Festspiel-Debüt Der junge Hirt im "Tannhäuser"

Gibt heuer ihr Bayreuth-Debüt als junger Hirt im „Tannhäuser“:
 Katharina Konradi. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Ihr Theaterdebüt gab sie in Oberfranken, beim Theater Hof. Dort stand  sie  im „Tagebuch der Anne Frank“ auf der Bühne. In diesem Sommer singt die aus Kirgisistan stammende Katharina Konradi erstmals bei den Bayreuther Festspielen: als junger Hirt im „Tannhäuser“.

Frau Konradi, wie sind Sie zur Musik gekommen?

Katharina  Konradi:  Schon  als Kind habe ich gesungen. Mein Großvater  hat mich immer auf dem Akkordeon begleitet. Zunächst habe ich Volkslieder auf Russisch und Deutsch gesungen. Als ich dann nach Deutschland kam, habe ich die Möglichkeit gesehen, in die klassische Richtung zu gehen. Vorher war das Pop und Folklore.

Gibt es in Kirgisien ein Opernhaus?

Konradi: Es gibt ein Konzert- und Opernhaus noch aus der Zeit der Sowjetunion. Aber solange ich dort gelebt habe, wurde das nicht bespielt. Jetzt gibt es Gastspiele, aber in der klassischen Richtung gibt es dort sehr wenig.

Wann sind Sie mit Oper in Kontakt gekommen?

Konradi: Erst mit 18. Da war ich zum ersten Mal in Hamburg in der Oper und habe „La Traviata“ gesehen. Das war der Moment, in dem ich dieses Gesamtkunstwerk zum ersten Mal erlebt habe. Das hat mich so mitgerissen, dass ich gesagt habe: Das will ich unbedingt machen.

Ihr Theaterdebüt haben Sie ja in Oberfranken gegeben.

Konradi: Beim Theater Hof habe ich das „Tagebuch der Anne Frank“ gemacht.

Wie haben Sie diese Produktion in Erinnerung?

Konradi: Sie ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Dabei habe ich gemerkt: Ich muss auf die Bühne. Meine Initialzündung in die theatrale Richtung hat in Hof stattgefunden.

Inzwischen haben Sie ja auch in der Elbphilharmonie in Hamburg gesungen. Wie haben Sie denn die Akustik empfunden, um die es vor einigen Monaten eine skurrile Diskussion gab?

Konradi: Ich habe ein halbes Jahr nach der Eröffnung der Elbphilharmonie im „Egmont“ von Beethoven die Klärchenlieder gesungen. Klaus Maria Brandauer hat rezitiert.

Wie fanden Sie Brandauer?

Konradi: Ah, großartig, so ausdrucksstark!

Und die Akustik?

Konradi: Ich habe dort schon drei Projekte gemacht und ich war jedes Mal überrascht, wie leicht mir das fiel, dort zu singen. Ich fand die Akustik unglaublich klar. Man hört natürlich jedes Geräusch. Ich hatte das Gefühl, man muss nicht viel Stimme geben. Wenn die Stimme gut fokussiert ist, singt es sich sehr leicht.

Wann sind Sie das erste Mal mit Wagner in Kontakt gekommen?

Konradi: Als leicht lyrische Stimme hat man schon ein bisschen Ehrfurcht vor Wagner. Meine erste Berührung war in Wiesbaden im „Ring an einem Abend“. Da habe ich die Woglinde gesungen. Ich war begeistert, wie sich diese Partie auf die Stimme legt. Wagner hat fantastisch für die Stimme komponiert. Ich habe dann auch die Helmwige mitstudiert und jedes Mal habe ich das absolut genossen.

Nun geben Sie Ihr Bayreuth-Debüt mit dem jungen Hirten und einem Zaubermädchen. Was macht mehr Spaß?

Konradi: Ich glaube, das Zaubermädchen, weil die Partie etwas länger ist. Auch der junge Hirt macht unglaublich viel Spaß, aber er ist so kurz. Ehe ich begriffen habe, dass ich singe, ist es schon wieder vorbei. Man wirft ganz kurz ein Licht auf eine andere Welt, die so unbeschwert und noch nicht mit Sorgen in Kontakt gekommen ist.

Durch das Folkloristische dieser Rolle sind Sie ja nun wieder bei Ihrem Opa gelandet.

Konradi: Richtig.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus? Als junger, lyrischer Sopran wird man sich vermutlich nicht allzu schnell in Richtung Brünnhilde entwickeln ...

Konradi: Würde ich gerne. Ich bin so fasziniert von dieser Frau als Figur und von der Musik, die sie singt. Aber da muss ich noch ein bisschen warten. Die nächste Rolle wäre vielleicht eher die Sieglinde. Das wäre ein Ziel.

 

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