40 Jahre Rosenthal-Theater Fröhliches Fest im Raum voller Magie

Silke Meier
Miloslav Matousek unterrichtet seit vielen Jahren Gitarrenschüler an der Selber Musikschule. Beim Tag der offenen Tür konnten die Besucher Mäuschen spielen. Foto:  

Die Stadt Selb feiert vier Jahrzehnte bunten Bühnenlebens mit einem musikalischen Festabend, bei dem die Gäste die Hofer Symphoniker und die Solisten frenetisch beklatschen. Beim Tag der offenen Tür gelingt so mancher erstaunliche Einblick.

Highlife im Rosenthal-Theater Selb. Aber nicht wie sonst am Abend, sondern von 10 Uhr morgens an – und das den ganzen Sonntag! Den Tag der offenen Tür zum 40. Geburtstag der Selber Spielstätte und gleichzeitig den 15. Geburtstag des Neubaus der Musikschule der Stadt läutete der Selber Spielmanns- und Fanfarenzug auf der großen Bühne mit einem Standkonzert ein.

Die Seele glätten

Wolfgang Kreil, der Vorsitzende des Fördervereins der Musikschule Selb, gratulierte beiden Einrichtungen und warb um reichlich Zuschauer für die Veranstaltungen im Haus, die selbst höchsten Ansprüchen genügten: „Kommen Sie reichlich, und seien Sie ganz vorne mit dabei!“, forderte Kreil die Anwesenden auf. Gemeinsam mit Carina Bening, der Leiterin der Musikschule, sei es den Lehrkräften wie den Mitgliedern des Fördervereins ein großes Anliegen, dass in Selb musiziert werden könne. „Musik zu machen, glättet die Seele und gehört zum Leben dazu“, betonte Kreil.

Der Vorsitzende des Spielmanns- und Fanfarenzugs, Gerhard Stöhr, überreichte Bening ein Bildgeschenk, auf dem der Spielmannszug bei einem Auftritt am Münchner Oktoberfest zu sehen ist. Auch der Spielmannszug nutzt die Räume der Musikschule, um sich auf seine vielen Auftritte vorzubereiten.

Großer Wissens-Schatz

Nach der feierlichen Eröffnung des Tags der offenen Tür konnten die zahlreichen interessierten Besucherinnen und Besucher bei Führungen das gesamte Theater kennenlernen. Sie warfen einen Blick hinter die Kulissen, in den Orchestergraben und in den Regieraum hoch über dem Zuschauerraum. Licht- und Tontechniker erläuterten ihnen die vielfältigen Aufgaben im laufenden Theaterbetrieb. Im Rosenthal-Theater arbeiten die Veranstaltungsmeister mit einem großen Schatz an Wissen und Erfahrung, handwerklichem Können und dem Einsatz digitalen Equipments.

Plakate, Kunst und Requisiten

Für Abwechslung am Tag der offenen Tür sorgte zudem eine Hüpfburg der ESM, die wetterbedingt hinter der Bühne aufgebaut war. Das Juku-Mobil Fichtelgebirge und Hofer Land war ebenso vertreten. Getränke gab es beim Catering des Theaters, und reichlich kulinarische Köstlichkeiten boten mehrere Stände auf der „Essens-Meile“ am Theater-Parkplatz. Im einmaligen Ambiente des liebevoll eingedeckten Foyers – zwischen Plakaten aus verschiedenen Jahrzehnten , einer Ausstellung mit Werken von Selber Malern sowie Figuren und Requisiten für das Selber Wiesenfest – ließ es sich gut aushalten. Die Freiwillige Feuerwehr Selb und das BRK waren vor Ort und informierten über die vielfältigen Aufgaben.

Die Musikschule stellte darüber hinaus die Breite der musikalischen Früherziehung und des Musikunterrichts vor. Die Stadtbücherei war mit dem Bilderbuch-Kino „5 freche Mäuse machen Musik“ vertreten. Am Nachmittag gaben Schülerinnen und Schüler der Musikschule ein Konzert auf der Bühne im großen Haus. Am Sonntagabend endete der bunte Reigen von Musik, Kunst, Kulinarik und Technik mit einer Lesung. Helmut Zierl las aus seinem Buch „Follow the Sun: Der Sommer meines Lebens.“

Auftakt mit

musikalischem Festakt

Bei einem so bemerkenswerten Geburtstag durfte natürlich auch ein festlicher Akt nicht fehlen. Den Glanz aus 40 Spielzeit-Jahren im Rosenthal-Theater brachten am Samstagabend die Hofer Symphoniker und der Opernchor des Theaters Hof – beide langjährige Partner des Kulturamts Selb – auf die Bühne.

