Euphorie vor dem Start Für die Altstädter zählt in Rain nur der Sieg

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Kleiner Tipp für all diejenigen, die nach der EM eine gewisse Fußball-Müdigkeit verspüren: einfach mal Timo Rost anrufen. Der Trainer der SpVgg Bayreuth brennt „wie eine Fackel“, die Vorfreude auf die neue Saison sei „enorm, kaum zu beschreiben“. Am Freitag um 18.30 Uhr starten die Altstädter ihre Aufstiegsmission in der schwäbischen 9000-Seelen-Gemeinde Rain am Lech. Und so wie ihr Trainer gehen sie dort ans Werk – voller Optimismus.

Fußball - Zwar warnt der Altstädter Coach respektvoll vor den Stärken des „kampfstarken TSV“ – der sei vor allem mit langen Bällen und über Standards gefährlich – , aber klar ist ihm schon, dass er die Bürde des Favoriten gegen den Dreizehnten der zurückliegenden Saison nur schwer loswird. Und so muss man auch gar nicht nach der Zielsetzung für den Auftakt fragen. „Wir wollen das Spiel bestimmen, vor allem auf uns schauen“ heißt nichts anderes als: drei Punkte – sonst nichts.

Die Voraussetzungen – meist in der Favoritenrolle

Der Auftakt liefert ohnehin schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was den Altstädtern in dieser Saison im überwiegendem Maße blüht, Favorit zu sein nämlich. Denn gegen die Mehrzahl der Mannschaften sind sie zum Siegen verdammt, um dann gegen die Unterhachings, Schweinfurts, Aschaffenburg und Bayerns auch einmal mit einem Punkt zufrieden sein zu dürfen. Die Regeln sind so simpel wie grausam: Nur der erste Platz verschafft Zugang zum Profifußball, schon der Zweitplatzierte muss sich deshalb wie ein Verlierer fühlen. Auch wenn das niemand so deutlich ausspricht - es ist die Realität.

Die Vorbereitung – ganz anders als sonst

Um nicht zum Kreis der 19 Geschlagenen zu zählen, haben die Altstädter schon in der Vorbereitung einiges anders gemacht als in den Jahren zuvor. Manches war den Umständen geschuldet. Nach dem Liga-Pokalsieg in Eichstätt hatten die Gelb-Schwarzen nur zwei Wochen Pause. „Da haben die Jungs nicht viel verloren“, sagt Timo Rost, der sich deshalb in der enorm kurzen, dreiwöchigen Vorbereitung nicht um die Grundlagen kümmern musste. Detailarbeit war angesagt, die Integration der Neuzugänge ein wichtiger Aspekt.

Auch deshalb verzichtete der 42-Jährige auf den sonst üblichen Testspiel-Reigen. Nur eine Partie gab es. Bei Zweitligist Jahn Regensburg unterlagen die Altstädter nach der ersten Trainingswoche mit 0:4 („Ein guter Test, gegen einen herausragenden Gegner.“). Danach gab es noch zwei Duelle. Aber nur intern. Zwei Teams wurden aus dem eigenen Kader gebildet. „Wir hatten Schiedsrichter, das Ganze hatte also schon einen richtig ernsthaften Charakter“, sagt Rost, der jedem Spieler zweimal die volle Spieldistanz geben wollte, hin und wieder aber auch unterbrach und taktische Anweisungen einstreute. „Rule Breaking“ nennt Rost diese andere Art der Vorbereitung – das Aufbrechen bestehender Regeln nach einer alles andere als normalen Saison.

Der Kader – klein, aber hochwertig

Dass er jedem Spieler in der Vorbereitung die nahezu identische Spielzeit zuteilwerden ließ, will der Altstädter Coach auch als Zeichen verstanden haben. „Jeder Spieler aus unserem kleinen, aber - wie ich finde – sehr hochwertigen Kader ist enorm wichtig.“ Deshalb gibt es auch keine Stammelf. Wer in Rain anfangen wird, wusste er zwei Tage vorher noch nicht. Nur soviel: „Es könnte durchaus sein, dass einer unserer Neuzugänge in der Anfangsformation steht“, sagt er kryptisch. Eine Feststellung, die angesichts der Reputation, die vor allem Daniel Steininger, Felix Weber oder Benedikt Kirsch mitbringen, beileibe keine Überraschung in sich birgt. Um die fünf Neuen in das bestehende System zu integrieren und ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, wurde am vergangenen Wochenende auch noch einmal ein kleines Trainingslager in der Nähe von Nürnberg absolviert. Teambuilding stand im Vordergrund -“alles super gelaufen, das hat das Team noch enger zusammengeschweißt“.

Und so gehen die Bayreuther „bestens vorbereitet“ und „voller Euphorie“ an den Start. Selbst ein Rückschlag kann daran nichts ändern: Kapitän Anton Makarenko muss verletzungsbedingt passen.

INFO: Zum Spiel in Rain sind wieder Gästefans zugelassen. SpVgg-Fans, die die Partie besuchen möchten, sollen sich im Vorfeld online registrieren. Die Gastgeber werden den Gästeblock öffnen. Zum Einlass ist kein negativer Corona-Test erforderlich, allerdings müssen die Kontaktdaten zur Nachverfolgung angegeben werden. Damit es am Einlass nicht zu längeren Wartezeiten kommt, bittet der TSV Rain, sich am Spieltag (allerdings nicht vorher), online „einzuchecken“.

Last-Minute-Neuzugang vom 1.FC Nürnberg II

Einen Tag vor dem Regionalliga-Start in Rain am Lech hat die SpVgg Bayreuth personell noch einmal nachgelegt. Mit dem 20-jährigen David Pfeil wechselt ein Außenverteidiger vom Liga-Konkurrenten 1.FC Nürnberg II zu den Altstädtern. Bis 2017 spielte Pfeil in Aue, ehe er sich für einen Wechsel zum Club entschied. Dort kickte er zunächst in der B-Jugend-Bundesliga, anschließend auch in der höchsten Spielklasse der A-Jugendlichen. Nach einem Abstieg der Nürnberger U19 im ersten Jahr führte der Defensivspieler sein Team in der Bayernliga als Kapitän aufs Feld – und zum direkten Wiederaufstieg in die Nachwuchs-Bundesliga.

Ab Herbst letzten Jahres stand Pfeil schließlich im Kader der zweiten Mannschaft des Club, die Corona-bedingt nur eine Handvoll Spiele absolvierte. „Das war natürlich schade, ich hätte gerne mehr gespielt. Umso glücklicher bin ich jetzt, dass es mit dem Wechsel nach Bayreuth geklappt hat und ich wieder Fußball spielen kann“, freut sich Pfeil in einer Vereinsmitteilung auf die neue Aufgabe. Trainer Timo Rost sieht in seinem sechsten Neuzugang einen „gut ausgebildeten U23-Spieler mit großem Entwicklungspotenzial. Er passt auch charakterlich sehr gut zu uns“. Mit Pfeil gewinnt der Altstädter Coach zudem einen weiteren Linksfuß. „Er wird uns auf der Außenverteidigerposition mit seinem Offensivdrang helfen.“

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