Übernahme Gemeinsam gegen die Hacker

Die Geschäftsführer Franz Herrmann (links) und Hendrik Walter führen Symbiose Software unter das Dach von Avency aus Telgte bei Münster. Foto: Stefan Schreibelmayer

BAYREUTH. Das Wortspiel von der Symbiose bietet sich an: Die kleine Bayreuther IT-Schmiede Symbiose Software ist von der Firma Avency aus Telgte bei Münster übernommen worden. Zusammen erhoffen sie sich noch mehr Schlagkraft im Kampf um Datensicherheit für ihre Firmenkunden.

Es sind Zahlen, die man kaum glauben kann. Doch Hendrik Walter, der Prokurist bei Avency und ab sofort bei Symbiose gleichberechtigter Geschäftsführer neben Franz Herrmann ist, beteuert: "Manche Unternehmen machen sich keine Vorstellung davon, wie oft sie und ihre Daten aus dem Internet angegriffen werden. Oft sind es Hunderte von automatisierten Scans pro Sekunde, mit denen nach Schwachstellen in der Sicherheitssoftware gesucht wird. Wenn diese Programme eine solche Schwachstelle finden, dann besteht die große Gefahr, dass sich irgendwo auf der Welt ein Hacker ans Werk macht und großen Schaden verursacht." Ähnlich verhalte es sich mit sogenannter Ransomware, mit deren Hilfe Kriminelle Internetseiten sperren und so versuchen, eine Art Lösegeld zu erpressen.

IT-Sicherheit nicht als lästiger Kostenfaktor

Gerade durch Medienberichte über diese Masche würden mittlerweile immer mehr Unternehmen für die Datensicherheit sensibilisiert, sagt Walter, und: "Ganz wichtig ist, dass das Thema mittlerweile vielerorts auch auf der Chefebene angekommen ist. Denn nur dort bringt es etwas, wenn IT-Sicherheit nicht mehr als lästiger Kostenfaktor, sondern als wichtige Investition angesehen wird." Chefs, die sagen, "bei uns ist doch noch nie etwas passiert", würden immer seltener: "Viele haben erkannt, dass es erst dann richtig teuer wird, wenn etwas passiert."

Avency und Software Symbiose arbeiten bei entsprechenden Sicherheitslösungen nun also eng zusammen. Wobei es schon vorher eine Kooperation gab, die sich nach dem Kennenlernen von Walter und Herrmann vor rund fünf Jahren bei einem Kongress in Helsinki entwickelt hat. Jetzt also die Übernahme aller Anteile, die Avency-Inhaber Roland Albers so kommentiert: "Die beiden Unternehmen ergänzen sich optimal."

Aufträge zugeschanzt

Franz Herrmann gibt unumwunden zu, dass es für ihn und seine acht Mitarbeiter in Zeiten des Fachkräftemangels in der Branche zunehmend schwieriger wurde, die immer höheren Ansprüche der Kunden zu erfüllen, etwa eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft. Jetzt könne man auch auf die knapp 40 Mitarbeiter starke Avency-Mannschaft zurückgreifen. Zumal sich beide Firmen auch bislang nie als Konkurrenten gesehen hätten, ergänzt Walter, ganz im Gegenteil: "Avency ist vor allem in West- und Norddeutschland unterwegs, Symbiose Software im Süden. Da haben wir uns auch früher schon mal gegenseitig den einen oder anderen Auftrag zugeschanzt."

Zusammen wollen die beiden Unternehmen nun organisch wachsen, sagt Walter, gibt aber auch zu bedenken, "dass wir zuerst viel Arbeit haben werden, um beide Einheiten zusammenzubringen". Die Kundenstruktur ist jedenfalls ähnlich, vom kleinen Handwerker bis zu großen Konzernen. Und so zählt Walter auf: den Lkw-Anhängerhersteller Schmitz Cargobull mit Milliardenumsatz, mehrere renommierte Hochschulen wie die Goethe-Universität in Frankfurt oder die RWTH in Aachen, das Uni-Klinikum Münster sowie große Versicherungen, Banken oder Autozulieferer, die ihren Namen in diesem Zusammenhang aber nicht in den Medien lesen wollen: "Das Thema Datensicherheit und Hackerangriffe ist halt auch ein sensibles."

Ein Unternehmen, ein Name

So oder so: In den kommenden beiden Jahren soll aus Avency und Software Symbiose auch in der Außenwirkung ein Unternehmen mit einem Namen werden. In Bayreuth, wo bislang zwei Wohnhäuser als Firmensitz dienen, soll ein neuer Standort gefunden werden, "der vielleicht auch etwas repräsentativer ist", sagt Walter. Und Platz für den einen oder anderen zusätzlichen Mitarbeiter bietet. Und natürlich soll auch der Umsatz zulegen, der bei beiden Unternehmen zusammengerechnet im abgelaufenen Jahr bei rund acht Millionen Euro lag. Nächstes Ziel: zweistellig.

 

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