Wonsees will das umstrittene Gewächshaus

Die Tomate ist das Lieblingsgemüse der Deutschen. Bald könnten sie von Nürnberger Gemüsebauer in Feulersdorf (Gemeinde Wonsees) in Gewächshäusern auf 
einer über zwölf Hektar großen Fläche gezüchtet werden. Nur einen Kilometer von Fesselsdorf entfernt, wo Bürger das Vorhaben verhindert haben. Foto: red Foto: red

Erst vor wenigen Tagen hat eine Bürgerinitiative im Weismainer Ortsteil Fesselsdorf die Ansiedlung der mittelfränkischen Gemüsebauern Scherzer und Boß verhindert. Jetzt könnten die Gewächshäuser doch noch gebaut werden. Gerade einmal einen Kilometer von Fesselsdorf entfernt, im Wonseeser Ortsteil Feulersdorf. Dort haben die Bürger zu verstehen gegeben, dass die Gewächshäuser willkommen sind.

Bei der Versammlung durfte nur teilnehmen, wer im Ortsteil Feulersdorf wohnt. Zu groß ist im Wonseeser Rathaus die Angst, dass sich die Geschichte wiederholt. Dass eine Gruppe wieder mobil macht gegen das Projekt. Dass falsche Informationen verbreitet werden und die Richtigstellung gar nicht mehr zu den Bürgern durchdringt. Wie es vor vier Wochen in Weismain passiert ist. Und vergangenes Jahr in Hollfeld, als es gelang, Windkraftanlagen zu verhindern, die längst beschlossen waren. Jedes Mal handelte es sich um die gleiche Gruppe. Ihr Kopf ist Edwin Bergmann aus Fesselsdorf. Und jedes Mal hieß es, die Gruppe verbreite Unwahrheiten. In vielen Fällen konnte das sogar belegt werden. Nur wollten es die Bürger da schon nicht mehr hören.

Aus den Fehlern lernen

Der Wonseeser Bürgermeister Andreas Pöhner will aus den Fehlern der Nachbargemeinden lernen. Er sagt: „Ich will, dass die Bürger mit Fakten, statt mit Gerüchten hantieren.“ Seine Taktik: Größtmögliche Transparenz, eine regelrechte Flut an Informationen und eine Richtigstellung möglicher Vorwürfe, noch bevor sie überhaupt geäußert werden. Dazu kommt: Die Informationen werden aus erster Hand geliefert. Während die Fesselsdorfer Gruppe am Mittwoch ausdrücklich nicht eingeladen wurde, standen die potenziellen Bauherren Rede und Antwort. In Weismain war das anders. Die Gruppe um Bergmann konnte man da freilich nicht aussperren. Dabei kam es auf deren Auftritt gar nicht mehr an. Die Bürger forderten da schon von selbst eine Bürgerversammlung in Abwesenheit des Bauherrn.

Der Bürgermeister lässt selbst Flyer drucken

In Feulersdorf dagegen verließen die Bürger nach zwei Stunden den Saal und hielten die Pläne der Gemüsebauern schwarz auf weiß in der Hand. Darauf stand zum Beispiel, dass im Ort 50 neue Arbeitsplätze in Voll- und Teilzeit entstehen sollen. Dass Betriebsleiter, Gartenbauer, Techniker, Bürofachkräfte und Lageristen gesucht würden – und zur Erntezeit weitere 70 Helfer. Dass das aber durchaus auch ein Job für Einheimische sei, die sich auf 450-Euro-Basis etwas dazu verdienen wollten. In Fesselsdorf hingegen fürchtete die Bürger, dass eine Flut von osteuropäischen Hilfsarbeitern über das 80-Seelen-Dorf hereinbrechen werde.

Ein einziger Liter Wasser

Während man in Fesselsdorf erzählt, dass der Betrieb soviel Wasser brauche, dass der Grundwasserspielgel abfalle und die Bäume absterben, glauben die Feulersdorfer: In Dinkelsbühl, wo die Firma vor zwei Jahren ein ähnliches Projekt realisierte, wurde über Dachflächen und Regenrückhaltebecken soviel Wasser gesammelt, dass in diesem Jahr noch kein einziger Liter Brunnenwasser nötig war.

Zu guter Letzt wissen die Bürger von Feulersdorf, dass die Stadt Dinkelsbühl durch die Gewächshäuser einen sechsstelligen Betrag in Form von Gewerbesteuer erwartet, während viele Fesselsdorfer glauben, dass in den ersten 15 Jahren bestimmt kein Euro fließt.

Ein Mitstreiter distanziert sich

Hans-Peter Zahner, der noch gemeinsam mit Bergmann die Windräder bei Hollfeld verhindert hatte, distanziert sich mittlerweile von ihm. Was in Fesselsdorf verbreitet worden sei, sei „reiner Populismus“. Die Wonseeser hätten sich dagegen gründlich informiert und genau abgewogen. „Es handelt sich um einen landwirtschaftlichen Betrieb, der zu unserer Region passt“, sagt der Gemeinderat. „Wir sehen darin eine Chance für unsere Gemeinde.“ Nur zur Optik der Gewächshäuser habe es kritische Stimmen gegeben. Aber der, der am nächsten dran wohnt, habe gesagt, dass er mit dem Anblick leben könne.

Tobias Weggel, der bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten arbeitet, beschreibt die Reaktion der Feulersdorfer Bürger als „sehr positiv und aufgeschlossen“. Feulersdorf hat etwa 65 Einwohner. Und von 28 anwesenden Haushalten seien nur zwei gegen das Projekt gewesen.

Keine Lust auf Widerstand

Auf 12,5 Hektar Fläche wollen die Nürnberger Gemüsebauern Tomaten und Gurken anbauen. Nicht in einem „Monstergewächshaus“, wie die Fesselsdorfer Gruppe auf Flugblätter drucken ließ, sondern in mehreren Häusern im „holländischen Standard“. Auch Weggel will mit Fakten „der Gerüchteküche und Legendenbildung“ vorbeugen. Die Gemüsebauern hätten nämlich keine Lust auf Widerstand. Hätten die Feulersdorfer signalisiert, dass sie gegen das Projekt sind, wären die Gemüsebauern abgesprungen. Von selbst, so wie im benachbarten Fesselsdorf.

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