Weniger Regulatorik Wo die kleinen VR-Banken der Schuh drückt

Andreas Held, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Gefrees und Bundessprecher der Interessengemeinschaft kleiner und mittlerer Genossenschaftsbanken. Foto: red

GEFREES. Andreas Held, Vorstandschef der Raiffeisenbank Gefrees, ist seit kurzem Bundessprecher der Interessengemeinschaft kleiner und mittlerer Genossenschaftsbanken mit rund 400 Mitgliedsbanken. Wo diese der Schuh drückt, sagt er im Interview mit dem Kurier.

Herr Held, führen Sie da einen Rebellenverein innerhalb der genossenschaftlichen Organisation?

Andreas Held (lacht): Das mögen vielleicht manche so sehen, aber ich nicht. Wir empfinden uns als Lobby in der Lobby. Wenn Sie auf die genossenschaftliche Bankenwelt schauen, dann gibt es da Vielfalt von der viele Milliarden Euro großen Apo-Bank bis hin zur kleinsten Bank mit 20 Millionen Euro Bilanzsumme. Knapp zwei Drittel der 873 VR-Banken sind kleiner als 750 Millionen Euro – das ist für uns so in etwa die Zahl, bis zu der wir eine mittelgroße Bank definieren. Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) muss natürlich für alle da sein, aber er tut sich deshalb schwer, alle Interessen gleich stark zu vertreten. Darauf hinzuwirken, ist eines der Ziele der Interessengemeinschaft. Wir bündeln die Anliegen der kleineren Häuser, die sonst unzufrieden wären. Deshalb sehe ich uns als ein wichtiges Werkzeug für den Zusammenhalt in der Gruppe.

Wenn man sich die Ziele der Interessengemeinschaft anschaut, kann man den Eindruck bekommen, dass Sie Angst haben, als kleine VR-Banken unter die Räder zu kommen?

Held: Ein Beispiel: Vergleichen Sie die Raiffeisenbank Gefrees mit 130 Millionen Euro Bilanzsumme und 20 Mitarbeitern mit einer VR-Bank mit vielleicht vier Milliarden Euro und mehreren Hundert Mitarbeitern. Jetzt hat der BVR zusammen mit anderen beim Thema Erleichterungen bei der Regulatorik für Banken unter fünf Milliarden Euro Bilanzsumme ein erstes gutes Verhandlungsergebnis erzielt. Das ist absolut positiv. Aber unsere Forderung muss natürlich sein, dass es eine weitere Unterscheidung und weitere Erleichterungen für kleinere Häuser gibt. Rund die Hälfte der Vorschriften ist aus unserer Sicht für kleine Banken überflüssig. 

Wo genau liegen die Sorgen und Nöte der kleinen VR-Banken?

Held: Das Thema Meldewesen und Regulatorik ist für uns ein Fass ohne Boden. Da legen die Aufsichtsbehörden immer noch eins drauf – übrigens ohne dass wir genau wissen, was die Stellen mit all diesen Meldungen dann tatsächlich tun. Bei uns ist zum Beispiel eine Mitarbeiterin rund die Hälfte ihrer regulären Arbeitszeit nur mit Meldewesen beschäftigt. Hinzu kommen mehrere Beauftragte für besondere Bereiche wie Sicherheit, Geldwäsche oder Datenschutz, die das auch neben ihrer normalen Tätigkeit machen müssen. Positiv ausgedrückt: In einer kleinen VR-Bank gibt es sehr abwechslungsreiche Tätigkeiten. Aber tatsächlich ist es natürlich eine große Herausforderung, die mich als Vorstand der Raiffeisenbank Gefrees wie als Bundessprecher der Interessengemeinschaft mit Sorge umtreibt. Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Wo müsste die Reise hingehen?

