Ist ja auch eine phantastische Sache: Dass man nicht nur in der Phantasie, sondern gleich richtig, mit Haut und Haaren, in die lustige Welt der Zeichentrickwesen eintreten kann, wo Kanonenkugeln nicht töten, sondern allenfalls mal kurz benommen machen.

Der junge Walt Disney muss sich einiges aus der Kindheit bewahrt haben, als er sich anschickte, den Grundstein seiner Weltkarriere zu legen: die Fähigkeit zu staunen etwa, oder die Gabe, zumindest in der Vorstellung die Gesetze der Physik einfach mal auf witzigste Art außer Kraft zu setzen.

So ging er in den frühen Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts an seine „Alice Comedies“, die von einem kleinen Mädchen erzählen, das sich erst von der Arbeit der Trickfilmzeichner bezaubern lässt, bevor sie in die magische Welt des Cartoon-Theaters eintritt, mit drolligen Hunden am Piano, einem hilfsbedürftigen Kater und natürlich einigen nicht allzu schlimmen Schurken.

Atmosphärisch dichter Soundtrack

Zu sehen waren sieben dieser Cartoons kürzlich zum Abschluss der „Musica Bayreuth“ in der Stadthalle, begleitet – so wie es sich gehört – vom Czech Virtuosy, dem Kammerorchester der Brünner Philharmoniker unter der Leitung von Caspar Richter, nach der Musik des großen Theatermusikers Paul Dessau und des zeitgenössischen amerikanischen Filmkomponisten Alexander Rannie.

Eine cineastische Zeitreise in die Kinokultur der Zwanziger Jahre, ein Eintauchen in die Zeit des Stummfilms, getragen von einem durchaus bemerkenswerten Soundtrack: atmosphärisch, mit zahlreichen Zitaten angereichert die Musik von Dessau, modern und eher auf die konkrete Situation im Film berechnet die Musik von Rannie.

Ein Heidenspaß, schon weil man da mal hören konnte, was für lustige Geräusche Musiker mit Schlagwerk, Flöte oder Kontrabaß erzeugen können. Dass der akustische Taktgeber, den sich Dirigent Caspar Richter über Kopfhörer einspielen ließ, offenbar nicht hundertprozentig funktionierte – vor allem in der zweiten Hälfte des ziemlich kurzweiligen Abends landeten die Musiker ihre Klangeffekte meistens einen Schlag zu früh – tat der Freude an diesem Akt der Altertumsforschung keinen Abbruch.

So viel Spaß, leider nicht gut besucht

Ein Vergnügen war es wegen der durchaus nicht anspruchslosen Musik. Und sehr lustig natürlich auch wegen der Filme: Was Slapstick in späteren Jahrzehnten zu bieten vermag – in den Alice-Episoden bekommt man einen Gutteil des Arsenals bereits vorgeführt. Eine Mischung aus leichter Unterhaltung und anspruchsvoller Kunst, auf die das Bayreuther nicht wirklich abfuhren: Nach der ziemlich gut besuchten Vormittagsvorstellung für Schüler waren die Reihen am Abend ziemlich gelichtet. Schade – so viel Spaß vermittelt beileibe nicht jedes Konzert.