Der Grüne Faden Wie ein Detektiv am Körper unterwegs

BAYREUTH. Skifahren, Schwimmen und draußen unterwegs sein – Sabine Schlicht liebt es sportlich und naturnah. An ihrem Beruf schätzt sie das interaktive Arbeiten mit ihren Patienten.

Das ist Sabine Schlicht dann doch zu esoterisch: Nein, über „heilende Hände“ verfüge sie nicht. Auch wenn sich schon so mancher Patient mit diesen Worten bei der Heinersreutherin bedankt hat. Nach der Behandlung auf der blauen Liege in der kleinen Praxis war der Muskel plötzlich wieder entkrampft. Der Schmerz war weg.

Jedoch: „Mit Esoterik hat das nichts zu tun“, stellt Sabine Schlicht, die in ihrem Wohnhaus in Heinersreuth eine Praxis für Physiotherapie betreibt, klar. Vielmehr handle es sich dabei um Handwerk im wörtlichen Sinn. „Ich aktiviere auf motorischer Ebene die Selbstheilungskräfte im Körper.“

Ob man dafür viel Kraft in den Fingern benötige? Nein. „Es braucht gute Techniken.“ Während der Arbeit ist die Physioptherapeutin gleichsam wie ein Detektiv am Körper unterwegs. Es geht um Fragen wie: Woher kommt die Bewegungsstörung? Oder: Welche Ausweichbewegungen macht der Patient?

Spüren, was der Muskel braucht

Bei dieser Art von Handwerk kommt es darauf an, „zu spüren, was der Muskel braucht“. Und: „Nachzufühlen, wo ich hin muss.“ Es ist insbesondere das Interaktive, was Sabine Schlich sehr an ihrer Arbeit schätzt. 

Vor mehr als 30 Jahren hat die gebürtige Bayreutherin, die jetzt in einem schönen Haus am Waldesrand in Heinersreuth lebt, ihre Ausbildung absolviert. Längst kann sie sich beruflich nichts anderes mehr vorstellen. Eine Alternative wäre damals vielleicht ein Sport-Studium gewesen. Denn Sport hat sie immer getrieben und tut es nach wie vor. Schwimmen und Ski fahren stehen ganz oben auf der Liste.

Wobei man dabei wohl von frühkindlicher Prägung sprechen kann. Ihr Papa hat die Tochter schon früh zum Schwimmen mitgenommen. Mittlerweile hat Sabine Schlicht diverse Meere durchpflügt. Auch im Indischen Ozean ist sie schon geschwommen.

Angst? „Ich bin ziemlich unerschrocken“, sagt sie. „Ich bin nicht blauäugig, aber ich habe keine Angst.“ Wasser hat für Sabine Schlicht eine große Anziehungskraft. Und wenn es gerade mal nicht der Indische Ozean oder das Rote Meer sein können, dann tut es auch der Fichtelsee, dessen kühle Temperaturen sie insbesondere in heißen Sommern sehr schätzt.

Dabei planscht sie nicht nur im Randbereich, sondern durchquert den See bis zum gegenüberliegenden Ufer. Die sorgenvolle Mahnung „und wenns’d an Krampf kriegst?“ ignoriert die Sportlerin einfach. „Darüber mache ich mir keine Gedanken.“

Schwimmen und Skifahren

Neben dem Schwimmen liebt Sabine Schlicht das Skifahren. „Das war schon immer meine Leidenschaft, und die es jetzt noch größer geworden.“ Zum Wintersport wurde sie ebenfalls durch ihren Papa gebracht. Und diese Tradition hat sie weitergegeben.

Einmal im Jahr geht es in den Skiurlaub, bei dem die gesamte Familie komplett ist. Neben ihrem Ehemann sind dann auch die beiden Kinder, die längst aus dem Haus sind und studieren, mit dabei.“ Ein Highlight, das alle in der Familie gerne pflegen.

Sich in der Natur zu bewegen, ist für Sabine Schlicht sehr wichtig. So erscheint es folgerichtig, dass sie einst von Bayreuth nach Heinersreuth gezogen ist und zwar auf ein Grundstück, auf dem sie vor allem eines hört: das Zwitschern der Vögel.

So ist es durchaus wörtlich zu nehmen, wenn sie sagt, sie lebe mit der Natur im Einklang. Steht man vor der Tür zu ihrer Praxis, so atmet man den Duft des Waldes ein. Was allerdings auch daran liegt, dass ihr Ehemann im hübsch angelegten Garten kurz zuvor Rindenmulch verbreitet hat. 

Am Garten der Familie Schlicht lässt sich auch ablesen, dass man gerne auf Reisen geht. Und überall Inspirationen aufnimmt, um diese dann zuhause umzusetzen. So erinnert ein nach österreichischem Vorbild gebauter Pavillon an eine Reise nach Wien. Die Idee zu einer speziell gemauerte Terrasse hat sich das Ehepaar in England abgeschaut. Ein Strandkorb lässt Erinnerungen an einen Ostsee-Urlaub wach werden. Auch die Idee für eine kleine Galerie mit Vögeln aus Ton ist im Urlaub entstanden. „Die Ideen haben wir miteinander, für die Umsetzung sorgt dann mein Mann“, sagt die Heinersreutherin. 

Wenn also Sabine Schlicht sagt, „in Heinersreuth lebt es sich sehr schön“, so ist dies bezogen auf ihr Haus am Waldesrand, den inspirierend angelegten Garten und den Gesang der Vögel, den die Natur jeden Morgen ab fünf in der Früh’ obendrein gibt, keine Floskel aus Höflichkeit, sondern schlicht zutreffend.


Info: Sabine Schlicht gibt den 
Grünen Faden weiter an Ralph Herath. Er trainiert in seiner Freizeit Fußball-Schülermannschaften und ist als Eventmanager tätig.



Der grüne Faden: Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Bayreuth hat über 75.000 davon. Mit unserer Serie möchten wir die Schicksale hinter den vielen Gesichtern aufzeigen, die uns täglich begegnen. Ob auf dem Marktplatz oder beim Metzger. Jeder Porträtierte wird anschließend gebeten, den symbolischen Grünen Faden an jemanden weiterzureichen, dessen Geschichte auch einmal erzählt werden sollte. So zieht sich der Grüne Faden durch die Stadt.

 

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