General im Superman-Dress
Sapir Heller geht es nicht mehr um die Verführbarkeit des Fliegers, sondern um die des Publikums. Ihr „General“ ist angelegt wie eine Revue, mit einem Harras im schlecht sitzenden Superman-Kostüm, später mit einem roten Kunststoffmantel drüber. Marco Stickel legt ihn überzeugend als kantigen Held an, der sich selbst keineswegs sicher ist, ein romantischer Macho, der immer wieder mal überlegt, ob er im richtigen Film ist. NS-Funktionär, Fliegerkameraden, Pützchen, Anne, Diddo: Alle Rollen sind von Männern besetzt (es ragen heraus Oliver Hildebrandt als Korianke und Schmidt-Lausitz sowie Florian Bänsch als Pützchen). Ja, stimmt schon, diese Nazis hatten immer etwas von schwülem Männerbund, etwas verdruckst Homoerotisches. Man kann diese Travestie auch als ironischen Kommentar auf eine Nachkriegsgesellschaft sehen, die das Vergangene aufs Niveau eines Herrenwitzes reduziert.