Zirkus Renz ist nicht gleich Renz

Der Zirkus Renz, der derzeit in Kulmbach gastiert, hat nichts mit dem Problem-Zirkus Renz, der in Pegnitz gestrandet ist, zu tun. Der Pegnitzer Zirkus bittet offen um Hilfe, die Kulmbacher Zirkusfamilie macht sich bereit für ein neues Gastspiel in Rödental. Foto: Sonny Adam Foto: red

In Pegnitz sitzt der Zirkus Renz fest und hofft auf eine Hilfsaktion, um weiterreisen zu können. Auch in Kulmbach gastiert ein Zirkus mit dem Namen Renz. Doch dieser Zirkus will mit dem anderen Zirkus nichts zu tun haben. Und der in Kulmbach gastierende Zirkus Renz habe auch keine Schwierigkeiten, betonen die Arbeiter.

Heftiges Schneetreiben, dennoch schuften die Arbeiter des Zirkus Renz in Kulmbach. Das Zelt, das direkt neben der Polizeiinspektion sein Winterdomizil aufgeschlagen hat, ist schon leer geräumt. Soeben verladen einige fleißige Männer noch die letzten Stühle, auf denen noch vor wenigen Stunden einige hartgesottene Zirkusbesucher gesessen sind. „Wir packen noch diese Woche und sobald das Wetter es zulässt, sind wir wieder weg“, sagt ein Mitglied der Zirkusfamilie und betont gegenüber dem Kurier, dass die Abreise schon fest eingeplant sei.

Denn als nächstes stehen Vorstellungen in Rödental auf dem Programm. Winterpause gibt es nicht mehr. Auch in der kalten Jahreszeit gibt es immer wieder Vorstellungen, betonen die Mitglieder der Kulmbacher Zirkusfamilie. „Wir hatten heute noch eine geschlossene Vorstellung. Jetzt ziehen wir weiter – wie geplant“, erklärt ein anderes Mitglied der Zirkusfamilie, das zufällig gerade aus dem Wohnwagen kommt. Der Chef sei unterwegs. Aus diesem Grund wollte keiner offiziell Stellung beziehen oder sich fotografieren lassen.

Alle Tiere werden regelmäßig vom Veterinär kontrolliert

Alle Mitglieder des Zirkus Renz, der derzeit in Kulmbach gastiert, beteuern, dass sie mit dem in Pegnitz gestrandeten Zirkus Renz nichts zu tun hätten. „Renz ist ein weitverbreiteter Name in der Zirkusbranche – wie Müller“, sagen die Kulmbacher und betonen, dass sie selbst ein „florierendes Unternehmen“ seien und nichts, aber auch gar nichts mit der anderen Familie zu tun hätten. Tatsächlich sind in der Zirkusdatenbank fast ein Dutzend verschiedene Zirkusunternehmen namens Renz verzeichnet.

Die Kulmbacher Zirkusfamilie Renz hat rund 30 Tiere, allerdings keine Wildtiere. Alle Tiere werden regelmäßig vom Veterinär kontrolliert, sind gut ernährt und gesund. Das bestätigt das Kulmbacher Veterinäramt. Die Haltungsbedingungen für Lamas, Pferde, Ponys sind in Ordnung. Aus Veterinärsicht lässt sich nichts Negatives über die Kulmbacher Renz-Familie sagen. „Wir haben mit unseren Kronacher Kollegen gesprochen, der Zirkus ist erst bei der vorherigen Station kontrolliert worden“, bestätigt Veterinär Andreas Koller.

„Wir haben in Kulmbach zwei Mal ganz schlechte Erfahrungen mit Zirkusunternehmen machen müssen“

Ganz anders dagegen stellt sich die Situation bei der Pegnitzer Zirkusfamilie dar. Diese Familie Renz hatte mehrere Schicksalsschläge zu verkraften, jetzt ist auch noch ein Transporter kaputt gegangen. Erst im letzten Jahr strandete ein Zirkus Renz – damals in Eckersdorf. Auch damals wiesen die Zirkusleute auf ihr hartes Schicksal hin, auf ein kaputtes Auto, auf fehlende Begeisterung bei potenziellen Zuschauern und ausgefallene Vorstellungen. Schon damals wurden Spendenaktionen ins Leben gerufen.

„Wir haben in Kulmbach zwei Mal ganz schlechte Erfahrungen mit Zirkusunternehmen machen müssen“, sagt Uwe Angermann von der Stadtverwaltung. Einmal hat sich ein Zirkusunternehmen auf dem Ruckdeschel-Ireks-Gelände (dem heutigen Terra Rosa) eingenistet und wollte das Gelände nicht mehr vereinbarungsgemäß verlassen. Ein anderes Zirkusunternehmen war auf dem Schwedensteg-Parkplatz gestrandet. „Wenn es auf Winter zugeht, dann ist da immer dasselbe Spiel. Dann kommt ein Zirkus, plötzlich geht etwas kaputt und man kommt nicht mehr weg. Dann reicht das Geld nicht, das Futter für die Tiere fehlt“, sagt Angermann.

Aus diesem Grund lässt die Stadt Kulmbach nur noch einen Zirkus pro Jahr auf städtisches Gelände – und zwar nur im Zeitraum zwischen Mai und September. „Wir schauen immer, dass es noch weitere Stationen gibt. Und wir achten auch darauf, dass wirklich nur ein Zirkus ein Gastspiel gibt.“

Weitere Infos über Renz:

Januar 2016: Mini-Zirkus, Riesen-Not

Januar 2016: Hilfe für den Zirkus Renz

Februar 2016: Zirkus Renz kann auf Rettung hoffen

Januar 2017: Ein Zirkus, ein Jahr, zwei Notlagen

Januar 2017: Zirkus Renz sitzt in Pegnitz fest

 

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