Ein Baufehler sorgt 21 Jahre später für Ärger: Eher zufällig haben die Techniker der Lohengrin-Therme einen Mangel aufgedeckt, der 1999 eingebaut worden war. Seit Inbetriebnahme der Therme lief deshalb ungefiltertes Thermalwasser aus dem Filter der Badewasser-Aufbereitung in den Roten Main. Weil zwei Rohrleitungen vertauscht worden sind. Das haben die Stadtwerke und die Bayreuther Thermalbad-GmbH (BTB) am Freitag mitgeteilt.

Wie Jan Koch, der Pressesprecher der Stadtwerke, am Freitag mitteilt, sei das Problem erkannt worden, als die Techniker während des Corona-Lockdowns auf der Suche nach einem ganz anderen Problem gewesen seien. Weil, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Bayer in der Pressemitteilung zitiert wird, „wir mehr Frischwasser als erwartet benötigt haben – im normalen Betrieb wäre diese Menge überhaupt nicht aufgefallen“. Dabei hätten die Techniker mehrere Kontrollschächte geprüft, in Kontrollschacht fünf schließlich sei aufgefallen, „dass in einem Rohr, durch das wir Regenwasser ableiten, für mehrere Sekunden Wasser floss, obwohl es überhaupt nicht regnete“. An dieses Phänomen habe sich „technische Detektivarbeit“ angeschlossen, in deren Rahmen sich „das Problem der vertauschten Leitungen“ herausgestellt habe.

Das Wasser stamme, sagt Koch, aus den Filteranlagen der Badewasseraufbereitung, die Haare und Hautschuppen aus dem Wasser entferne. Regelmäßig reinigten sich die Filter mit einer Rückspülung. Das Wasser komme dann in die thermeneigene Aufbereitungsanlage. „Ein Problem gibt es immer dann, wenn sich unsere Wasseraufbereitungsanlage mittels Rückspülung reinigt“, wird Bayer zitiert. „Der grobe Schmutz setzt sich zwar am Boden des Behälters ab und wird einmal jährlich abgesaugt – feine Partikel lösen sich allerdings bei der Rückspülung von der Filtermembran und müssten in die Kanalisation eingeleitet werden. Weil beim Bau der Therme zwei Rohre vertauscht wurden, gelangt das verschmutzte Wasser der Rückspülung leider in den Roten Main.“ Als man das Problem erkannt habe, habe man sofort die Stadt Bayreuth und das Wasserwirtschaftsamt in Hof eingeschaltet – und diesen Teil der Wasseraufbereitung vorübergehend stillgelegt.

Wie Koch auf Nachfrage sagt, sei bei dem Vorgang kein Chlor mehr in den Kreislauf gelangt, „Chlor, das in der Wasseraufbereitung in geringen Mengen verwendet wird, hat sich zu diesem Zeitpunkt schon verflüchtigt“. Das Schmutzwasser enthalte Hautschuppen und Haare, mithin organische Stoffe.

Umweltauswirkungen - wie etwa tote Fische im Bereich der Stelle, an der das Wasser in den Roten Main gelangt, seien den Stadtwerken „Stand heute“ nicht bekannt, sagt Koch weiter. „Selbstverständlich haben wir einen Gutachter eingeschaltet, der das betroffene Wasser analysiert. Dieses Gutachten werden wir auch den Behörden zur Verfügung stellen.“

Wie oft die Rückspülung in Betrieb ist – wie oft also Wasser Richtung Roter Main geflossen ist – lasse sich nicht nachvollziehen, das „müssen wir noch untersuchen“, sagt Koch. Das Problem sei am 23. Juni entdeckt worden, anschließend seien sofort Maßnahmen angelaufen. Geprüft werden müsse von Seiten der Geschäftsführung, „wer Verantwortung für den Fehler trägt“. der Fehler solle so schnell wie möglich behoben werden. Unklar sei, ob das Umschließen der Rohre Auswirkungen „auf den geplanten Eröffnungstermin Ende Juli“ habe, sagt Koch.

„Augenscheinliche Auffälligkeiten“ aufgrund des eingeleiteten Thermalwassers am Roten Main auf Höhe der Eremitenhofstraße schließt der stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamts Hof, Christian Weiß, derzeit aus. Das Wasserwirtschaftsamt prüfe das Wasser des Roten Mains regelmäßig, „erhebliche Umweltauswirkungen sind uns nicht bekanntgeworden“, teilt Weiß auf Anfrage mit.