Der Tod kommt dreimal, binnen weniger Wochen oder Tage. Und macht dann teils monatelang einen Bogen um das Dorf auf der Rodungsinsel am Ochsenkopf. Nicht immer, nicht jedes Mal. Aber auffallend häufig.

Zum Beispiel im Jahr 2008. Am 25. Oktober stirbt eine 86-jährige Frau. Am 30. Oktober und am 19. November versterben zwei weitere Bischofsgrüner. Fast vier Wochen macht der Tod Pause. Mitte Dezember gibt es binnen drei Tagen zwei Sterbefälle. Erst am 18. April gibt es wieder einen Todesfall, ein 79-Jähriger. Vier Wochen später, am 13. Mai 2009 stirbt ein 91-Jähriger. Im Juni sind es dann gleich vier Todesfälle, allesamt Hochbetagte. Nach zwei weiteren Sterbefällen Ende Juli und Anfang September macht der Tod wieder zwei Monate Pause. Bis im November binnen zweieinhalb Wochen wieder drei Menschen das Leben verlassen. Auf einen einzelnen Todesfall Anfang Dezember folgen dann wieder deren drei zwischen dem 26. Dezember und dem 2. Januar 2010.

Immer wieder kurz hintereinander

Und so geht es weiter. Immer wieder isolierte Trauerfälle. Ganze Monate ohne einen Todesfall. Und dann immer wieder drei Trauerfälle kurz hintereinander. Etwa zwischen dem 23. September und dem 4. Oktober 2010. Im Jahr 2011 gibt es, nach zweieinhalb Monaten Pause, zwischen dem 16. Februar und dem 22. März wieder drei Sterbefälle. Zwei Monate Pause. Zwei Sterbefälle Ende Mai. Zweieinhalb Monate Pause. Dann von Ende August bis Ende September versterben wieder drei Bischofsgrüner im Alter von 69 bis 81 Jahren. Wieder zweieinhalb Monate Pause. Bis es von Anfang Dezember bis Anfang Januar wieder drei Trauerfälle in Bischofsgrün gibt.

Nur auf Einheimische bezogen

Das gleiche Muster Ende 2012: drei Todesfälle zwischen dem 14. Dezember und dem 5. Januar. Die Übersicht bezieht sich nur auf Einheimische, die ihr ganzes Leben oder den größten Teil ihres Lebens in Bischofsgrün verbrachten. Todesfälle unter Bewohnern des örtlichen Pflegezentrums bleiben in diesen Daten in der Regel außen vor, da hier überwiegend Menschen ihren letzten Lebensabschnitt verbringen, die keine sozialen oder verwandtschaftlichen Bindungen in Bischofsgrün haben oder hatten.

"Reiner Zufall"

Für Karl-Herbert Schmidt, fast vier Jahrzehnte lang niedergelassener Arzt in Bischofsgrün, bedeutet dieses Muster rein gar nichts: „Das ist rein zufällig, statistische Häufungen." Er kenne das Thema, „aber das geht alles in den Grenzbereich zum Aberglauben. "Die einzige auffällige Häufung von Krankheits- und Todesfällen in Bischofsgrün, die er beobachtete, geschah im Jahr 1968. Als auffallend viele Menschen im Alter von 50 bis 60 Jahren an Krebs erkrankten. Schmidt vermutet dahinter eine Spätfolge der zahlreichen oberirdischen Atomtests der späten 40er und frühen 50er Jahre in den USA und der Sowjetunion. Auch sonst tut sich die Wissenschaft etwas schwer mit dem Thema.

Pauschaler Kommentar schwierig

Michael Mühlichen befasst sich beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden mit dem Thema Mortalität. „Es ist durchaus denkbar, dass, wenn jemand stirbt, ein anderer ihm nahestehender Mensch den Lebensmut verliert, der sonst noch ein paar Wochen oder Monate länger gelebt hätte. Dies betrifft vor allem alte Menschen, die schon mit Herzkreislaufproblemen zu kämpfen hatten." Es könnten aber auch kurzfristige Extremwerte der Temperatur eine Rolle spielen, wenn sie stark von den Normalwerten abweichen. Mit zunehmendem Alter falle es oft schwerer, auf kurzfristig veränderte klimatische Veränderungen entsprechend zu reagieren. „So kann es im Sommer vermehrt zu Opfern von Hitzschlag, im Winter zu Todesfällen durch Influenza oder Erfrierungen kommen." Ansonsten sei ein pauschaler Kommentar zu dem Phänomen schwierig.

Das Dreieck war wieder voll

„Für eine Bewertung müsste man Näheres über die Betroffenen wissen, wie Alter, Todesursache, Jahreszeit und soziale Beziehungen", so der Wissenschaftler. Zufall oder nicht: Auch Bürgermeister Stephan Unglaub weiß, „es ist eigentlich schon immer so gewesen." Erst am 26. Februar, vor wenigen Tagen, als der dritte von drei alteingesessenen Bischofsgrünern binnen weniger Tage verschied, „sagte ein Mitarbeiter im Rathaus zu mir: ‚Jetzt haben wir wieder die Drei.'" Georg Greiner aus Wülfersreuth, der bis ins hohe Alter im Gasthaus Siebenstern im Service aushalf, Georg Greiner, der stets sagte, „jetzt ist das Dreieck wieder voll, und ich bin wieder nicht dabei", Georg Greiner starb am 9. November 2009 im gesegneten Alter von 94 Jahren. Acht Tage zuvor war ein 80-Jähriger Einheimischer gestorben. Und acht Tage nach Georg Greiners Tod starb eine 72-jährige Bischofsgrünerin. Das Dreieck war wieder voll. Und diesmal war Georg Greiner dabei.