Aufsichtsrat Klinik-Chef Haun muss gehen

Joachim Haun. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Der Chef ist weg – es kommt ein neuer. Das Klinikum Bayreuth hat sich am Dienstag von Klinik-Chef Joachim Haun getrennt. Zum 1. August übernehmen wird Alexander Mohr, der kaufmännische Direktor des Klinikums.  Darauf haben sich heute die drei höchsten Lenkungsgremien des Klinikums verständigt.

Mehr als fünf Stunden lang dauerten die Sitzungen des Aufsichtsrates, der Verbandsversammlung und des Verbands-Ausschusses des Krankenhauszweckverbandes. Erst nach 14 Uhr verließen der Aufsichtsratsvorsitzende, Landrat Hermann Hübner, und seine Vize, Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe den Sitzungssaal direkt neben dem Büro des jetzigen Ex-Geschäftsführers Haun.

Hübner sagte, es werde eine europaweite Ausschreibung nach einem Geschäftsführer geben. Sollte diese länger als in den Herbst dauern, werde über eine Interims-Lösung nachgedacht. Bis dahin solle Mohr die Geschäfte führen, der bisherige Stellvertreter Hauns, so Hübner. „Eine Interims-Lösung ist nicht sehr gefragt“, sagte Hübner. Er will also lieber gleich einen richtigen Geschäftsführer. Dies solle am besten ein „Management-Unternehmen“ übernehmen.

Offenbar verschiedene Anträge

Inwieweit sich das Fehlen eines Geschäftsführers auf die anstehenden Projekte wie Um- und Ausbau der Klinik oder den Medizin-Campus auswirke, dazu sagte Hübner: „Es steht nicht still, die Projekte laufen weiter.“

Wie es zur vorzeitigen Freistellung Hauns kam, wollte Hübner nicht sagen. Nach Informationen des Kuriers hat es verschiedene Anträge gegeben. Ob sie einstimmig angenommen wurden oder ob es Gegenstimmen gab, darüber schwieg Hübner. Er dürfe über nicht-öffentliche Sitzungen nicht sprechen.

Fast auf den Tag genau vor vier Jahren ist Haun als Geschäftsführer angetreten. Damals hat er die Nachfolge des umstrittenen Roland Ranftl angetreten.

Seitdem ist Haun immer wieder in die Kritik geraten, die teilweise auch sehr heftig war und über die Medien ausgetragen wurde. Ihm vorgeworfen, vor allem aus den Reihen der Chef-Ärzte wurden die Vorwürfe in den vergangenen drei Jahren immer massiver. Führungsprobleme, ein Klima der Angst, zögerliches Vorgehen beim Projekt Uni-Campus, wo die Klinik mit der Uni Erlangen zusammen Studenten ausbildet, kaum Vorwärtskommen beim Um- und Ausbau der Klinik, obwohl in München Millionen von Euro abrufbereit liegen.

Wenig glückliches Händchen

Weiter warf man ihm ein wenig glückliches Händchen im Umgang mit Mitarbeitern vor. Mehrere Ärzte wurden unter Hauns Ägide entlassen, es flossen hohe Summen an Abfindungen. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, sich mit einer Führungsriege zu umgeben, die ihn vor Anfragen schützen sollte.

Haun selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. „Er weiß Bescheid“, sagte Hübner, was darauf hindeutet, dass er selbst noch mit ihm gesprochen hatte. Haun selbst hat nach Informationen des Kuriers an den Sitzungen der Gremien nicht teilgenommen.

Bereits vor drei Wochen hatte es einen Versuch gegeben, Haun vorzeitig loszuwerden. Aus Reihen des Aufsichtsrates hatte es an jenem Samstagmorgen ein Antrag gegeben, ihn vor seinem Vertragsende im September nächsten Jahres vorzeitig loszuwerden. Dieser Antrag wurde nicht angenommen.

In der Sitzung am Dienstag wurde dieser Antrag erneut gestellt – mit Erfolg. Die Tagung der Gremien begann am frühen Morgen. Wie üblich hinter verschlossenen Türen. Mitglieder, die früher gingen, waren zu keiner Stellungnahme bereit.

Wie es mit Haun weitergeht, steht noch nicht fest. Er hat eine sogenannte Rückfall-Klausel, die es ihm ermöglicht, in seinen früheren Job in der Personal-Verwaltung der Klinik zu arbeiten. Ob er diese Möglichkeit ziehen wird oder ob er die Klinik verlassen wird, das war nicht zu erfahren. Im Raum steht bei Verlassen der Klinik dann auch eine Abfindung.

 
 

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