Held: In der Schweiz werden gerade die Weichen gestellt, dass kleine, nicht systemrelevante Banken von der Aufsicht ganz anders betrachtet werden und viel weniger regulatorische Anforderungen erfüllen müssen. Wir scheren dagegen alle über einen Kamm. Innerhalb der genossenschaftlichen Organisation ist uns wichtig, dass die Stimme aller VR-Banken gehört wird. Es mag gute Gründe für große Genossenschaftsbanken geben. Aber kleine Häuser haben zum Beispiel ganz andere Anforderungen an den Verband oder Verbundunternehmen, was Unterstützungsleistungen betrifft. Ich muss aber auch eine Lanze für den Verband brechen, denn er arbeitet daran. Trotzdem ist es sinnvoll, dass wir immer wieder daran erinnern.

Es gilt ja das Prinzip: „Eine Genossenschaft, eine Stimme“?

Held: Ja, darauf legen wir als Interessengemeinschaft auch besonderen Wert. Aber es ist oft so, dass große Banken direkt in gewissen Gremien vertreten sind und dort einen direkteren Zugang zu den Entscheidungsträgern haben. Das haben wir als kleine Banken nicht, deshalb müssen wir uns anders organisieren.

Muss nicht auch das Geschäftsmodell überdacht werden – Stichwort Niedrigzinsen? 

Held: Man muss sein Geschäftsmodell immer in Frage stellen, das gilt nicht nur für die Banken. Denken Sie aktuell nur an die Autoindustrie und ihre Zulieferer. Für uns gibt es ganz neue Wettbewerber und ganz neue Formen des Bankings, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Da haben der Verband und unsere Verbundunternehmen aber mittlerweile ganz gute Lösungen im Köcher – Thema Digitalisierungsoffensive. Man muss als Bank selber aber auch an ganz neue Lösungen denken. Konkretes Beispiel: Wir realisieren zusammen mit der Diakonie ein Altenpflegeheim. Das ist ein Modell, wie wir neben dem klassischen Bankgeschäft Geld verdienen können – denn Geld verdienen müssen wir.

Wird es denn in 20 Jahren noch die klassische Regionalbank mit Filialen auch auf dem Land geben?

Held: Das glaube ich schon. Wichtig ist, dass uns der Kunde auf den verschiedensten Wegen erreichen kann, je nach seinem Anliegen – übers Telefon, das Handy, am PC oder eben in der Filiale mit einem persönlichen Ansprechpartner vor Ort. 

Dennoch dreht sich im genossenschaftlichen Bereich das Fusionskarussell. Ist das ein Allheilmittel?

Held: Ich kann andere Fusionen nicht beurteilen, aber ein Allheilmittel ist es nicht. Es muss halt passen, am besten, wenn es auf Augenhöhe passiert. Im Bereich Meldewesen und Regulatorik kann es da durchaus Synergien geben. Mir schwebt aber ein anderes Modell vor, das ich gerade zu forcieren versuche. Ich lote ein regionales Modell aus, bei dem mehrere Banken unter Moderation des GVB bei Funktionsstellen kooperieren können, ohne ihre Eigenständigkeit aufgeben zu müssen oder einseitige Abhängigkeiten zum Beispiel von großen Banken eingehen zu müssen. Da gibt es unter anderem noch kartellrechtliche Fragen zu klären, aber bald soll es auch das erste entsprechende Treffen geben.

Es gab ja Fusionsgespräche zwischen Deutscher und Commerzbank, bei denen offenbar die Bundesregierung im Hintergrund mitgemischt hat. Würden Sie sich für ihre Bankengruppe auch mal so viel Aufmerksamkeit der großen Politik wünschen?

Held: Wir brauchen keine besondere Aufmerksamkeit der Politik. Aber ich würde mir Geschlossenheit der deutschen Politik gegenüber europäischen Verordnungen wünschen. Und wir brauchen Aufmerksamkeit in Europa für unser Drei-Säulen-Bankensystem, das die anderen europäischen Staaten in seiner Gänze nicht verstehen.

 

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