Dass Cohen nach seinen Angaben im Auftrag Trumps illegale Schweigegeldzahlungen an den Pornostar Stormy Daniels und an das frühere Playmate Karen McDougal veranlasst hat, war bereits bekannt. Cohen wollte dem Kongress nun eine Kopie eines Schecks über 35 000 Dollar von Trumps persönlichem Konto übergeben, den Trump selber unterzeichnet haben soll - am 1. August 2017, als er schon Präsident war. Cohens Darstellung zufolge war das eine der Raten, mit der Trump ihm die 130.000 Dollar Schweigegeld für Daniels zurückerstattete.
Pikant: Cohen sagt nicht nur, dass Trump tatsächlich eine Affäre mit Daniels hatte, was der Präsident (übrigens auch im Fall McDougals) bestreitet. Der Ex-Anwalt sagt auch, dass er im Auftrag Trumps dessen Ehefrau Melania über die Affäre belogen habe. "Die First Lady belogen zu haben, bedauere ich am meisten." Nicht nur die Schweigegeldzahlungen im Wahlkampf sind für Trump heikel: Cohen sagt auch, Trump habe vorab von der Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten durch Wikileaks vor der Wahl 2016 gewusst.
Wenn es überhaupt einen Lichtblick für Trump in Cohens Aussage gibt, dann diesen: Cohen hat nach seinen Angaben keine Beweise dafür, dass es 2016 Geheimabsprachen zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Russlands gab. Das ist Gegenstand der Untersuchungen von FBI-Sonderermittler Robert Mueller. Cohen kooperiert mit Muellers Team. In einem Tweet im Dezember hatte Trump seinen Ex-Anwalt in Gangster-Manier als "Ratte" bezeichnet.
Als das US-Portal Politico Cohens vorbereitete Aussage am Mittwoch vorab veröffentlichte, war Trump in Hanoi mit den vietnamesischen Gipfel-Gastgebern zugange. Danach griff er zu seiner üblichen Strategie, was Cohens Vorwürfe angeht: Auf Twitter nannte Trump Cohen einen Lügner, dem es nur darum gehe, seine Haftzeit zu verringern.
Das wird allerdings nicht reichen, um die negativen Schlagzeilen zu Hause zu verdrängen. Dafür dürfte Trump nun ausgerechnet auf den nordkoreanischen Machthaber Kim setzen, mit dem er am Mittwochabend in Hanoi zusammenkam. Ein Erfolg beim Gipfel würden Trump vielleicht nicht den Friedensnobelpreis, aber doch einen politischen Erfolg bescheren. Trump stünde für den Moment nicht als ein von Affären geplagter Präsident da, sondern womöglich gar als echter Staatsmann.