Versteigert für guten Zweck Teuerster Frisör-Termin Frankens

Andreas Nuissls Termin-Versteigerungs-Aktion brachte 422 Euro ein. Das Geld wird er spenden. Foto: Lena Buckreus/Lena Buckreus

Waschen, schneiden, föhnen für 422 Euro. Andreas Nuissl hatte eine Idee, die viele nachmachten: Der Bayreuther Frisör versteigerte den ersten Termin nach dem Lockdown. Für einen guten Zweck.

Bayreuth - Sein Telefon steht seit Tagen nicht mehr still. Es sind vor allem Terminanfragen, die Friseur Andreas Nuissl und sein Team abzuarbeiten haben. Außerdem ist der Inhaber von zwei Friseursalons in Bayreuth momentan ein gefragter Mann. In den vergangenen Wochen hat er unzählige Interviews gegeben. Für Fernseher- und Radiosender, Zeitungen. Seine ungewöhnliche Idee, den ersten Termin in seinem Salon am 1. März um 8 Uhr auf der Internetplattform Ebay zu versteigern, ging Deutschlandweit durch die Medien. Er sei schon ein bisschen überrascht, dass es so einen „Presserummel“ um ihn gibt, sagt Nuissl im Kurier-Gespräch. Aber er freut sich darüber auch. Denn damit hat er das Augenmerk auf sein Handwerk gerichtet. Einige seiner Kollegen hätten nach seinem Vorbild ähnliche Aktionen ins Leben gerufen.

Angefangen hat alles mit einer Schnapsidee. Schon nach dem ersten Lockdown seien die ersten Termine sehr gefragt gewesen und Nuissl hatte da schon vor, den allerersten Termin zu versteigern. „Doch zu der Zeit mussten wir erst einmal sehen, dass wir die ganzen Auflagen umgesetzt bekommen. Da war an solche Scherze nicht zu denken.“ Mit dem Bekanntwerden des Termins für die Salon-Öffnungen witterte Nuissl dann seine Chance. Am 11. Februar stellte er den Termin am 1. März um 8 Uhr in Ebay zur Versteigerung ein. Mit einem Startgebot von 111 Euro. Denn für den selbstständigen Friseur war von vornherein klar: „Wenn ich das mache, dann spende ich den Erlös. Deshalb habe ich das Gebot so hoch angesetzt.“ Der Erlös geht an den Service-Club Round Table 98 Bayreuth und die die Bayreuther Tafel.

Schon am Nachmittag des ersten Tages lag dann der zu überbietende Betrag bei 280 Euro. Am vergangenen Sonntag stand dann der Glückliche fest, der sich den ersten Termin bei Andreas Nuissl für satte 422 Euro erboten hatte: ein Bayreuther Handwerker und Freund des Friseurs. Weil Nuissl seinem ersten Kunden auch etwas Besonderes bieten möchte, gibt’s nicht nur einen Haarschnitt, sondern ein rundum Wohlfühlpaket. Seine Mitarbeiter hat er erst auf 9 Uhr einbestellt, der Salon gehört dem Kunden und dem Chef also für eine Stunde ganz alleine. „Eigentlich wollte ich ihm einen Champagner anbieten, aber ihm ist ein alkoholfreies Weizen lieber. Also gibt’s am Montag Weizen“, sagt Nuissl und muss lachen.

Und dann? Dann beginnt für den Friseur und seine 13 Mitarbeiter eine arbeitsreiche Zeit. Die ersten drei Wochen im März sind schon komplett ausgebucht. Wer noch einen Termin im März haben möchte, muss bis Ende des Monats warten. Für den Neustart in den Salons hat er extra Luftreiniger angeschafft. Nuissl freut sich darauf, endlich wieder den Laden aufsperren zu dürfen, zu arbeiten, wieder einen geregelten Ablauf zu haben. Denn genau das habe ihm die vergangenen elf Wochen gefehlt. Genauso wie das geregelte Einkommen. Seine Mitarbeiter waren seit Dezember in Kurzarbeit, staatliche Hilfen hat er noch keine bekommen. Wie viele andere Friseursalons, ist er durch das Raster durchgefallen und bisher leer ausgegangen.

Seine finanziellen Ausfälle sind groß. Es habe so gut wie alle Salons hart getroffen. Deswegen hat er sich zunächst mit einem Brief an den Ministerpräsidenten Markus Söder gewandt, in dem er unter anderem anfragt, ob es für die Friseursalons Ausnahmeregelungen bezüglich der Ausgangssperre geben könnte. „Wir hätten so in zwei Schichten arbeiten und mehr Kunden bedienen können“, sagt Nuissl. Bisher hat er noch keine Antwort von Söder erhalten. Ein weiteres Schreiben des Bayreuthers richtet sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Bundesregierung. Darin fordert er die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent für Dienstleistungen. So hätten die Friseure aus seiner Sicht zumindest die Chance finanziell wieder auf den richtigen Weg zu kommen.

Zusätzlich zu den 422 Euro aus seiner Termin-Versteigerung sind außerdem 1410 Euro an Spenden für die beiden Bayreuther Organisationen zusammengekommen. Andreas Nuissl Ziel: an die Round Table und die Tafel je 1000 Euro übergeben. Deshalb sammelt er in seinem Salon noch bis zum 15. März Spenden.

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