Der Ernst der Lage in Bayreuth wird an der ersten Sitzung ablesbar, die komplett mit Maskenpflicht stattfindet am Montag. Und daran, wie schwer sich der berufsmäßige Stadtrat und Rechtsreferent Ulrich Pfeifer nach eigenen Worten bei der Empfehlung tut. „Es tut mir wahnsinnig leid, wir wissen um die Nöte der Schausteller.“ Aber: Angesichts der Situation, in der sich Bayreuth befindet – die Corona-Ampel „zeigt Tiefrot“ – sei es „nicht vertretbar, die Märkte stattfinden zu lassen. Wer soll die Verantwortung übernehmen? Die Sicherheitsbehörden können es nicht.“

 Denn es sei klar, dass „die infektionsschutzrechtlichen Rahmenbedingungen“ alle gerissen werden würden. Die Veranstaltungen hätten überörtliche Sogwirkung auf die Besucherströme, es würden stets mehr als 200 Besucher auf einmal unterwegs sein, infektionsschutzrechtlich vertretbar sei das nicht mehr.

"Lasst die Finger davon"

Eine Idee der Stadtverwaltung, auf den Volksfestplatz auszuweichen, werde „von den Schaustellern nicht mitgetragen, auch die Marktkaufleute sagen, dass dann die Laufkundschaft wegfällt“, sagt Pfeifer. Bereits aus eigenem Antrieb hätten die Betreiber des Glühgartens die Reißleine gezogen, ebenso habe die Bayreuth Marketing- und Tourismus GmbH (BMTG) bei den Händlern eine kritische Haltung bezüglich des verkaufsoffenen Sonntags zurückgemeldet bekommen. Auch im Rotmain-Center seien einige „Händler skeptisch“. In vielen Gesprächen – mit der Regierung, mit Ärzten, dem Gesundheitsamt – habe er eine klare Rückmeldung bekommen, sagt Pfeifer: „Lasst die Finger von den Veranstaltungen.“

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) fügt nach Gesprächen mit den Fraktionen eine weitere Traditionsveranstaltung an: den Ball der Stadt. Der müsste in der Oberfrankenhalle auf 300 Personen begrenzt werden. Fünfstelliges Minus bei den Kosten inklusive, wäre es „ungerecht, für ein handverlesenes Publikum so ein Fest“ anzubieten.

Die „pandemische Entwicklung hat uns überrollt“, sagt der CSU-Fraktionsvorsitzende Stefan Specht. Deshalb bleibe nichts anderes übrig, als die Veranstaltungen abzusagen. Es gelte „das Prinzip Verantwortung“. Dass die Verwaltung versucht habe, eine Alternativlösung zu finden, sei respektabel. Ebenso die Absage der Glühgarten-Betreiber aus eigenem Antrieb, sagt Specht.

Alles versucht

Bayreuth – vor allem das Ordnungsamt – habe „alles versucht, die Märkte stattfinden zu lassen“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske. Aber: man wolle „keinen Hotspot in der Innenstadt schaffen“. Anders als die Schulen, die jetzt in eine „halbe Schulschließung“ gingen, seien jedoch „die privaten Feiern“ das Problem der Pandemie, sagt Bauske.

Sabine Steininger, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, signalisiert ebenso wie Georg Kämpf Zustimmung dazu, „wie verantwortungsvoll die Stadt mit der Situation umgeht. Wir gehen mit gutem Beispiel voran“, wie Kämpf sagt. Er erwarte allerdings auch für Sportstätten und Vereine „ein klares Konzept, wie es weitergeht“.

Den Ball des verantwortungsvollen Umgangs nimmt Gert-Dieter Meier (DU) auf. Er könne angesichts solcher Maßnahmen nicht verstehen, „dass es Kasper gibt, die am Samstag meinen, gegen die Maskenpflicht demonstrieren zu müssen“.

Die Polizei, sagt Pfeifer, habe dort sehr wohl kontrolliert und Bußgelder ausgesprochen. Allerdings deute sich jetzt schon an, dass Bußgelder nach Einsprüchen von Gerichten drastisch reduziert würden. Das, sagt Pfeifer, habe „wenig Sinn, wenn das dann mehr oder weniger kassiert wird“.