Freilich hatten die zahlreichen Gäste des Abends auch Gelegenheit, eigene Erinnerungen an festliche Theaterabende aufzufrischen: Die Plakatausstellung im Foyer dokumentierte die beeindruckende Geschichte von Schauspiel, Kabarett, Musik- sowie Laien- und Schultheater-Angeboten seit 1982.

„Hohe Wertschätzung“

„Der gut besuchte Publikumssaal spricht für die hohe Wertschätzung gegenüber dem Theater“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch in seiner Begrüßung und betonte: „Unsere Identität ist und bleibt die Kultur!“ 3500 Veranstaltungen sind, wie er weiter sagte, hier buchstäblich über die Bühne gegangen. In vier Jahrzehnten zählte das Haus rund 1 Million Besucher. „Vier Jahrzehnte lang bewunderten die Besucher im Foyer die Lampen von Michael Böhm, die weit und breit einzigartig sind.“

Der Oberbürgermeister erläuterte dann die Entwicklung des Gebäudes vom Lichtspielhaus 1910 bis zum Brand 1927 und dem Grenzland-Theater, das die Stadt Selb 1966 erworben hatte. „Viele Rosenthal-Feierabende haben Künstler von Weltruhm in die blühende Porzellanstadt gebracht. 1977 konnte mit Zuschüssen aus Bundes- und Landesmitteln mit dem Umbau begonnen werden.“ Die Objektüberwachung habe in den Händen des Selber Architekten Siegfried Gläßel gelegen.

Stolz auf Vielfalt

Eröffnet wurde das Rosenthal-Theater Selb am 15. Oktober 1982 mit „Fidelio“, der einzigen Oper von Ludwig von Beethoven, in einer Inszenierung des Städtebundtheaters Hof. „Das Theater Hof und die Hofer Symphoniker sind Partner, auf die man stolz sein kann“, betonte Pötzsch.

Stolz sei man in Selb aber auch auf die Vielfalt der Darbietungen. Das Theater werde regelmäßig von Vereinen, Laienschauspielern, Chören und Musikgruppen sowie von Schulen genutzt. Firmen und Institutionen nutzten das stilvolle Ambiente zudem für den Mint-Tag, die Hochzeitsmesse und die Wochen des weißen Goldes. Während der Pandemie sei das Rosenthal-Theater in den Spielzeiten ein Ort der Erholung und der Abwechslung gewesen, sagte Pötzsch. „Mut und Optimismus konnten die Theaterbesucher fassen“, stellte er weiter fest und befand: „Die Magie entsteht im Raum, in dem wir sitzen.“

Beifallsstürme für Opernreigen

Eröffnet hatten die Hofer Symphoniker das Festkonzert mit der Ouvertüre aus „Le nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Verlauf des Abends standen dann Ausschnitte aus den Mozart-Opern „Don Giovanni“ und „Idomeneo“ auf dem Programm sowie aus Verdis „La Traviata“ und der Song „Glitter and be Gay“ aus Leonard Bernsteins Musical „Candide“ auf dem Programm.

Der musikalische Leiter Ivo Hentschel dirigierte das Orchester grandios. Nach der Pause rissen Stücke aus der Rossini-Oper „Il barbiere di Siviglia“, das Bravour-Stück „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Lehàrs Operette „Das Land des Lächelns“, die „Carmen-Suite“ nach der Oper von Georges Bizet und schließlich das Trinklied „Libiamo“ aus „La Traviata“ das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Mit besonderem Applaus honorierten die Zuhörer auch die hervorragenden Leistungen der Solisten Yvonne Prentki, Michal Rudzinski und Minseok Kim. Überwältigend geradezu geriet dann der Schlussapplaus: Mehrere Minuten lang spendete das Publikum tosenden Beifall für diesen überaus gelungenen Konzertabend; und nicht zuletzt wohl auch für vierzig Jahre mit unvergessenen Abenden in einem der schönsten Theater der Region.

 

Bilder