar die Zahl auf zwei Kandidaten reduziert. Der Finanzinvestor soll Anteile einer DFL-Tochtergesellschaft, in welche die kompletten Medienrechte ausgelagert werden, für 20 Jahre erwerben. Angedacht ist eine Minderheitsbeteiligung eines Partners in Höhe von maximal acht Prozent. Blackstone hatte rund eine Milliarde Euro für die Rechtebeteiligung geboten.