Der firmenbezogene Verbandstarifvertrag, der bis zum 31. Dezember 2025 gelten soll, sieht eine Standortgarantie für die produzierenden Betriebsteile in Schönwald (Landkreis Wunsiedel) und Weiden sowie das Dekorations- und Logistikzentrum (DLZ) in Selb vor. Darüber hinaus seien während der Laufzeit betriebsbedingte Kündigungen an den drei Standorten sowie am Standort Ludwigsmühle nur mit vorheriger Zustimmung des Betriebsrates möglich, hieß es.

Als Gegenleistung nähmen Beschäftigte aller Tarifgruppen Einschnitte bei Lohn und Gehalt in Kauf. Dazu gehöre der Verzicht auf das 13. Monatsgehalt sowie auf das Urlaubsgeld. Die nach dem aktuell geltenden Tarifvertrag vereinbarte Tariferhöhung für 2020 wird den Angaben zufolge auf Juni 2021 verschoben, die weiteren Tariferhöhungen werden um 12 Monate nach hinten verlegt. Darüber hinaus verlängert sich die Wochenarbeitszeit von 38 auf 39 Stunden ohne Lohnausgleich. Sollte sich die wirtschaftliche Situation der BHS ab dem Jahr 2023 positiv darstellen, werde das tarifliche Urlaubsgeld wieder anteilig ausgezahlt. Bemessungsgröße soll die Entwicklung der Profitabilität sein. Eine ähnliche Regelung wurde laut BHS für das 13. Monatsgehalt getroffen: Auch hier orientiert sich die Höhe des Pauschalbetrages an der Ertragslage der Firma.

Parallel verständigten sich Arbeitnehmervertretung und Unternehmensleitung im Zuge des im Juli angekündigten Arbeitsplatzabbaus auf einen Interessensausgleich und einen Sozialplan. Dank des Zukunftspakts werden weniger Stellen als ursprünglich geplant gestrichen, wie das Unternehmen mitteilte. Betroffen seien nun 190 statt wie angekündigt 250 Mitarbeiter. Die Corona-Pandemie hatte – wie berichtet – die auf professionelle Außerhaus-Gastronomie spezialisierte Firma schwer erschüttert. BHS beliefert etwa Flug- und Kreuzfahrtgesellschaften. Um die Krise zu überwinden, nimmt das Unternehmen auch Hilfe von der staatlichen Förderbank LfA in Anspruch. Die Münchner Serafin-Gruppe als künftige Alleineigentümerin leistet ebenfalls einen Eigenbeitrag.

Dem Sozialplan zufolge sollen betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermieden werden. Deshalb werde zum 1. Dezember 2020 für die betroffenen Mitarbeiter eine Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft eingerichtet. Die Transfergesellschaft von Rundstedt gelte in Deutschland als eine der versiertesten bei der professionellen Beratung zur beruflichen Neuorientierung und bei der Qualifizierung von Beschäftigten, hieß es weiter. Für diesen Zweck sei sie von der BHS mit ausreichend Kapital ausgestattet worden.

Tabletop-Vorstandschef Gerhard Schwalber sagte: „Ich bin zunächst sehr froh, dass wir jetzt Klarheit haben. Wir haben intensiv und konstruktiv um diesen Zukunftspakt gerungen. Und wir wissen, dass wir den Mitarbeitern erhebliche Zugeständnisse abverlangen.“ Er sprach weiter von einer Zäsur für die Beschäftigten, allerdings seien die Maßnahmen Voraussetzung für eine „positive Zukunftsperspektive unserer nordbayerischen Produktionsstandorte“. Er sei überzeugt, dass die BHS zu alter Stärke zurückfinden wird. Hauptgesellschafter Serafin stehe voll hinter dem Unternehmen, was sich durch den Umfang der finanziellen Unterstützung belegen lasse. Banken und die bayerische Staatsregierung beziehungsweise die Förderbank LfA seien ebenfalls zuversichtlich.

Betriebsratsvorsitzender Michael Ott erklärte: „Wir konnten in schwierigen Verhandlungen einen geringeren Stellenabbau durchsetzen. Für die betroffenen Mitarbeiter ist diese Situation natürlich schwierig, auch wenn es durch die Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft sehr gute Chancen für einen Anschlussjob gibt.“ Der Zukunftspakt bringe Einschnitte mit sich. „Aber er bedeutet auch, dass es für die BHS ein Morgen und eine positive Zukunftsprognose gibt.“

Allerdings geht die BHS-Führung davon aus, dass sich das Tourismus-, Kreuzfahrt- und Flugliniengeschäft nicht vor 2022 bis 2024 normalisieren wird. Daher seien neben dem Zukunftspakt die von der Förderbank Bayern unterstützte Bankenfinanzierung sowie die Unterstützung des Hauptgesellschafters in zweistelliger Millionenhöhe inklusive Dividendenverzicht nötig. BHS-Chef Schwalber kündigte Investitionen in Digitalisierung, Kundenbindung, Energieeffizienz und Prozessoptimierung an: „Wir werden jetzt kraftvoll und zielstrebig an den zukunftssichernden Projekten der BHS arbeiten.“

Die Hauptversammlung der BHS Tabletop hatte – wie berichtet – im September mit 99,63 Prozent der Stimmen einen sogenannten verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out beschlossen. Demnach werden die Aktien der Streubesitzaktionäre gegen eine Barabfindung in Höhe von 9,83 Euro je Anteilsschein auf den Mehrheitsgesellschafter übertragen. Die Serafin-Gruppe wird demzufolge Alleineigentümerin des Porzellanherstellers, der dann auch nicht mehr an der Börse notiert sein wird.