Letzter Katalog versendet Baur nun fast nur noch digital

Roland Töpfer
Baur-Kataloge gehören nun der Vergangenheit an. Foto: Baur

Der Versandhändler Baur treibt seinen Wandel voran. Während die Konkurrenz zumindest teilweise auch noch auf Print setzt, geht das oberfränkische Unternehmen kompromisslos den digitalen Weg. Aber was bedeutet das konkret?

Einst wurde er sehnsüchtig erwartet, am Küchentisch gemeinsam durchgeblättert. Jetzt ist seine Zeit abgelaufen. Den letzten Katalog hat der Versandhändler Baur in dieser Woche verschickt. Mitbewerber setzen noch auf Print: Tchibo lässt noch regelmäßig kleine Kataloge im DIN A4-Format mit rund 150 Seiten für Kunden und potenzielle Neukunden drucken.

Bei Baur ist nun Schluss damit, bestätigt Sprecher Stefan Gagel auf Nachfrage unserer Zeitung. Der zwei Mal jährlich erschienene Hauptkatalog mit rund 500 bis 1400 Seiten sei bereits 2012 ausgelaufen. Seither gab es noch Spezialkataloge von Baur, insgesamt 45 Millionen Stück mit fast zehn Milliarden Seiten.

Fast hundert Prozent seines Umsatzes erwirtschafte der Versandhändler online, sagt Gagel. Da mache es wenig Sinn, weiter auf Kataloge zu setzen. „Man muss sich dem stellen.“ Mit der Einstellung der Kataloge spart das Unternehmen viele Millionen Euro, die für digitale Mailings und anderer Online-Aktivitäten eingesetzt werden können. Ein bisschen Print soll es aber bei dem oberfränkischen Online-Händler auch in Zukunft geben. Print-Mailings, kurze Anschreiben, bedarfsgerechte Postkarten, zum Beispiel kurz vor dem Muttertag – das sei schon geplant.

Bei Witt in Weiden, ebenfalls zur Otto Group gehörend, werde es im Gegensatz zu Baur auch weiterhin Kataloge geben. Dies hänge mit einer etwas anderen Zielgruppe zusammen, für die der Katalog ein noch wichtiges Instrument sei. Die Kundschaft sei im Schnitt wohl älter als die von Baur.

In seinen letzten beiden Spezialkatalogen präsentierte Baur neue Mode- und Schuhtrends. Zum Abschied vom Papier erklärte Baur-Chef Stephan P. Elsner: „Es ist das nächste Kapitel in der Transformation unseres Geschäftsmodells, das wir nun aufschlagen. Nach fast 100 Jahren erhalten rund 120 000 Kund*innen die letzten Baur-Kataloge.“ Baur sei nun ein „Online Pure Player“.

Zu wenige Kunden würden inzwischen den Katalog als Brücke ins Netz nutzen, um dort ihren Einkauf abzuschließen. „Unsere Kund*innen kaufen bedarfsgerecht. Das heißt beispielsweise, dass wir zu Beginn von Hitzewellen deutlich mehr Ventilatoren verkaufen, am ersten Wintertag steigt dagegen der Absatz von Pullis und Mäntel“, sagt Harald Kinder, Bereichsleiter Shop & Content.

Die Kataloge waren über viele Jahrzehnte hinweg fester Bestandteil in Millionen deutschen Haushalten. Elsner: „Spätestens seit 2010 war aber ein Ende absehbar.“ Es wäre fahrlässig gewesen, nicht auf diesen Wandel reagiert zu haben. „Unsere Zukunft ist ausschließlich digital“, unterstreicht Elsner.

Der oberfränkische Online-Händler hat im letzten Geschäftsjahr 2021/22 (28.2.) die Umsatzmilliarde geknackt. Die Erlöse stiegen um acht Prozent auf 1,001 Milliarden Euro. Mit dem Umsatzwachstum einher ging das Aufstocken der Belegschaft um 408 auf 5047 Mitarbeiter, davon über 4600 an oberfränkischen Standorten. In Altenkunstadt investieren Baur und Hermes Fulfilment (Otto Group) 160 Millionen Euro in den Erweiterungsbau eines voll automatisierten Shuttlelagers.

 

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