Zum 30. Juni Nächste Geburtsstation in der Region schließt

Von Anfang Juli an werden am Klinik-Standort Naila keine Kinder mehr zur Welt kommen. Foto: dpa/Frank May

Nach Monaten des Bangens teilt der Landkreis Hof mit, dass für die beiden scheidenden Ärzte in Naila kein Ersatz gefunden wurde.

Naila/Kulmbach - Die Geburtenabteilung der Kliniken Hochfranken am Standort Naila wird vom 1. Juli an bis auf Weiteres nicht weiterbetrieben. Das hat der Landkreis Hof jetzt mitgeteilt.

Grund ist das Ausscheiden der Fach- und Belegmediziner Riedl und Ünver. „Der Mangel fachlich geeigneter Nachfolger und die zukünftigen Auflagen an eine geburtshilfliche Abteilung erfordern diese Entscheidung“, heißt es in der Mitteilung.

Die gynäkologisch-medizinische Versorgung in der Klinik Naila werde indes weiterhin angeboten. Das heißt, ambulante und stationäre gynäkologische Eingriffe werden weiterhin durchgeführt.

„Die Klinik Naila ist alle Wege gegangen, Belegärzte zu finden, um eine Geburtshilfe nachhaltig auf sichere Beine zu stellen. Leider hatten unsere Bemühungen bislang keinen Erfolg. Dies führt dazu, dass wir schweren Herzens ab 1. Juli keine Geburtshilfe am Standort Naila mehr anbieten können“, sagt Klinikvorstand Peter Wack.

Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Oliver Bär ergänzt: „In den vergangenen Jahren haben durchschnittlich 130 Kinder jährlich in unserer Klinik das Licht der Welt erblickt und den Standort Naila als beliebten und familiär geprägten Geburtsort etabliert.“ Man sei sich der Tragweite dieser Entscheidung bewusst und bedauere sehr, diesen Schritt nun gehen zu müssen.

Die Kliniken, und insbesondere die Geburtenstation in Naila, seien ein wichtiges Element der Region. In diesem Sinne sei eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Ärzten und Verwaltungsratsmitgliedern, gegründet worden, die sich um die zukünftige Aufstellung der Gynäkologie kümmert. Sofern qualifiziertes Fachpersonal gefunden werden kann, könnte die Geburtshilfe am Standort Naila später wieder angeboten werden.

Die Schließung der Geburtenabteilung hatte sich seit Monaten angedeutet. Noch im März forderte die SPD-Fraktion im Hofer Kreistag, diesen Schritt unbedingt abzuwenden.

Nach der Schließung der Geburtsstation Münchberg im Jahr 2013 hatte sich die Hoffnung, dass die werdenden Mütter sich nach Naila begeben können, nur zu kleinen Teilen erfüllt. Für viele Münchbergerinnen ist die Fahrt über die Autobahn nach Kulmbach oder Bayreuth einfacher als die über die Landstraße nach Naila.

„Für die Frauen zählt, dass sie sich in der Klinik ihrer Wahl gut aufgehoben fühlen und dass die kinderärztliche Versorgung gesichert ist, auch später zu den Vorsorgeuntersuchungen“, berichtete damals Dr. Hans-Dieter Göldner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Münchberg. Die meisten seiner Patientinnen folgten ihm nach Kulmbach, wo er als Honorararzt am Klinikum arbeitet.

Dort hatte die Geburtenstation im März kurzzeitig schließen müssen, nachdem mehrere Hebammen gleichzeitig krank geworden waren. Insgesamt arbeiten am Klinikum neun festangestellte Hebammen. Fünf von ihnen waren – unabhängig von Corona – erkrankt.

Der Engpass, sagt Geschäftsführerin Brigitte Angermann sei inzwischen behoben, zusätzliche Hebammen seien eingestellt. Das Klinikum Kulmbach, wo 2020 rund 800 Geburten stattfanden, könne allen Frauen aus der Region Naila das Angebot für eine Entbindung machen.

Dass Geburtsabteilungen ins Stocken geraten, ist in der oberfränkischen Region keineswegs einmalig. Zuletzt musste Anfang dieses Jahres das Klinikum Bayreuth nach einem Corona-Ausbruch seine Geburtsklinik für eine Woche schließen. Zahlreiche Bayreutherinnen hatten in dieser Zeit ihre Kinder in Kulmbach zur Welt gebracht. Auch in Kronach hatte es schon Engpässe gegeben.

 

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