Bayreuth Anzeige für Klebe-Aktivisten

Christoph Hackl

Nach zwei Straßenblockaden in Bayreuth erwartet die Demonstranten der Aktionsgruppe „Letzte Generation“ eine Anzeige. Weitermachen schließen sie nicht aus. Für den Einsatz des Rettungsdienstes wird ihnen nichts berechnet.

Bayreuth - Auf Höhe Wittelsbacherring/Friedrichstraße blockierten um kurz nach 18 Uhr am Dienstagabend vier Aktivisten die Fahrbahn. Nachdem die Polizei zwei der Protestler weggetragen hat, klebten sich die anderen zwei an die Straße fest.

Eine Stunde lang war die Fahrbahn nur einspurig in Richtung Universität befahrbar. Es hagelte Schimpfwörter und Verunglimpfungen von allen Seiten. Passanten und Autofahrer riefen aufgebracht, zeigten aber teils auch Verständnis: „Das ist schon gut, was ihr macht. Aber ihr raubt mir Lebenszeit.“

Ein Mann, der sich beschwerte, nahm einen Flyer der Aktivisten mit. Eine Frau wollte unbedingt durchgelassen werden, sie arbeite in einer Klinik. Die Aktivisten öffneten ihre Blockade kurzzeitig.

Als sie erneut gebeten wurden, die Blockade aufzuheben, sagte ein Aktivist, sie könnten sie auch nicht für alle auflösen, sonst sei der Protest nicht wirksam. Sie beteuern immer wieder, dass es ihnen leidtue, den Menschen den Abend zu versauen, aber der Klimaschutz gehe vor.

Angst vor Klimakatastrophe

Wenige Autofahrer versuchen immer wieder aufzufahren, andere steigen aus. Wieder andere bleiben sitzen. „Ich will doch einfach nur nach Hause. Ich weiß nicht, was das soll,“ sagte eine Autofahrerin.

Vorerst geht es nicht weiter, die Aktivisten bleiben standhaft. Zu Passanten sagen sie, sie seien verzweifelt und hätten ein bisschen Angst, aber die Angst vor der Klimakatastrophe sei größer. Die Polizei löste die Blockade auf, indem die zwei nicht geklebten Aktivisten auf den Mittelstreifen getragen wurden, Die Sperrung dauerte jedoch noch bis 19.50 Uhr.

Die Aktivisten müssten mit einer Ansprache wegen Nötigung rechnen, sagt Polizeisprecher Matthias Potzel. „Man konnte nicht durchfahren, ab dem zweiten Fahrzeug geht man von einer Nötigung oder von einem Verdacht der Nötigung aus.“

Die Polizei habe daher die Personalien aufgenommen und ein Strafverfahren eingeleitet. Auf Nötigung steht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe aus. Potzel sagt dazu: „Die Polizei kann keine Auskunft über juristische Fragen geben aber grundsätzlich wird bei einer solchen Protestaktion einen 15-jährigen keine Freiheitsstrafe erwarten.“

Laut Potzel mache es beim Straftatbestand der Nötigung auch keinen Unterschied, ob die Personen geklebt waren oder nicht. „Der Gesetzestext unterscheidet nicht zwischen der Art, wie man die Straße blockiert.“ Der Verkehr sei behindert gewesen und daher werde Anzeige erstattet.

Aktivisten dieser Art seinen zuletzt vermehrt in der Kritik geraten, weil Rettungskräfte nicht durchkommen können.

Kein medizinisches Eingreifen nötig

Thomas Janovsky, Pressesprecher des Roten Kreuzes, versichert nach dem Einsatz der Notfallsanitäter: „Das wird als Fehleinsatz gebucht, weil kein medizinisches Eingreifen nötig war“. Es würden keine Kosten berechnet, da niemand abtransportiert oder behandelt werden musste. Die Demonstranten wurden lediglich mit Desinfektionsmittel von der Straße befreit.

Der 15-jährige Aktivist Niklas Huth, der sich mit seiner Hand an die Straße festgeklebt hat, ist weiterhin überzeugt von seinem Protest. „Die Aktion war mega gut“, sagt Huth.

Zwar sei der Stressfaktor zwischendrin ziemlich hoch gewesen, doch dafür fühle er sich jetzt gut. Seinen Eltern hat er gestern Abend noch davon erzählt. „Die haben mich unterstützt“, sagt er.

Auch seine Mitschüler haben von seinem Protest erfahren, bei denen hätte er aber noch nicht die Möglichkeit gehabt, zu erklären warum sich auf die Straße klebte.

Huth weiß nicht welche Strafe ihn erwarten wird, rechnet aber mit Sozialstunden. Dass er so etwas nochmal machen möchte, kann er nicht verneinen.

 

Bilder