Zingler hatte im Dezember in einem Schreiben an die DFL und die anderen 35 Profi-Clubs eine Verschiebung der Abstimmung über einen Investoren-Einstieg gefordert und scharfe Kritik am Verhalten anderer Clubs geübt.
Auch Lokalkonkurrent Hertha BSC votierte bei der Abstimmung mit „Nein“. Man hätte sich gewünscht, dass der Prozess ganzheitlich betrachtet werde, „von der Infrastruktur bis hin zur Nachhaltigkeit“, heißt es in einem Statement des Vereins auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Zwei Enthaltungen
Enthalten wollte sich der VfL Osnabrück. Wie die Niedersachsen Anfang Dezember mitteilten, sprachen sich der „Beirat sowie das Präsidium nach langen Beratungen und einer intensiven Abwägung beider Seiten für eine Enthaltung bei der Abstimmung aus“. Die Geschäftsführung des VfL werde dieser Empfehlung in der Versammlung folgen, hieß es.
Der FC Augsburg hat sich bereits öffentlich zu seiner Enthaltung geäußert. Dessen Geschäftsführer Michael Ströll sagte zur Abstimmung gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“, es gehe hier um eine weitreichende, strategische Entscheidung über die nächsten 20 Jahre, die erhebliche Relevanz für den deutschen Fußball habe. Und weiter: „Aus vorgenannten Gründen haben wir uns enthalten, da wir ein klares Votum nur mit der dafür nötigen Sorgfalt und Verantwortung treffen können.“ Der Verein habe sich unter anderem wegen des Wunschs nach einer breiteren und längeren Diskussion enthalten.
Unklarheit bei Hannover 96
Eine gewisse Unklarheit, wie abgestimmt wurde, besteht beim Zweitligisten Hannover 96: Der Mutterverein Hannover 96 hatte den Geschäftsführer der ausgelagerten KGaA, Martin Kind, nämlich zuvor angewiesen, bei der Abstimmung mit „Nein“ zu votieren. Allerdings gilt Kind als Befürworter des Investoren-Einstiegs und soll auch dafür gestimmt haben. Er legte bislang nicht offen, wie er abgestimmt hat.
Noch keine öffentliche Äußerung
Öffentlich noch nicht zum Abstimmungsverhalten geäußert haben sich bislang folgende Vereine:
- SV Wehen Wiesbaden
- SV Elversberg
- 1. FC Kaiserslautern
- Holstein Kiel
Worum geht es bei dem Deal überhaupt?
Der neue Plan sieht vor, sechs bis acht Prozent der Anteile einer DFL-Tochtergesellschaft, in welche die kompletten Medienrechte ausgelagert werden, für 20 Jahre zu verkaufen. Dafür soll es zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro geben.
Im Idealfall gehen 600 Millionen an die DFL-Zentralverwaltung zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells (Digitalisierung, Streamingplattform usw.). 300 Millionen erhalten gemäß des gültigen Verteilerschlüssels die Clubs, um die zunächst entstehenden Medien-Mindereinnahmen auszugleichen. Mit den restlichen 100 Millionen soll ein Vergütungssystem geschaffen werden, das die Clubs belohnt, die zu Werbezwecken ins Ausland reisen.
Es soll vier bis sechs interessierte Geldgeber aus dem sogenannten „Private-Equity-Bereich“ geben. Es handelt sich dabei um Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die auf Beteiligungsformen spezialisiert sind. Jüngst hatte sich der US-Finanzinvestor Blackstone aus dem Bieterprozess für die Medienrechte der Fußball-Bundesliga zurückgezogen. "Aus verschiedenen Gründen" komme das Unternehmen Blackstone "nicht mehr als strategischer Vermarktungspartner der Bundesliga und 2. Bundesliga infrage", hieß es in einem DFL-Statement. Die DFL bestätigte zudem, dass nur noch die Beteiligungsgesellschaft CVC als letzter Anwärter auf eine prozentuale Beteiligung an einer Tochtergesellschaft zur Verwertung der Medienrechte bereitstehe. "Der weitere Prozess wird im vorgesehenen Zeitplan mit CVC fortgeführt", hieß es.
Wie stehen Fans zu dem Milliardendeal?
Die Mehrheit lehnt den Einstieg eines Investors ab - wie die aktuellen Proteste zeigen. Die meisten Fans befürchten eine intensive Einflussnahme des Investors und damit eine Wettbewerbsverzerrung. Zudem eine weitere Zerstückelung des Spieltags, die Austragung von Spielen im Ausland sowie eine Beschädigung der 50+1-Regel.
Viele Club-Vertreter fordern einen Dialog und eine Lösung. Und vor allem: eine Neuabstimmung in der Investoren-Frage. Unter anderem VfB-Präsident Claus Vogt – allerdings nicht in offizieller Funktion – sprach sich jüngst für eine erneute Abstimmung aus.
Ähnlich haben sich auch Vertreter der Hauptstadtclubs Union Berlin und Hertha BSC geäußert. Auch der Karlsruher SC befürwortet "ganz klar" eine neue Abstimmung. "Bei einer so wichtigen und langfristigen Entscheidung dürfen keine Zweifel aufkommen, ob die demokratische Meinungsbildung korrekt zustande gekommen ist", sagte Geschäftsführer Michael Becker kürzlich laut einer Mitteilung des badischen Fußball-Zweitligisten.
DFL-Präsidiumsmitglied Axel Hellmann hatte den Forderungen auch nach etlichen Protesten eine Abfuhr erteilt. „Keiner der 36 Vereine hat während der Anfechtungsfrist eine Schrift eingereicht, wonach die Abstimmung nicht rechtswirksam gewesen ist. Es hat auch keiner der 36 Vereine widersprochen, als es um die geheime Abstimmung ging. Wir müssen das Votum der Clubs ernst nehmen“, forderte der Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt unter anderem.
In der vergangenen Woche hat die DFL Nun offenbar Fanvertreter zu einem Gespräch eingeladen – das lehnen die Fans jedoch ab. In einer gemeinsamen Stellungnahme, das von fünf Fan-Zusammenschlüssen unterzeichnet ist, heißt es dazu unter anderem: Das Ziel der DFL sei es nur, erneut zu „erklären, was der Investoren-Deal bedeutet und was nicht. Zweitens Fanvertreter*innen nahezulegen, die Proteste in den Kurven nicht weiter „eskalieren“ zu lassen. Keine Zeile zur Kritik am Zustandekommen des Abstimmungsergebnisses. Keine Zeile dazu, dass damit 50+1 in seinen Grundfesten erschüttert wird. Keine Zeile dazu, wie die DFL auf die Kritiker*innen zugehen will.“