Über die Videoinstallation von Philipp Geist am Rathaus Videoinstallation "ein großer Wurf"

Von Florian Zinnecker

Die Installation von Philipp Geist bringt etwas Entscheidendes sehr entschieden auf den Punkt: Bayreuth ist Projektionsfläche. Die Rathausfassade ist für Geists Arbeit das, was Bayreuth für Wagner ist: eine Leinwand. Keine eigens aufgebaute, sondern eine schon existente; und keine weiße, sondern eine mit Farbe, Leben und Struktur.

Die Projektionsfläche käme sehr gut ohne Projektion aus; allerdings: dann fehlte das Besondere, das Leuchtende, die von weitem sichtbare Kunst. Und natürlich käme umgekehrt auch Philipp Geists Videokunst ohne die Projektionsfläche aus – sie bliebe dann nur unsichtbar und würde am Nachthimmel höchstens ein paar Vögel verschrecken. An einer anderen Hauswand als an dieser würde Philipp Geists Arbeit deshalb gar keinen Sinn ergeben. Hier ist schon die Leinwand ein Symbol: Das Rathaus ist die Stadt, und die Stadt ist Bayreuth.

Am Samstagabend hatte, pünktlich zur Abenddämmerung, Philipp Geists Licht-Video-Installation Premiere. Es ist eine Arbeit zu Wagner, ein grafischer Remix aus Wagners Ideenkosmos (und auch einer digitalen Auseinandersetzung mit einigen Leitmotiven – die noch recht leise blieb, aber bekanntlich endet die Kunstfreiheit dort, wo Anwohnerrechte beginnen). Mit Geists Arbeit im Herzen der Stadt bekommt das Wagnerjahr endlich die Dimensionen, die es braucht. Etwas, dass es noch nie gab, das weithin sichtbar ist, über das man reden muss, mit anderen und mit sich selbst.

Wer am Samstagabend stehenblieb, den Kopf hob und dem Bilderfluss ein paar Minuten Zeit gab, der merkte schnell: Was da stattfindet, ist nicht nur Stehtischkonversationsbegleitkunst. Geists Arbeit ist eine Abbildung des Wagnerschen Gedankenflusses, alles fließt ineinander, sehr vieles dreht sich um sich selbst, und intelligent ist auch die Art und Weise der Wiederholung: Geist hat nicht einfach eine Reihe von Sequenzen geschaffen, die sich unendlich wiederholen. Die Sequenzen tauchen immer wieder auf, wie Siegfrieds Hornruf und das Speermotiv im „Ring".

Geist schafft sichtbare Leitmotive; bald projiziert er auch auf die Rathausfassade ein Bild der Fassade und verfremdet es dann, bald wächst ein gewaltiger Wagner-Kopf über die Fassade hinaus. Und immer wieder blitzen Sätze auf, zu schnell, um sie lesen zu können. So könnte es ausgesehen haben, im Kopf des Meisters. Doch dass Wagner größer ist als das Rathaus, das war schon vor Geists Arbeit klar.

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