Die Wahl-Homepage der Stadt Bayreuth zeigt etwas, das es in einer Demokratie nicht geben sollte: 110,84 Prozent Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Emtmannsberg, 111,09 Prozent bei der Bezirkswahl. Das hat aber keinen politischen, sondern einen verfahrenstechnischen Grund: Die Briefwahlunterlagen der Gemeinden Emtmannsberg, Seybothenreuth und Kirchenpingarten wanderten am Sonntagabend in eine gemeinsame Urne – deren Ergebnisse dann zu Emtmannsberg gezählt wurden.

Es gab also nicht mehr Wähler als Stimmberechtigte, wie die Homepage (Stand: Montag, 18.30 Uhr) vermeldet. Stattdessen wurden lediglich Wähler aus den beiden anderen Gemeinden zu Emtmannsberg dazugezählt.  

Die Zusammenlegung der Briefwahlbezirke sei eine Verfahrensvorgabe der Kreiswahlleitung gewesen, sagt Hans Wittauer, Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Weidenberg, zu der die drei Gemeinden gehören. Der stellvertretende Kreiswahlleiter Ludolf Tyll verweist weiter ans Landratsamt – sieht in der Regelung aber nichts Ungewöhnliches: „In Bayreuth haben wir auch 73 Wahllokale und nur 17 Briefwahlbezirke. Bei uns ist das gang und gäbe." Laut Klaus Bauer, Verwaltungsleiter der VG, wurden die Briefwahlstimmen zudem bereits bei der Wahl 2008 zusammengefasst – allerdings ohne, dass dabei die 100-Prozent-Marke überschritten wurde.  

Weil die VG notiert hat, woher die Briefwahl-Unterlagen kamen, kann man die tatsächliche Wahlbeteiligung in den verschiedenen Gemeinden nachträglich errechnen. Sie betrug in Emtmannsberg 73,67 Prozent, in Kirchenpingarten 73,22 Prozent (statt wie berichtet 57,05 Prozent) und in Seybothenreuth 69,73 Prozent (statt 48,04 Prozent). Wie in den Gemeinden gewählt wurde, lässt sich hingegen nicht mehr herausfinden. Bei der Bundestagswahl am kommenden Sonntag werden die Briefwähler wieder zu ihren jeweiligen Heimatorten gezählt.